Römerberg
Bald keine Alternative mehr zu kirchlichen Kitas?
Mit viel Optimismus haben Gemeinde und das neu rekrutierte Team die Naturkita Am Tafelsbrunnen zwischen Berghausen und Speyer vor zwei Jahren an den Start gebracht. Bis dahin hatte es in den drei Römerberger Ortsteilen nur Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft gegeben. Die neue eingruppige Einrichtung sollte eigentlich zur Keimzelle der gerade im Bau befindlichen fünfgruppigen Kita in der Gartenstraße in Berghausen werden. Der Plan: Wenn diese den Betrieb aufnimmt, zieht die Kita-Gruppe vom Tafelsbrunnen dorthin um und wird um weitere Gruppen und Personal ergänzt. Doch nachdem der Ortsgemeinderat vor der Sommerpause beschlossen hat, dass die zweite geplante Kita – eine dreigruppige Einrichtung in W3 in Heiligenstein – doch nicht gebaut wird, steht das gesamte Konstrukt auf der Kippe.
Der Grund: Eigentlich sollte die protestantische Kita Spatzennest, die seit Jahrzehnten in einem Provisorium untergebracht ist, in die W3-Kita ziehen. Die Gemeinde sah sich nun in der Pflicht, dem Protestantische Kindertagesstättenverband Speyer-Germersheim eine Alternative anzubieten, und fragte an, ober dieser die neue fünfgruppige Kita in Berghausen als Träger übernehmen will. „Die Gemeinde ist auf uns zugekommen. Wir haben die Anfrage geprüft und uns positiv dazu geäußert“, sagt Jochen Wütscher, Geschäftsführer des Verbands. Bei Eltern wie Erzieherteam der Kita Am Tafelsbrunnen sorgt diese Aussicht aber für so großen Ärger, dass Elternvertreter kürzlich sogar eine Internet-Petition auf der Plattform innn.it gestartet haben und darin fordern, dass die Kita in Verantwortung der Gemeinde kommt.
„Laut werden und kämpfen“
„Unsere Gemeinde braucht eine kommunale Kita, die unabhängig von kirchlichen Trägern allen Familien gleichermaßen offensteht“, finden die Initiatoren. Dass es in Römerberg nur Kitas in kirchlicher Trägerschaft geben soll, halten sie nicht für zeitgemäß. Trägervielfalt werde auch im Kitagesetz gefordert. Fast 130 Menschen unterstützen die Petition bislang. Die Elternvertreter Sara Pflanz und Tobias Hegemann wollen nichts unversucht lassen, ihre kommunale Kita zu retten. „Laut werden und kämpfen“ haben sie sich vorgenommen. Denn vom Konzept sind sie voll überzeugt: Die zahlreichen Aufenthalte in der Natur, die Orientierung an den Bedürfnissen der Kinder, die familiäre Atmosphäre – all das wollen die Eltern nicht mehr missen. Kirchlichen Kitas stehen sie hingegen sehr skeptisch gegenüber. „Wir sehen das Konzept in Gefahr, wenn die Kita in kirchliche Trägerschaft übergeht“, sagt Pflanz, die eine dreieinhalbjährige Tochter in der Einrichtung am Tafelsbrunnen hat. Mit dem Geschäftsführer des Protestantische Kindertagesstättenverbands haben die Eltern einen Gesprächstermin für kommende Woche vereinbart.
Die Eltern kritisieren, dass die 15 Kinder auch ihr gewohntes Umfeld und ihre Bezugspersonen verlieren würden, wenn die Einrichtung in kirchliche Trägerschaft kommt. Denn die Erzieherinnen und Erzieher am Tafelsbrunnen sind bei der Gemeinde angestellt und wollen nicht, dass künftig die Kirche ihr Arbeitgeber wird – auch wenn der protestantische Trägerverband Gesprächsbereitschaft für eine Übernahme bekundet. „Sehr überrascht“ sei sie von der Entwicklung, sagt Tafelsbrunnen-Erzieherin Alexandra Hoey. Sie und ihre drei Kolleginnen und Kollegen wollten nicht bei einem kirchlichen Träger arbeiten. Sie habe sich bewusst für die Naturkita am Tafelsbrunnen beworben, weil die Kinder dort selbstbestimmt und viel draußen seien. „Wir haben hier viel Herzblut reingesteckt“, sagt sie.
Suche nach Lösung
Andreas Ruhnke, dessen CDU-Fraktion zusammen mit der SPD bereits gegen den Willen von Grünen und FDP den Beschluss, die Kita in W3 nicht zu bauen, durchgesetzt hat und nun mit den Sozialdemokraten bei der nächsten Sitzung des Ortsgemeinderats am 16. September einen Antrag zur Übertragung der Trägerschaft der neuen Kita in Berghausen an die protestantische Kirche stellen will, gibt zu: „Es ist eine schwierige Situation. Wir können es nicht allen recht machen.“ Es gebe zwei Kitas mit unterschiedlichen Trägern, die in Provisorien untergebracht sind, aber nur ein Gebäude, in das sie einziehen können, bringt Ruhnke das Dilemma auf den Punkt. Wobei in der Kita Am Tafelsbrunnen eben nur halb so viele Kinder seien wie im Spatzennest. Ruhnkes „pragmatischer Vorschlag“, in dem großen Gebäude in Berghausen eine kirchliche und eine kommunale Kita unterzubringen, hält das Kreisjugendamt für praktisch nicht umsetzbar. Das Raumkonzept und rechtliche Gründe sprechen laut Kreis dagegen. Klaus Krieger, bei der Kreisverwaltung für die Kita-Planung zuständig, fände mehr Trägervielfalt in Römerberg zwar mit Blick auf das Kita-Gesetz wünschenswert, dazu verpflichtet werden könne die Gemeinde aber nicht.
Den Eltern der Kinder, die die Kita Am Tafelsbrunnen besuchen, sind die neuen Entwicklungen vor wenigen Tagen bei einem Elternabend vorgestellt worden, bei dem neben Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) auch Vertreter der Gemeinderatsfraktionen anwesend waren. Zwar hätten sich alle grundsätzlich dafür ausgesprochen, dass es in Römerberg eine kommunale Kita geben sollte, doch befürchten die Eltern, dass es sich um leere Worte handelt, wenn die konkreten Schritte in eine andere Richtung gehen. Dass die Kita Am Tafelsbrunnen noch bis 2027 parallel mit der neuen Berghausener Kita bestehen könnte, weil diese nicht direkt mit fünf Gruppen startet, ist für sie nur ein schwacher Trost. Der Antrag auf Übertragung der Trägerschaft an die Kirche müsse jetzt gestellt werden, weil alle Seiten planen müssten und die Kita im kommenden Sommer an den Start gehen soll, begründet Ruhnke, warum seine Fraktion jetzt aktiv wird. Doch der Kommunalpolitiker sieht durchaus noch Hoffnung für den Erhalt einer kommunalen Kita im Ort. Es gebe Ideen, die aber noch nicht spruchreif seien.
