Bobenheim-Roxheim
Badeverbot am Silbersee: Längere Sperrung möglich
Wer am Freitag einen Ausflug an den Silbersee gemacht hat, dem wird der gelbe Bagger aufgefallen sein, der dort unermüdlich Sand ins Wasser befördert hat. Es wird langsam zu einem gewohnten Bild: Da müssen mehrere Lkw-Ladungen Sand angeliefert werden, der dann in der Uferzone verteilt wird. Seit Februar ist dort bereits zum dritten Mal Sand weggerutscht, zunächst oberirdisch direkt am Ufer, zuletzt im Mai aber auch im Flachwasserbereich unter der Wasseroberfläche. Zum dritten Mal muss nun also aufgefüllt werden, um einen sicheren Einstieg für Badegäste zu gewährleisten.
„Wir haben da bereits 50 Lkw-Ladungen hingebracht“, berichtet Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf RHEINPFALZ-Anfrage. Ihm bereitet es zunehmend Kopfzerbrechen, dass der Bereich mehrfach einfach weggerutscht ist. Müller sorgt sich vor allem um die Sicherheit der Badegäste. „Ich habe hohe Zäune errichten lassen, damit niemand mehr in die Nähe kommt“, sagt er. Für den Bürgermeister ist es eine ganz neue Situation, denn: „Seit 2008, seitdem ich in Bobenheim-Roxheim politisch aktiv bin, ist das in der Dimension nicht passiert.“ Ob und wann also erneut Seegrund verschwinden könnte, lässt sich nach derzeitigem Wissensstand kaum für die Gemeinde vorhersagen.
Das schlimmste Szenario wäre, wenn Kinder dort spielen, wo sie vermeintlich noch stehen können und mit einem spontanen Abbruch einer größeren Sandmenge ins tiefe Wasser fallen und ertrinken. „Ich kenne die Stelle, da ich selbst Taucher bin“, erzählt Max Leppla, Einsatzleiter bei der DLRG-Ortsgruppe Frankenthal. Der DLRG sind die potenziellen Gefahren von Baggerseen bekannt. Auch im Internet warnen Ortsgruppen immer wieder vor dem Schwimmen darin, insbesondere wenn in den Seen noch Rohstoffe abgebaut werden. „Das Problem beim Silbersee ist, dass es halt sehr schnell hinter der Abbruchkante tief wird. Und in dem betroffenen Bereich sind immer viele Nichtschwimmer unterwegs“, sagt Leppla, dessen Ortsgruppe bei gutem Wetter dort samstags und sonntags ehrenamtlich den Badebetrieb beaufsichtigt.
Für gute Schwimmer sollte so ein plötzliches Abrutschen – abgesehen von einer Schrecksekunde – weniger problematisch sein, schätzt Leppla. Für Nichtschwimmer kann es tödlich enden. Dass ein derartiges Szenario am Silbersee bisher nur Theorie war, bestätigt Leppla: „Ich habe nicht mitbekommen, dass es dort Unfälle aufgrund der Beschaffenheit des Sees gegeben hat.“ Die häufigste Ursache tödlicher Badeunfälle in seinem Einsatzbereich sei Kreislaufzusammenbruch während des Schwimmens nach Alkoholkonsum. Auch Selbstüberschätzung, etwa bei zu weitem Hinausschwimmen, sei eine häufige Ursache.
Das schlechte Wetter in den vergangenen Wochen hat bisher dafür gesorgt, dass Badegäste kaum den Weg zum Ufer gefunden haben. Das bestätigt Jeffrey Bauer, Betreiber der Strandbar am See. „Ein paar tapfere Schwimmer sind natürlich da“, sagt er. „An den Tagen, an denen die Sonne sich zeigt, ist es aber voll“, berichtet der Pächter des Silbersee-Kiosks. An eine dauerhafte Sperrung des Strands glaubt er derzeit nicht. „Ich denke, bis es wirklich heiß wird, ist die Sache behoben.“
Bürgermeister Müller will nicht voreilig handeln: „Ich mache erst wieder auf, wenn für Leib und Leben Sicherheit besteht“, sagt er. Müller fürchtet, im Falle eines Unglücks haftbar gemacht zu werden. Erst Anfang des Jahres war ein Bürgermeister aus Hessen nach einem tödlichen Unfall in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil es das Gericht als erwiesen ansah, dass die Gemeinde einen Teich nicht gut genug gesichert hatte.
Geologe: Würde See mit steiler Kante nicht betreten
Auch deshalb hat es am Freitagvormittag vor Ort ein Treffen mit der Kreisverwaltung und der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd gegeben. Die SGD sei beratend dabei gewesen, betont Sprecherin Nora Schweikert. Zuständig seien die Gemeinde als Eigentümerin des Strandabschnitts und die Untere Wasserbehörde, also die Kreisverwaltung. Daneben hat die Gemeinde Bobenheim-Roxheim auch veranlasst, dass ein Taucher den betroffenen Bereich untersucht. Die Ergebnisse lagen zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Weitere Untersuchungen sind nicht auszuschließen. „Eventuell muss sich das auch mal ein Geologe anschauen“, meint Bürgermeister Müller.
Dass Abbruchkanten abrutschen, ist für Geologen nicht überraschend. „Jedes Gefälle hat einen natürlichen Böschungswinkel“, erklärt Thomas Dreher, Leitender Geologiedirektor des Landesamts für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz. „Wenn Sie im Abbau die Böschung steiler stellen, wird sich diese immer wieder nach dem natürlichen Winkel einstellen“, sagt er. Bei Sand seien das etwa 30 Grad. Abbaufirmen würden diesen Winkel in Baggerseen aber fast senkrecht stellen. „Über kurz oder lang wird das dann wieder abbrechen“, erklärt Dreher, weist aber daraufhin, dass er die Situation am Silbersee nicht kenne. Das Treten durch Badegäste auf eine senkrechte Abbruchkante könne dazu führen, dass diese wegrutsche. „Ich würde in einen Badesee mit senkrechtem Böschungswinkel sowieso nicht reingehen“, sagt Dreher.
Unternehmen schließt Zusammenhang aus
Die Firma Willersinn, die Eigentümerin des Sees ist, kann auf Anfrage zu möglichen früheren Abbrüchen nicht viel sagen, auch weil Geschäftsführer Hans-Peter Böhn derzeit nicht erreichbar ist. „Ich kenne das Gelände seit sechs bis sieben Jahren“, sagt Christoph Kopper, Geschäftsführer der im Gebiet Heiligensand tätigen Firma Industrie-Sandwerke Pfalz (ISP), auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Ich hatte zwar gehört, dass immer mal wieder etwas passiert ist, aber in den sechs bis sieben Jahren, in denen ich Teil des Unternehmens bin, ist es das erste Mal passiert.“ Seit mindestens fünf Jahren werde im See kein Abbau mehr betrieben, meint er. Das Kieswerk im nördlichen Bereich des Sees werde durch eine überirdische Pumpleitung vom Heiligensand aus mit Material versorgt. Einen Zusammenhang mit den Abbauaktivitäten von ISP und dem abgerutschten Ufer schließt er deshalb aus.
Max Lepplas Erfahrung nach tummeln sich am betroffenen Ufer im Sommer hauptsächlich Familien mit Kindern. „Natürlich kann es jederzeit passieren, dass da was nachrutscht“, sagt Leppla. Er ist optimistisch, dass es in Ordnung sein sollte, dort zu baden, sobald die Gemeinde den Uferbereich freigibt. Besorgten Eltern empfiehlt er: „Wer davor Angst hat, sollte lieber in ein überwachtes Freibad gehen.“