Harthausen RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgerstiftung mit Startschwierigkeiten

Stiftungsurkunde: Seit rund einem Jahr gibt es die Bürgerstiftung Harthausen.
Stiftungsurkunde: Seit rund einem Jahr gibt es die Bürgerstiftung Harthausen.

Wer seiner Heimatgemeinde etwas Gutes tun möchte, der kann das schon in etlichen Dörfern und Städten über finanzielles Engagement in Bürgerstiftungen. Seit ein paar Monaten ist das auch in Harthausen möglich. Aber bisher ist noch nicht viel Geld eingegangen. Überhaupt haben es Stiftungen nicht immer leicht.

„Es gibt Bürger, die vermögend sind und keine Nachkommen haben“, nennt Harthausens Ortsbürgermeister Harald Löffler (CDU) ein Beispiel für mögliche Stifter oder Spender, die er bei der Gründung der Bürgerstiftung im Sinn hatte. Mit ihrem Geld möchten diese Menschen vielleicht nach ihrem Tod oder auch schon davor ihrer Heimatgemeinde etwas Gutes tun. Aber auch jeder andere – ob jung oder alt, ob reich oder weniger gut betucht – kann sich finanziell in der Bürgerstiftung einbringen, wenn er diesen Wunsch verspürt. Jeder Geldgeber kann dabei entscheiden, für welchen Bereich er sein Vermögen einsetzen möchte: Kinder und Jugend, Senioren, Sport oder Kultur. Diese vier Säulen deckten wesentliche Teile des Gemeinwesens ab. „Eine Bürgerstiftung ist eine hervorragende Möglichkeit, den Bürgerinnen und Bürgern unserer Gemeinde mehr Mitverantwortung für die Gestaltung des Gemeinwesens zu ermöglichen“, sagt Löffler. „Durch die Beteiligung an der Bürgerstiftung können wir gemeinsam Projekte initiieren und umsetzen, die den Bedürfnissen und Wünschen der Harthausener Bürgerinnen und Bürger entsprechen.“ Die Bürgerstiftung Harthausen ist dabei die erste ihrer Art, die unter dem Dach der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Vorderpfalz entstand. Die Bank kümmert sich dabei um das Organisatorische rund um die Stiftung. „Für uns ist es ein minimaler Aufwand an Verwaltung“, begrüßt Löffler diese Lösung.

Erwartungen dämpfen

Was in der Theorie gut klingt, läuft in der Praxis bisher eher schleppend an. „Noch nicht allzu viel“ sei bisher über das Startkapital von 10.000 Euro hinaus zusammengekommen, bedauert Löffler. Dieses setzt sich aus mehreren Spenden und 2000 Euro aus der Auflösung des Turnvereins zusammen. Woran liegt die bisherige Zurückhaltung beim Spenden und Stiften und ist nur die Harthausener Bürgerstiftung betroffen? „Nachdem eine Stiftung gegründet wurde, dauert es in der Regel einige Zeit, bis diese in der Gesellschaft wahrgenommen wird und sich Spender und Unterstützer dafür finden“, sagt Marcus Laubscher, Generationenmanager der Sparkasse Vorderpfalz. „Und für viele Mitmenschen wird eine Bürgerstiftung auch erst richtig greifbar, wenn sich daraus erste Verbesserung in Ihrem Gemeindeleben ergeben.“ Darauf weise die Sparkasse bei einer Stiftungsgründung auch explizit hin, damit die Erwartungshaltung nicht zu groß werde. Im Fall der Bürgerstiftung Harthausen sei noch erschwerend hinzugekommen, dass sich die Information der Öffentlichkeit aus verschiedenen Gründen verzögerte. Denn gegründet wurde die Stiftung schon im August vergangenen Jahres. Es seien trotzdem schon mehrere Spenden eingegangen.

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Doch haben in Zeiten, in denen fast alles teurer wird, die Menschen überhaupt noch Geld übrig, mit dem sie Stiftungen unterstützen? „Ohne Zweifel belastet die aktuelle Teuerung die Geldbeutel von uns allen“, sagt Laubscher. Trotzdem sei das Spendenaufkommen in der Stiftergemeinschaft im vergangenen Jahr gestiegen. Angesichts sehr vieler unterstützungswürdiger Ereignisse innerhalb kurzer Zeit, wie Flut im Ahrtal, Krieg in der Ukraine oder Erdbeben in der Türkei und Syrien, sei die Spendenbereitschaft sehr groß.

Was Laubscher aber durchaus feststellt, ist eine zunehmende Spaltung innerhalb der Gesellschaft. Ein Großteil der Spenden werde von der älteren Bevölkerung – übrigens nicht nur kinderlose – geleistet. „Viele Mitbürger, die den Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland mitbekommen haben und zum Sparen erzogen wurden, haben heute ein auskömmliches Vermögen und häufig den Wunsch am Ende ihres Lebens etwas der Gesellschaft zurückzugeben“, sagt der Sparkassen-Manager. Diese Mitbürger spendeten viel und seien bereit, für deren Herzensprojekt eine Stiftung zu gründen oder aufzustocken.

Jüngere ticken anders

„Dem gegenüber stehen die oft jüngeren Mitbürger, denen es selten an etwas gefehlt hat, deren Wünsche meistens sofort erfüllt werden und die sich an die Kurzlebigkeit von Waren und Dienstleistungen gewöhnt haben“, sagt er. Auch diese Menschen seien häufig hilfsbereit und spendeten, hätten aber eine etwas andere Wahrnehmung der aktuellen Ereignisse und demnach andere Ziele und Spendenprojekte, sodass aus dieser Gruppe zum Beispiel mehr Geld in Klimaschutzprojekte als in Katastrophenhilfe fließe. Mittelfristig erwartet Laubscher weiterhin ein stabiles Spendenaufkommen mit vielen Stiftungen. „Jedoch werden sich langfristig die Zwecke der Stiftungsgründungen deutlich verändern.“

Die vergangenen Jahre mit sehr niedrigen Zinsen sind auch an den Stiftungen nicht ganz spurlos vorübergegangen. „Die Stiftergemeinschaft hat jedoch den großen Vorteil, dass ihr Stammkapital langfristig investiert werden kann“, sagt Laubscher. Durch eine ausgewogene Mischung in viele, verschiedene Anlageklassen und die Beteiligung an speziellen Anlageprodukten, die eine gewisse Mindestgröße voraussetzen, sei die Stiftergemeinschaft gut durch diese Phase gekommen. „Wir konnten in den letzten Jahren regelmäßig zwischen 2,5 und 3 Prozent Ausschüttungsrendite im Jahr erwirtschaften, obwohl wir eine eher konservative Anlagerichtlinie für das Stiftungsvermögen einhalten“, berichtet er.

Spendenkonto

Die Sparkasse nimmt Spenden für die Bürgerstiftung Harthausen unter der IBAN DE85 5455 0010 0191 4629 93 entgegen. Jeder Spender kann selbst bestimmen, welchem Bereich seine Zuwendung zugutekommen soll, indem er dies im Verwendungszweck angibt. Weitere Informationen unter www.sparkasse-vorderpfalz.de/stiftergemeinschaft

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