Böhl-Iggelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgermeister-Wahlkampf: Ganz ohne große Ansprache

Peter Christ (rechts) im Gespräch mit Bürgern. Auf dem Böhler Dorfplatz ging es bei einem Bier eher gemütlich zu. Auch in Iggelh
Peter Christ (rechts) im Gespräch mit Bürgern. Auf dem Böhler Dorfplatz ging es bei einem Bier eher gemütlich zu. Auch in Iggelheim hat der Bürgmeister zum Feierabendbier geladen.

Wenn es nach Peter Christ geht, darf Wahlkampf angenehm sein. Der Bürgermeister und CDU-Kandidat hat die Böhl-Iggelheimer also zum Feierabendbier geladen.

Sonnenschirme mit CDU-Schriftzug, ein paar Karten mit Wahlwerbung auf Tischen – das war schon alles, was auf den ersten Blick verriet, dass es sich bei dem geselligen Beisammensein auf dem Böhler Dorfplatz um eine Wahlkampfveranstaltung handelte. Die Stimmung am frühen Abend ließ viel mehr vermuten, dass endlich wieder ein Dorffest veranstaltet würde. „Es ist das erste Mal, dass wieder irgendetwas stattfindet“, meinte denn auch Nicolai Schroer.

Er und seine Frau Nataliia Shymanska sind vor gut einem Jahr nach Böhl gezogen und wurden vom Bürgermeister deshalb über den Neubürgerempfang informiert. Und über den Neugeborenenempfang im Herbst – denn seit zweieinhalb Wochen hat Böhl mit Baby Maksim noch einen Einwohner mehr. Vielleicht, weil sie als Zugezogene mit anderen Augen durch den Ort gehen, ist den jungen Eltern etwas aufgefallen, das bisher noch nie an Peter Christ herangetragen wurde. Die Bank in der Nähe des Jugendzentrums stehe doch im Grunde falsch herum, bemerkte Schroer. Mit dem Rücken zur Haardt und biete stattdessen einen Blick aufs Gewerbegebiet. „In die andere Richtung wäre es doch schöner.“

Wann immer Bürger an diesem Abend Anregungen wie diese gaben oder Kritik äußerten, zückte der Bürgermeister, der am 12. Juni für eine dritte Amtszeit gewählt werden möchte, sein Smartphone und machte sich eine Notiz. Oft musste er das nicht oft tun, denn viele Menschen waren einfach auf einen Plausch auf den Platz zwischen den Kirchen gekommen. Und wenn doch jemand etwas auf dem Herzen hatte, waren es meist eher kleinere Dinge. Einen Spiegel für mehr Sicherheit an der Kreuzung Ludwigstraße/Kirchenstraße wünschten sich die Neubürger noch. Ein anderer Einwohner meinte, am Holzweg müsse der Radweg etwas freigeschnitten werden.

Für die großen Themen gerüstet

Für Jacob Büttner war derweil der Zustand der Friedhöfe ein Anlass, das Gespräch mit Peter Christ zu suchen. „Die Friedhöfe müssten mal sauber gemacht werden“, forderte er und verwies auf sprießende Gräser und Unkraut, die seiner Meinung nach die Flächen verwahrlost aussehen ließen. Früher habe er selbst bei der Gemeinde gearbeitet und sei für die Friedhöfe zuständig gewesen, erklärte der Rentner, der dann aber einträchtig mit dem Bürgermeister eines der Feierabendbiere trank und betonte: „Es ist nicht bös’ gemeint.“

Für die großen Themen der Ortspolitik wären Christ und seine Unterstützer aus CDU und FWG, die auch fleißig beim Ausschank halfen, durchaus gerüstet gewesen. Ein Traktor auf dem Dorfplatz war mit Plakaten bestückt, auf denen in Kurzfassung die Argumente für die Westumgehung standen. Ebenso waren T-Shirts pro Westumgehung zu sehen. Doch zumindest beim Wahlkampftermin in Böhl schien die geplante Straße – sonst oft ein Reizthema im Ort – keine Rolle zu spielen.

Wahl als Nebensache

Stattdessen diskutierten die Bürger mit dem Christdemokraten lieber über Geschehnisse in der Gemeinde, auf die die Politik keinen Einfluss hat. Die geplatzte Fusion der beiden Fußballvereine etwa, die auch Peter Christ nicht kalt lässt. „Das hat mich richtig geärgert“, sagte er und fügte hinzu: „Nicht, wie die Entscheidung ausgefallen ist, sondern der Umgang miteinander.“

Ein Thema, das auch dem 60-Jährigen sofort ein Lächeln ins Gesicht zaubert, ist dagegen die große Hilfsbereitschaft der Einwohner für die geflüchteten Menschen aus der Ukraine. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen sich melden und eine Wohnung anbieten“, sagte er. „Das war überwältigend.“ Etwa 100 Menschen aus der Ukraine lebten mittlerweile im Ort. Eine dieser Familien hatte den Weg zum Dorfplatz gefunden.

„Very nice“, antworteten die jungen Eltern, als Christ sich erkundigte, wie es ihnen im Ort gefalle. Ihre Tochter sei seit wenigen Tagen im Kindergarten und damit sehr glücklich, verrieten sie mit einer Übersetzungs-App. Potenzielle Wähler sind die beiden freilich nicht. Doch die Wahl geriet an diesem Abend ja ohnehin eher zur Nebensache.

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