Bobenheim-Roxheim
Bürgermeister: Land soll Altrhein selber belüften
Jedes Jahr, hauptsächlich im Sommer, muss der Vordere Roxheimer Altrhein mit einem motorisierten Tauchbelüfter mit frischer Luft versorgt werden, damit Sauerstoffmangel ihn nicht „umkippen“ lässt. Spaziergänger auf dem Altrheinpfad erkennen das Gerät daran, dass an der Seeoberfläche das Wasser kräftig sprudelt. Die Belüftung koste die Gemeinde etwa 10.000 Euro im Jahr, sagte Birgit Adrian, die Geschäftsführerin der Gemeindewerke, kürzlich im Hauptausschuss. Und als so ein Aggregat zuletzt ersetzt werden musste, habe das mit 24.000 Euro zu Buche geschlagen.
Das Geld will Bürgermeister Michael Müller (SPD) nicht mehr bezahlen, nicht zuletzt weil der Gemeindehaushalt auf absehbare Zeit in Schieflage sein wird. Dass die Kommune bislang überhaupt für die Belüftung sorgen musste, obwohl ihr das Gewässer gar nicht gehört, liegt an einer vor Jahrzehnten getroffenen Vereinbarung. Das Landesumweltamt und die Gewerbeaufsicht waren der Ansicht gewesen, Bobenheim-Roxheim trage zum problematischen Nährstoffeintrag bei, wenn – wie damals erlaubt – bei Starkregen Abwasser in den Altrhein eingeleitet werde.
Land ließ Argument der Gemeinde nicht gelten
Laut Adrian hat die Gemeinde mittlerweile mittels Transportsammler und Rückhaltepolder sehr viel dafür getan, dass bei einem Unwetter kein Mischwasser aus der Kanalisation mehr in den Vorderen Altrhein gelangt. Offenbar ließ das Land dieses Argument 2007 nicht gelten, sondern bestand darauf abzuwarten, bis der Bau der Nordspange vollendet sei und nach zehn bis 15 Jahren sicher seine Wirkung zeige. Die Nordspange ist ein System aus ausgebauten Gräben und neu gebauten Verbindungsgewässern, das bei Starkregen für einen besseren Abfluss in den flachen Bereichen der Frankenthaler Terrasse sorgt.
Mittlerweile sind seit der Inbetriebnahme dieses Systems 13 Jahre vergangen, sodass Adrian und Müller die Zeit gekommen sehen, sich von der Belüftung zu verabschieden. Jedoch: In Vorgesprächen mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd sei deutlich geworden, so Adrian, dass die Behörde so lange an ihrem Bescheid von 2008 festhält, „bis wir das Gegenteil dessen beweisen, was da drin steht“. Das bedeutet laut Bürgermeister: Die Verwaltung muss sich Sachverstand einkaufen, um diesen Beweis zu führen und mit der SGD zu verhandeln. Das Ingenieurbüro Pappon und Riedel (IPR Consult) könnte das für rund 23.000 Euro übernehmen.
Der Hauptausschuss stimmte dem Vorgehen zu, die Grünen-Fraktion enthielt sich ihrer zwei Stimmen. Sie hält es für besser, sich erst weiter mit dem Landesumweltamt und der SGD zu besprechen, bevor ein so hohes Honorar für die Ingenieure ausgegeben wird.