Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgerin protestiert gegen Baustofflager im Schutzgebiet

Steine, Schotter, Asphalt: Der alte Sportplatz im Naherholungsgebiet am Altrhein dient aktuell dem Straßenausbau .
Steine, Schotter, Asphalt: Der alte Sportplatz im Naherholungsgebiet am Altrhein dient aktuell dem Straßenausbau .

Das stillgelegte Sportgelände am Bobenheim-Roxheimer Binnendamm, ist derzeit ein großes Depot für Material, das für den Ausbau der Theodor-Heuss-Straße gebraucht wird. Doch dort, mitten in einem Schutzgebiet, liegt auch Bauschutt, zum Beispiel Asphaltaufbruch. Eine Leserin ist entsetzt und fordert ein Konzept für die umweltfreundliche Nutzung des Platzes.

Jessica Gräf ist das, was immer mal wieder auf dem ehemaligen Sportplatz des SV Roxheim, genannt „14er-Platz“, passiert, ein Dorn im Auge. Mitten in dem Landschaftsschutzgebiet in der Nähe von Altrhein und Silbersee lagere die Gemeinde dort Baumaterial und dulde damit Schwerlastverkehr auf der dafür ungeeigneten Straße Am Binnendamm.

Das aktuelle Baustofflager aber gehe wirklich zu weit, meint die Bobenheim-Roxheimerin und weist auf den Straßenaufbruch hin, der von der Theodor-Heuss-Straße stammt: Asphalt, Beton, Bordsteine und so weiter. Das sei vermutlich PAK-haltiger Giftmüll. PAK ist die Abkürzung für als gefährlich geltende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, die in Straßenaufbruch enthalten sein können.

Kreis: Baustellenlager ist zulässig

Jessica Gräf hat sich beim Rhein-Pfalz-Kreis über das Lager beschwert. Denn der Landkreis ist nicht nur Untere Naturschutzbehörde und Untere Abfallbehörde, sondern auch Eigentümer und Baulastträger der Theodor-Heuss-Straße. Der Kreis ist zuständig für den Ausbau der Fahrbahn, die Gemeinde für die Erneuerung der Gehwege. Ausführende Straßenbaubehörde ist der Landesbetrieb Mobilität (LBM). Im Einvernehmen dieser drei Stellen sei der 14er-Platz als Baustelleneinrichtung ausgewählt worden, teilt die Kreisverwaltung auf RHEINPFALZ-Anfrage mit.

In dem Schutzgebiet seien „Maßnahmen für Erhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen zulässig, die der öffentlichen Versorgung dienen“, informiert Kreissprecherin Kornelia Barnewald. Entsprechend dürften dort Aushub- und Abbruchmaterialien, Erdmassen und Baumaterialien wie zum Beispiel Pflaster gelagert werden, bis die Baumaßnahme beendet sei. Eine Gefahr gehe von den auf dem Platz deponierten Stoffen nicht aus. Der größte Teil des Aushubs werde wiederverwendet. „Es handelt sich bei der Gesamtmaßnahme somit um eine ökonomische, ökologische und auch sehr ressourcenschonende Ausbauvariante“, gibt Barnewald die Einschätzung der Naturschutz- und der Abfallabteilung beim Kreis wieder.

Was soll mit dem Platz geschehen?

Wegen der Beschwerde von Jessica Gräf hat sich die Kreisverwaltung noch mal bei der Gemeinde erkundigt, und diese habe versichert, dass der gesamte bisherige Aushub unbelastet sei und regelmäßig – wie gesetzlich vorgeschrieben – getestet werde. Die Messergebnisse lägen vor. „Die Unbedenklichkeit und die regelmäßige Beprobung bestätigt zudem der von Gemeinde, Kreis und LBM beauftragte ausführende Ingenieur“, so Barnewald.

Jessica Gräf fordert die Gemeinde auf, den Platz nach Ende der aktuellen Tiefbauarbeiten nicht mehr als Baustoffdepot zu nutzen, sondern der Bevölkerung für Freizeitzwecke zur Verfügung zu stellen. Das haben die Bobenheim-Roxheimer Kommunalpolitiker mit Blick auf Naherholung und Tourismus schon lange vor. Auf Anfrage heißt es in der Koalition (CDU, Grüne, FWG), man werde sich nach der Sommerpause wieder mit dem Thema befassen. Bis 2021 aber werde der 14er-Platz noch als Lager benötigt.

Rainer Schiffmann (SPD) informiert, dass die Sozialdemokraten nach den vielen Ideen, die es schon gab, eine Nutzung als „grünes Klassenzimmer“ favorisiere. Ebenso wie die Koalition hält auch er es für geboten, sich erneut mit der Rechtslage zu befassen: „Was dürfen wir da eigentlich noch bauen?“, fragen sich die Politiker, nachdem kürzlich das Oberverwaltungsgericht den Silbersee-Bebauungsplan verworfen hat.

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