Lambsheim
Bürgergruppe will Ex-Freibad zum Wahlkampfthema machen
Kuno Beutler ist es „nicht schwer gefallen“, wie er sagt, circa 175 Unterschriften von Lambsheimern zu bekommen, die nicht wollen, dass ihr früheres Freibad zu einem Wohnquartier wird. Die Bürger haben ihre Signaturen unter eine Stellungnahme gesetzt, die kürzlich an den Verband Region Rhein-Neckar (VRRN) ging. Der hatte zum zweiten Mal seinen Entwurf für die Änderung des Einheitlichen Regionalplans der Metropolregion veröffentlicht und eine Frist gesetzt, innerhalb der Anregungen und Einwände ins Verfahren eingebracht werden konnten.
Konkret geht es bei der Regionalplanänderung um Flächen, die künftig fürs Wohnen vorgehalten werden sollen. Manche bislang dafür vorgesehenen Areale sollen wegfallen, andere neu hinzugenommen werden. In manchen Dörfern werden Neubaugebiete verboten, im anderen werden Zuzugsgebiete großzügig erlaubt, wenn der Bedarf dort absehbar ist und die Infrastruktur stimmt. Im Frankenthaler Umland „begünstigt“ werden etwa Bobenheim-Roxheim und Lambsheim – sofern man Einwohnerwachstum und den Bau neuer Wohnhäuser als etwas Positives ansieht.
Bau-Gegner argumentieren mit Tierwelt
Eher negativ fände es in Lambsheim ein Teil der Bevölkerung, wenn der vormals dem Hochwasserschutz dienende Grünzug aufgegeben und von der Ortsgemeinde als Bauland verkauft würde, so wie es die Mehrheit im Gemeinderat wünscht und von den Regionalplanern möglicherweise zugestanden bekommt. Kuno Beutler und seine Familie wohnen in der Nähe des vor mehr als 20 Jahren aufgegebenen Schwimmbads und haben Anfang des Jahres beschlossen, dagegen zu protestieren. Die RHEINPFALZ berichtete am 6. März.
Wenig später fand Beutler Mitstreiter. Jedenfalls unterstützen sie ein Schreiben an den VRRN, das sich mit den Folgen befasst, wenn das mehr als zwei Hektar große Gelände an der Grenze zu Maxdorf für die Bebauung freigegeben würde. Sie heben vor allem auf die Tierwelt ab, die in dem regionalen Grünzug einen Lebensraum gefunden haben oder finden könnten: streng geschützte Vogelarten der Feldflur etwa oder Eidechsen und Amphibien.
„Jährlich ist auf dem Grundstück eines Nachbarn eine Wechselkröte zu sehen“, berichtet Beutler. Ein Foto dieses Exemplars hat er der Kreisverwaltung geschickt, die ihm versichert hat, dass die Wechselkröte streng geschützt ist. Das müsse bei der Planung etwaiger Baumaßnahmen im Fundgebiet artenschutzrechtlich besonders berücksichtigt werden.
SPD und Grüne setzen sich nicht durch
„Zwingend zu schützen“ sei auf der großen ehemaligen Liegewiese auch der Baumbestand, heißt es in der Stellungnahme. Beutler zufolge ist es ein das Landschaftsbild prägender Stieleichen- und Hainbuchenwald in feuchter Variante. Das Freibadgelände als „stark durchgrünte Fläche“ sei für das Kleinklima in der Ortsgemeinde Lambsheim extrem
wichtig. Als weiteres Argument dafür, das Gelände vor einer Bebauung zu schützen, wird der Naherholungswert genannt. Außerdem könne der Wohnbauflächenbedarf, der Lambsheim anerkannt wurde, an anderer Stelle im Ort gedeckt werden. „Ganz wichtig ist den Bewohnern des Viertels der Hochwasserschutz“, sagt Beutler. „Das Gelände muss als Überschwemmungsfläche erhalten bleiben.“
Unterstützt wird das Anliegen der Bürger von der Lambsheimer SPD und den Grünen, die das ehemalige Freibad ebenfalls unbebaut sehen wollen, sich aber im Gemeinderat nicht durchsetzen konnten. Man habe sogar bei der Sammlung der Unterschriften geholfen, bestätigt SPD-Fraktionssprecher Felix Haller. Umgekehrt verspricht der 67-jährige Lambsheimer mit Blick auf die Gemeinderatswahl 2024: „Wir werden Wahlkampfhilfe für die Parteien leisten, die gegen die Bebauung sind.“ Für eine Kampagne sei vorsorglich die Internetadresse „freibad-lambsheim.de“ reserviert worden.
Erst Klimapakt, dann bauen
Beutler kritisiert die Lambsheimer Parteien CDU, FWG und FDP dafür, dass sie noch keinen Kontakt zu den Bürgern gesucht hätten, die gegen eine Freibadbebauung protestieren. Und beim Umweltministerium in Mainz hat er den Kommunalen Klimapakt, dem Lambsheim zwecks Fördermitteln beitritt, thematisiert. „Denn hier soll ein fürs Kleinklima relevantes und CO2-bindendes Biotop zerstört werden, um dann mit Geld vom Land neue Klimaschutzziele zu definieren und umzusetzen“, so Beutler.
In Mannheim beim VRRN hat dessen Leitende Direktorin Petra Schelkmann vergangene Woche bestätigt, dass die Stellungnahme der „Interessengemeinschaft Freibad Lambsheim“ eingegangen ist. Eine Antwort auf das Schreiben kann sie noch nicht geben. Sie schätzt, dass frühestens im Herbst alle Einwendungen zum Regionalplanentwurf abgearbeitet sein werden.