Römerberg
Bürger fordern Geldautomat
Vor etwa sechs Jahren wurde die Geschäftsstelle der Sparkasse Vorderpfalz in Mechtersheim geschlossen. Selbst ein Geldautomat ließe sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben, war die damalige Aussage der Verantwortlichen des Geldinstituts. Die Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz zog 2021 nach. Das sorgt nach wie vor für Unmut in der Gemeinde. „Wir sind quasi bargeldlos“, beklagte Erich Miller in einer E-Mail, die er Ende Januar an beide Banken abschickte.
Rund 1200 Bürger haben laut Miller mit ihrer Unterschrift bei einer Aktion unter dem Motto „Bargeld für Mechtersheim“ ihren Unmut bekundet. Diese Unterschriftensammlung organisierte Miller mit dem Männerverein Club 33 „Nur die Hade“, bei dem er Mitglied ist. Weitere 250 Unterstützer wurden über eine Online-Petition gefunden. „Wir wollen uns bei den Banken beschweren, weil wir nirgendwo im Ort mehr einen Geldautomaten haben“, fasst Miller zusammen.
Gemeinschaftsautomat gefordert
Einen Vorschlag beziehungsweise eine nachdrückliche Forderung verbindet der Club 33 als Initiator mit der Aktion: „Wir möchten, dass die beiden Institutionen einen Gemeinschaftsautomat in Mechtersheim installieren.“ Beispielhaft wird bei der Online-Petition auf einen solchen in Insheim hingewiesen. „Die Gemeinde hat weniger Einwohner als Mechtersheim“, schreibt Miller.
Norbert Rotter, Leiter des Regionalmarktes Süd der Sparkasse Vorderpfalz, antwortet Miller: „Die Notwendigkeit einer Kooperation zur gemeinsamen Nutzung von Infrastrukturangeboten, beispielsweise eines Geldautomaten mit Mitbewerbern in der Ortsgemeinde Mechtersheim, sehen wir zurzeit nicht.“ Der Sparkassen-Vertreter verweist auf den SB-Standort im Ortsteil Heiligenstein in der Germersheimer Straße, der seit der Schließung der Mechtersheimer Filiale für die Bankkunden Anlaufstelle sei. In der Geschäftsstelle in Dudenhofen können laut Rotter weitergehende Bankgeschäfte getätigt werden.
Bargeld verliert an Bedeutung
Regionalmarkt-Leiter Norbert Rotter führt weiter aus, dass bargeldloses Bezahlen vom Handel und auch von den Kunden im Alltag inzwischen bevorzugt genutzt würden. „Gerade in den vergangenen Jahren hat das Zahlen per EC- oder Kreditkarte sowie das mobile Bezahlen mit dem Smartphone auch für Kleinstbeträge zunehmend an Bedeutung gewonnen“, führt Rotter in seinem Schreiben aus. Er sichert örtlichen Betrieben bei der Einrichtung von bargeldlosem Bezahlverfahren Unterstützung vonseiten der Bank zu.
„Wie sollen alte Leute damit klarkommen?“, fragt sich jedoch Miller. Er legt nach: „Sollen sie dem Nachbarn ihre Bankkarte mit Geheimzahl mitgeben, um sich Bargeld holen zu lassen?“ Rotter dagegen führt in der Antwort-Mail aus: „Gerne erneuern wir unser Angebot für Kunden, die aufgrund ihres Alters oder mangelnder Mobilität Probleme bei der Bargeldversorgung haben, individuelle Lösungen zu finden.“
Sparkasse lehnt Übergabe der Unterschriften ab
Der Club 33 hat im Internet einen klaren Appell formuliert: „Nach der Schließung sämtlicher Bankautomaten in Mechtersheim verlangen wir von beiden Banken, eine Lösung zu finden.“
Die Sparkasse Vorderpfalz hat ein Treffen zur Übergabe der Unterschriften abgelehnt. Von der Volksbank gab es bis zum Wochenende noch keine konkrete Rückmeldung. Das Gesuch Millers sei im E-Mail-Eingang der Bank nicht aufzufinden gewesen. Die verantwortliche Stelle sei inzwischen jedoch von einem Mitarbeiter der Volksbank informiert worden, wurde dem Römerberger mitgeteilt.