Rhein-Pfalz Kreis Böhls neue Top-Kaninchen
«Böhl-Iggelheim.» Dem kritischen Blick der Jury mussten sich 48 Kaninchen am Wochenende in Böhl-Iggelheim aussetzen. Der Kaninchenzuchtverein P94 Böhl hatte zu Alttierschau geladen. Und die Mitglieder zeigten anschaulich, dass die Zucht mehr als nur ein Hobby mit niedlichen Mümmlern als Mitbewohner ist.
Kaninchen ist gleich Kaninchen? Pah! Weit gefehlt. Wer genau hinschaut, sieht deutliche Unterschiede. Und der Preisrichter hat ein ganz genaues Auge. Nach Gewicht, Körperform, Fell und Pflegezustand bewertet er die ausgestellten Kaninchen. Insgesamt 48 Tiere aus sieben Rassen werden gewertet. Im Unterschied zur Jungtierschau, die im Frühjahr stattfindet, werden auf der Alttierschau nur Kaninchen im Alter von acht Monaten bis zwei Jahren präsentiert. „Zugegeben: Manchmal ist die Bewertung etwas kleinlich. Für den Laien sehen die Tiere wahrscheinlich alle irgendwie gleich aus“, meint Vereinsmitglied Stefan Stahl lachend. Er hatte mit seinem Zwergwidder den zweiten Platz in der Kategorie der „Aktiven“, also der Erwachsenen-Züchter, geholt. „Im Umgang mit den Tieren kann ich abschalten und fühle mich der Natur näher“, erzählt er, warum er züchtet. Seit sechs Jahren züchte er Kaninchen, nutze es als Ausgleich zu seinem Beruf im Rettungsdienst. Er lege viel Wert auf eine artgerechte Haltung und naturbelassene Ernährung seiner Tiere. Das setze natürlich auch Interesse und Kaninchen-Kenntnis voraus. „Mittlerweile habe ich auch meine Kinder mit meinem Hobby angesteckt. Beide haben in der Jugendkategorie mit ihren Tieren gewonnen. Mein Sohn Noah wurde erster, meine Tochter Sophia zweite“, berichtet er stolz. Für die Mitglieder des Vereins P94 ist die Kaninchenzucht nicht bloß ein Hobby mit niedlichen Mümmlern. Es ist eine Leidenschaft, die Zeit, Geduld und vor allem sehr viel Kenntnis erfordert. Das merken auch die Besucher der Alttierschau im Vereinsheim. Der Züchter des Sieger-Kaninchens kann jahrzehntelange Züchtererfahrung vorweisen: Jacky Guillemet durfte sich am vergangenen Samstag mit seinem Kaninchen über die Auszeichnung „Bester Rammler“ freuen. Er züchtet seit über 35 Jahren schon die gleiche Rasse – Blauer Wiener. Eine Rasse, in der die Kaninchen etwas größer und von einem blau-grauen Farbton geprägt sind. Es gäbe bis zu 300 Kaninchenrassen, erklärt er. „Das sind dann nicht nur Liebhaber-Tiere für Zuhause, sondern auch Nutztiere, die geschlachtet werden“, erklärt Stefan Stahl. „Aber nur, wenn sie nicht zu alt sind. Dann schmecken sie etwas zu zäh“, ergänzt Guillemet scherzend. Ein Kaninchen habe eine Lebenserwartung von zirka zehn Jahren, sagt Guillemet. Es sei auch sehr gut geeignet für Kinder, die den Umgang mit Tieren und der Natur lernen möchten. Allerdings sollten die Tiere dann wenigstens zu zweit gehalten werden. „Ich habe mittlerweile 60 Stück. Das ist zwar ganz schön viel Arbeit, aber es macht schon ziemlich Spaß“, berichtet Stahl. Viele Besucher kamen zwar nicht zur Alttierschau, dafür erwarten die Veranstalter zur nächsten Jungtierschau im Frühjahr bis zu 300 Besucher „Kleine Kaninchen sind eben interessanter, als die alten“, sagt Guillemet.