Rhein-Pfalz Kreis Aus für Ruftaxi auf ganzer Linie

Nur noch bis Ende des Jahres können Gerolsheimer das Ruftaxi der Linie 4960 benutzen. Wegen der enorm gestiegenen Kosten hat der Gemeinderat am Dienstag beschlossen, den Vertrag mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) zum 1. Oktober zu kündigen und aus dem Ruftaxiverkehr auszusteigen. Wie die Dirmsteiner wollen auch die Gerolsheimer Lokalpolitiker nach Alternativen suchen.
Ursprünglich waren sechs Gemeinden an der 2006 eingerichteten Ruftaxilinie 4960 von Kirchheim nach Frankenthal beteiligt. Nachdem Kirchheim, Bissersheim, Großkarlbach und Laumersheim ausgestiegen waren, blieben zuletzt nur noch Dirmstein und Gerolsheim übrig. Wie berichtet, zog der Dirmsteiner Gemeinderat in der vergangenen Woche die Reißleine; nun folgte auch Gerolsheim. Hauptgrund für den Ausstieg sind die gestiegenen Kosten, die zum einen mit einer Änderung des Abrechnungsmodus zu tun haben. Übernahm der VRN ursprünglich 45 Prozent der Kosten, zahlt er seit Januar 2015 nur noch einen fahrgastbezogenen Zuschuss von sechs Euro pro Person. Zum anderen hat sich das Nutzungsverhalten geändert. Ließen sich früher vor allem Gruppen von Frankenthal nach Hause in die Dörfer bringen, rechnen die Taxifahrer inzwischen vor allem Einzelfahrten ab. Ein weiterer Grund für den Ausstieg ist die Zielgruppe, die sich verändert hat. Die jugendlichen Fahrgäste, für die das Angebot ursprünglich vor allem gedacht war, werden weniger, die erwachsenen mehr. „Das Ruftaxi hat als gute Einrichtung für unsere Jugendlichen begonnen, inzwischen ist die Sache aber aus dem Ruder gelaufen“, sagte Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG). Er nannte aktuelle Zahlen: Waren im ersten Quartal 2015 für Gerolsheim bei abgerechneten 27 Fahrten noch Kosten in Höhe von 267,20 Euro zu verzeichnen, lag der Gemeindeanteil im gleichen Zeitraum 2016 bereits bei 1884,10 Euro. Abgerechnet wurden im ersten Quartal diesen Jahres 177 Fahrten – alles Einzelfahrten. „Hochgerechnet können 2016 durchaus Kosten in Höhe von rund 7600 Euro für den Ruftaxiverkehr anfallen“, betonte Weyer. „Das Konzept des Ruftaxis war gut gedacht, die Jugendlichen nehmen es allerdings nicht mehr an“, sagte Eva Vogel (CDU). Inzwischen werde das Ruftaxi vor allem von Erwachsenen genutzt. Weyer berichtete von einem Gerolsheimer, der täglich den Busersatzverkehr nutze. „Das ist nichts Unrechtes, ursprünglich hatten wir aber eine andere Zielgruppe im Blick“, meinte der Ortschef. Nun soll – auch mit anderen Gemeinden – überlegt werden, ob künftig Alternativen angeboten werden können. Wie die Kreisverwaltung laut Weyer mitgeteilt hat, lässt sich das Angebot nicht auf minderjährige Maxx-Ticket-Inhaber beschränken, wenn es weiter vom VRN bezuschusst werden soll. Der geförderte Busersatzverkehr sei jedem Nutzer zu gewähren. Möglich sei aber eine Reduzierung des Fahrplans auf Wochenenden oder bestimmte Wochentage. Eine Lösung könnte auch ein Bürgerbus sein, wie mehrere Ratsmitglieder befanden. Für einen richtigen Linienverkehr abends und an Wochenenden müsste man dann allerdings mehrere freiwillige Fahrer finden. |gnk