Rhein-Pfalz Kreis
Aufschreiben, was glücklich macht: Ein besonderes Maxdorfer Buchprojekt
Lackierte Nägel, Mohnbrötchen zum Frühstück und ein Testament im Badezimmerschrank. Essenzielles Wissen für einen gelungenen Alltag, findet Sue Fröhlich. Sie hat mit einem Team ein Buch entwickelt, in dem Menschen festhalten können, wie sie ihr Leben gestalten – und was sie sich fürs Ende wünschen. „Mein Schatzkästchen“ soll so die Bandbreite des Lebens einfangen und eine Hilfe im Alter sein.
Maxdorf. Manchmal braucht es nur diesen einen kleinen Moment. Sue Fröhlich erinnert sich noch genau. Vor gut einem Jahr war es, als ihr Mann Stefan ihr auf einer Autofahrt sagte, dass jener Titel im Radio zu seinen Top zehn gehört. „Und kurz darauf hatte ich ihn wieder vergessen“, erzählt die 51-Jährige. Doch ein Gedanke blieb: Warum gibt es nicht etwas, wo man so etwas aufschreiben kann? Etwas, in dem das Spektrum des eigenen Lebens festgehalten wird? Das, was einen ausmacht.
Der Wettbewerb
Und irgendwie passte dann alles zusammen: Die BASF lobte zum dritten Mal ihren Wettbewerb „Gemeinsam Neues schaffen“ aus. In Sue Fröhlich wuchs der Gedanke – und der Wunsch, ihn mit anderen umzusetzen. Sie holte Mitglieder der protestantischen Christuskirche Maxdorf, des Evangelischen Diakonievereins und des Seniorenbeirats der Verbandsgemeinde Maxdorf mit ins Boot. „Ich habe ihnen meine Idee vorgestellt. Das waren da noch ganz wilde Gedanken.“ Aber sie begeisterte – und kurz vor knapp wurde ein Konzept beim Förderer eingereicht. Das „Schatzkästchen“ wurde als eines von 18 Projekten ausgezeichnet und die 5000 Euro Preisgeld in die Druckkosten der ersten Auflage investiert. Der Erlös aus dem Verkauf soll zu gleichen Teilen den drei Projektpartnern zugute kommen.
Mit dem Preisgeld verbunden ist auch eine Kooperation mit dem Lehrstuhl „Corporate Social Responsibility“ der Universität Mannheim. Dort soll die Wirkung des „Schatzkästchens“ auf seine Nutzer erforscht werden. Dazu können auf der Homepage www.mein-schatzkaestchen.de vor- und nachher Fragebögen ausgefüllt, Erwartungen benannt und Veränderungen angegeben werden. Die Erkenntnisse sollen in die Entwicklung des Buchs einfließen. „Die Frage nach der Zielrichtung ist spannend“, sagt die Maxdorferin. „Es ist ein interessanter unternehmerischer Ansatz.“
Das Buch
Herausgekommen ist ein besonderes Buch, das eine Stütze sein soll für Angehörige und Pfleger. Ein Buch, das Relevanz in den Familien haben kann. Aber den Menschen auch reflektieren lassen soll. Über das, was ihn ausmacht – und was er sich wünscht. Für sein Leben, aber auch für den Tod. „Wer setzt sich schon an den Kaffeetisch und fragt: Sarg oder Urne?“, sagt Sue Fröhlich. Und eben genau solche Fragen können im Schatzkästchen beantwortet werden. Nicht nur rein formell, sondern in einer liebevollen Annäherung an den Menschen, mit der Geschichte dessen, was ihm wichtig ist und was ihm gut tut. „Mein Wunsch ist, dass das Wesen des Menschen so abgebildet wird. Im Buch soll der Schatz festgehalten werden, den jeder in sich trägt.“
Die Fragen
„Der Blick ist ins Jetzt gerichtet“, erklärt Sue Fröhlich. Natürlich fließe auch etwas von früher ein, aber der Fokus liege auf dem Alltag, den Eigenarten und den Wünschen der Menschen. Anders als in Büchern wie „Opa, erzähl mal“ sei es kein Rückblick, ist ihr wichtig.
In vier Bereiche hat das Team das Schatzkästchen eingeteilt: Im lockeren Einführungskapitel „Thematisches“ werden Fragen rund um Musik, Reisen, aber auch zum Beispiel Glaube angesprochen. „Wir beginnen mit einem Zitat, es gibt passende Bilder und genug Platz zum Ausfüllen“, sagt Sue Fröhlich. Um Essen und Trinken, Gesundheit, Körper und den Tagesablauf geht es in „Persönliches“. Die Lieblingsspeisen können in einem Einkaufszettel festgehalten, der Tagesablauf ausführlicher beschrieben werden. „Warum sollte jemand, der nicht gerne früh aufsteht, in einem Pflegeheim als erster geweckt werden?“, fragt Fröhlich. Und: „Nicht jeder empfindet eine Massage als wohltuend oder möchte angefasst werden.“ Aber diese Eigenheiten müssten eben angesprochen werden – und davor, so ist ihre Erfahrung – scheuen sich die Menschen oft.
Etwas geforderter sind die Nutzer bei Kapitel drei: „Endliches“. Rückblick, Ausblick, letzte Dinge und der Abschied – einfach wird dieser Part nicht. Die Existenz von Testament und Patientenverfügung werden angesprochen, aber es ist auch Platz für besondere Menschen und Meilensteine des Lebens. „Ich habe beim Layouten gemerkt, dass es schon krass ist, sich damit auseinanderzusetzen, dass das irdische Leben ein Ende hat“, sagt Mediengestalterin Angelika Stein. „Viele Menschen scheuen sich, darüber zu sprechen. Im Buch kann man das Unaussprechliche niederschreiben.“ Und in Kapitel vier, „Wesentliches“, festlegen, was mit dem Buch geschehen soll. Ob es eine Hilfe für die Angehörigen werden darf oder ein geheimer Schatz, eine Art Tagebuch, bleiben soll.
Der Wunsch
Sue Fröhlich möchte, dass so viele Menschen wie möglich ihr „Schatzkästchen“ teilen. Denn nur so könne es zur Hilfe werden, den Alltag gut gestalten zu lassen, wenn man selbst vielleicht nicht mehr in der Lage dazu ist. „Wer sein Leben lang großen Wert auf sein Äußeres gelegt hat, dem sollte das auch im Alter möglich sein“, findet sie. Wer den Duft von Lavendel liebt, soll ihn auch um sich haben. Und wer nachts am liebsten Socken im Bett trägt, sollte dies auch in einem Pflegeheim ermöglicht bekommen. „Es muss nur darüber gesprochen werden.“ Oder eben darüber gelesen. „Das ,Schatzkästchen‘ soll ein ganz normaler Begleiter werden.“
Termin
- Das Buch „Mein Schatzkästchen“ wird am Montag, 18. November, um 19 Uhr in der Gemeindebücherei Maxdorf, Hauptstraße 62, vorgestellt. Das Team um Sue Fröhlich berichtet vom Buch und seiner Entstehungsgeschichte. In einem Podiumsgespräch erfahren die Gäste Einzelheiten zum Inhalt und dessen Bedeutung im privaten, pflegerischen und kirchlichen Bereich. Die Teilnehmer des Podiumsgesprächs sind Andreas Holz, RPR, Elke Grabe-Peper, Maximilianstift Maxdorf, und Jochen Bendl, Diakon protestantische Christuskirche Maxdorf. Zum Abschluss sind die Gäste zu einem Umtrunk und zum offenen Gespräch eingeladen.
- Das Buch wird nach dem Vorstellungsabend im Bürgerservice des Rathauses Maxdorf, im Pfarramt der protestantischen Christuskirche, der Gemeindebücherei, dem Maxdorfer Buchladen sowie bei Post/Lotto Oliver Becker in Birkenheide verkauft. Es kostet 18,95 Euro. ISBN 978-3-00-063939-5. Im Netz: www.mein-schatzkaestchen.de.cju