Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Auf Karpfenfang im Bobenheim-Roxheimer Nachtweideweiher

Mit einem unter Strom stehenden Kescher spüren Lars und Hannes Kuhn (von links) gemeinsam mit Daniel Hörner vom ASV Frühauf Fisc
Mit einem unter Strom stehenden Kescher spüren Lars und Hannes Kuhn (von links) gemeinsam mit Daniel Hörner vom ASV Frühauf Fische in Ufernähe auf.

Profi-Fischer haben aus dem im Herbst beinahe umgekippten Nachtweideweiher in Bobenheim-Roxheim 27 fette Karpfen mit einem Gesamtgewicht von 365 Kilogramm herausgeholt. Damit sei der Zusammenhang zwischen Fischbestand und Sauerstoffmangel des Gewässers bewiesen, meinen sie.

Interessiert betrachten Mitglieder des Angelsportvereins (ASV) Frühauf Roxheim, wie Hannes und Lars Kuhn vom Fischereibetrieb Kuhn in Karlsruhe mit ihrem Boot den seit Mitte Oktober gesperrten Badeweiher am Kleinerweg in Ufernähe umrunden. Immer wieder leiten sie Gleichstrom ins Wasser, der die Fische betäuben und zur Anode, dem Kescher, locken soll. Dieses Elektrofischen ist besonders für Ufer- und Flachzonen geeignet, um beispielsweise Karpfen in ihren Schutz bietenden Unterständen zu fangen.

Nach einer unspektakulären Runde ohne Fang kommen die Brüder wieder zum Ausgangspunkt zurück, wo neben den Sportanglern auch Vertreter der Gemeinde, darunter Erster Beigeordneter Frank Peter (CDU), warten. „In den Unterständen haben wir keine größeren Fische gefunden“, sagt Hannes Kuhn, das sei vorerst ein gutes Zeichen. Doch erst am nächsten Morgen könne man mehr sagen. Dann nämlich werden die im Anschluss ans Elektrofischen vom Rand in Richtung Seemitte ausgebrachten Stellnetze eingeholt. Mal sehen, was sich dann in den groben Maschen verfangen hat ...

Der Angelsportverein stand im Herbst wegen der großen Karpfen in der Kritik

Im Moment sind ASV-Vorsitzender Ingo Goschniak und seine Vorstandskollegen noch guter Dinge, dass die 23 und 27 Jahre alten Berufsfischer, die bald den Betrieb des Vaters übernehmen werden, nicht viele Karpfen finden werden. Dann würde von den Hobbyanglern der Verdacht abfallen, sie hätten solche am Boden wühlenden und die Vegetation zerstörenden Fische angefüttert und wachsen lassen, statt sie zu entnehmen. Das hatte eine Mitarbeiterin des Landesamts für Umwelt im November behauptet, nachdem im Nachtweideweiher kaum noch Sauerstoff war und ein Fischsterben drohte (wir berichteten). „Trophäenfischerei“ war damals ihr Stichwort, das heißt: Karpfen würden nicht für den Kochtopf, sondern fürs Fotoalbum geangelt und wieder in den Weiher zurückgegeben, wo sie – angefüttert – weiter wachsen und Pflanzen am Grund zerstören.

Beim Problem Sauerstoffmangel halten die Angler andere Einflüsse für maßgeblich

Im Gespräch mit der RHEINPFALZ bleiben die Roxheimer Angler dabei, dass das nicht das Problem sein könne. Zum einen spielten Karpfen, Graskarpfen und Brassen in dem kleinen Verein keine große Rolle, zum anderen könne es nicht viele große Exemplare dieser Arten im Nachtweideweiher geben. Die Gewässerqualität werde vielmehr durch hohe Temperaturen sowie durch Einträge der Landwirtschaft, durch Müll und Urin der Badegäste beeinträchtigt. In ihrem Vortrag im Gemeinderat hatte die Frau vom Landesumweltamt diese Annahme verneint. Ein Nährstoffüberfluss der beschriebenen Art müsste zu mehr Wasserpflanzenwachstum führen, sagte sie. Aber genau dieses Sauerstoff produzierende Kraut fehle. Und zwar wegen der großen Bodenwühler-Fische.

Fast 100 Kilo Karpfen pro Hektar Seefläche sind zu viel, meint Lars Kuhn

Am Freitagmittag gibt Lars Kuhn, der die Hilfsbereitschaft der Roxheimer Angler lobt, das Ergebnis der Aktion bekannt: In den Netzen waren 27 große Karpfen, die zusammen 365 Kilogramm auf die Waage bringen. „Das sind fast 100 Kilo pro Hektar Seefläche“, sagt er. „Aber nur 20 Kilo wären okay.“ Der angehende Fischwirtschaftsmeister glaubt, dass das nicht alles war. Er wird der Gemeinde empfehlen, die Aktion zur Verbesserung der Wasserqualität zu wiederholen. Dabei sei die Förderung des Wachstums von Wasserpflanzen und die Reduzierung des Algenwachstums das Ziel. Etliche Karpfen seien über Nacht im Netz verendet, berichtet Kuhn. Auch das sei ein Anzeichen für viel Faulschlamm und wenig Sauerstoff im Nachtweideweiher. Als erfreulich bezeichnet er, dass beim Elektrofischen unter den acht festgestellten Fischarten auch Hechte in allen Größen gesichtet wurden. Ansonsten gebe es wenige kleine Weißfische und drei gebietsfremde Arten, darunter die unbeliebte Grundel – ein „Drecksfisch“, wie ein ASV-Mitglied Nase rümpfend sagt.

Vermutlich am Freitag wird die Sperrung des Badeweihers aufgehoben

Damit die Freiwillige Feuerwehr (hoffentlich) nicht noch einmal am Nachtweideweiher tagelang Wasser umwälzen muss, wenn darin der Sauerstoff zur Neige geht, werden nach Angaben der Gemeindeverwaltung Belüfter eingebaut, die man im Fall des Falles einschalten kann. Derzeit würden dafür die Stromkabel verlegt. Wahrscheinlich ab Freitag werden der See und seine Ufer wieder freigegeben, weil keine Gefahr durch giftige Blaualgen mehr droht.

Der angehende Fischwirtschaftsmeister Hannes Kuhn zeigt eins der Netze, mit denen er große Karpfen fangen kann.  Foto: BOLTE
Der angehende Fischwirtschaftsmeister Hannes Kuhn zeigt eins der Netze, mit denen er große Karpfen fangen kann.
x