Rhein-Pfalz Kreis Auf dem Weg zur Öko-Kommune

Die Umweltagentur empfiehlt der VG, ein bis drei E-Fahrzeuge für kurze Strecken anzuschaffen.
Die Umweltagentur empfiehlt der VG, ein bis drei E-Fahrzeuge für kurze Strecken anzuschaffen.

Wenn sich das Klima weiter erwärmt, weil die Menschheit zu viel Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre bläst, droht das Eis am Nordpol weiter zu schmelzen und der Meeresspiegel anzusteigen. In der Folge könnten auch die Temperaturen in Rheinland-Pfalz um bis zu vier Grad Celsius steigen. An dieses Szenario hat der scheidende Klimamanager Ralf Monecke den Verbandsgemeinderat noch vor der Sommerpause erinnert. Mit dem Ziel, den Klimawandel zu bekämpfen und selbst aktiv zu werden, hat die VG ein Klimaschutzkonzept in Auftrag gegeben. Potenzial zum Sparen sieht die Energieeffizienz-Agentur aus Lampertheim: Rund 79.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid setzen die Bürger in der Verbandsgemeinde pro Jahr frei, dabei vor allem durchs Autofahren und Heizen. 79 Prozent der Bürger wärmen ihre Häuser mit Erdgas, gefolgt von Erdöl mit zwölf Prozent, nur acht Prozent durch Biomasse. Das Lambsheimer Nahwärmenetz solle intensiver beworben werden, damit die Anzahl der Anschlüsse um 166 auf 232 wächst und die Leistung von 2500 Megawattstunden pro Jahr auf 6100 steigt, meinen die Planer. Mithilfe von Quartierskonzepten könne man feststellen, welche Sanierungen und regenerative Wärme in welchen Gebieten sinnvoll ist. Besonders in Lambsheim könne der Vergleich zwischen der Nahwärmeversorgung und der Einzelgebäude-Optimierung zum Werben von Kunden für das Biomasseheizkraftwerk genutzt werden. Auch in Bebauungsplänen könne man für Neubauten schon energetische Standards festlegen. Und schließlich sollte die Kommune vorbildlich voranschreiten und in ihren Gebäuden Heizungstechniken, Beleuchtung und Lüftungsanlagen umstellen. Davon profitieren regionale Handwerker. Dass Ökologie also mit Ökonomie vereinbar sei und zur regionalen Wertschöpfung beitrage, betonen die Energieberater. Beim Beschaffen von Produkten schaut die Kommune zwar vor allem auf die Kosten. Künftig solle sie auch auf die Klimawirkung achten. Unter www.nachhaltige-beschaffung.info wird darüber informiert. Im Verkehr steigt der Energieverbrauch weiter an. Denn die Anzahl der Autos hat sich auf 644 pro Tausend Einwohner erhöht. Zwar werden auch verbrauchsarme Eco-Modelle angeboten, aber zugleich sind schwere SUVs mit hohem Verbrauch als Statussymbole weitverbreitet, schreibt die Umweltagentur. Andererseits seien Hybrid-Autos auf dem Vormarsch, und es gebe Pläne im Bundesrat, Verbrennungsmotoren bis 2030 abzuschaffen. Die Lampertheimer empfehlen daher vom Ottomotor auf Elektro-Antrieb umzusteigen, und zu versuchen, Fahrten zu vermeiden. Konkret heißt das: Die VG solle ein bis drei E-Fahrzeuge anschaffen, die sie gut für viele Fahrten auf kurzen Strecken einsetzen kann. Wenn Bürger die Autos beim kommunalen E-Carsharing mitnutzen dürfen, könnte das die Anschaffung auch refinanzieren. E-Bikes sollten auch in Betracht gezogen werden. Um die Bürger zum privaten Carsharing zu animieren, könne eine kommunale App aufgesetzt werden und ein Verein gegründet werden. Netter Nebeneffekt: Durch eine geringere Autodichte müssten weniger Parkplätze ausgewiesen werden. Das Umdenken soll schon bei den Kindern gefördert werden, indem man sich um Schulwegplanung kümmert und Gespräche sucht. Im Gemüsegarten Rhein-Pfalz-Kreis gibt es genügend Biomasse, die für eine Gasanlage genutzt werden könnte, die 17.250 Megawattstunden pro Jahr erzeugt – zum Vergleich: ein Zwei-Personenhaushalt verbraucht 3,1 Megawattstunden. Da eine solche Anlage im Kreis bereits am Widerstand der Bevölkerung gescheitert ist, verfolgen die Umweltplaner dieses Thema jedoch nicht weiter. An Solarstrom wurden 2015 in der Verbandsgemeinde rund 5411 Megawattstunden eingespeist und damit wurden nur 12 Prozent des Möglichen ausgeschöpft. Warum? Weil Gebäudeeigentümer nicht ausreichend über die Wirtschaftlichkeit der Anlagen informiert seien und die hohe Anfangsinvestition scheuten. Die Verbandsgemeinde solle daher eine „Fotovoltaik-Offensive“ starten und ein gutes Beispiel abgeben. Auf Feuerwehrdächern, auf Kindergärten und Sporthallen könnte die Solarstrom-Technik errichtet werden, meinen die Lampertheimer. In einem Solarkataster sei bereits erfasst, welche Gebäude sich dafür eigneten. Darauf müssten Privatleute hingewiesen werden. Wer geeignete Flächen, aber nicht das Kapital hat, könnte Investitionswillige über eine Dating-Plattform finden. Mit dem spielerischen Wettbewerb könnten Bürger auch zu einem klimafreundlichen Verhalten animiert werden – nach dem Vorbild der südhessischen Gemeinde Mörlenbach. Eine monatliche Energieberater-Sprechstunde wäre außerdem denkbar, und umweltpädagogische Arbeit in Kindergärten und Schulen bis hin zu einfachen Verbesserungen wie Thermostatventile. Am Umrüsten ist man in der Verbandsgemeinde bereits bei der Straßenbeleuchtung. Mit LED-Lampen können zwei Drittel der Stromkosten gespart werden. Und ein dickes Lob gibt es bei der Windenergie: 116 Prozent des Gesamtstromverbrauchs in der Verbandsgemeinde wurde – rein rechnerisch – durch erneuerbaren Strom aus der Windkraft gedeckt. Damit liegt man weit über dem Bundesdurchschnitt mit 32 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien. Auf Beindersheimer Gemarkung könne noch ein Windrad entstehen. Ansonsten müsse man sich darauf konzentrieren, alte Anlagen durch effizientere zu ersetzen. Um auch den Bereich Mobilität und Wärme bis 2030 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen, solle der VG-Rat einen Grundsatzbeschluss fassen. Ein Ansporn könnte der Wettbewerb „Klimaaktive Kommune“ oder eine Dachmarke wie „100-Prozent-Regenerativ-Kommune“ sein, um den bereits erzielten Erfolg sichtbarer zu machen. Bevor all das umgesetzt werden kann, empfehlen die Berater zuallererst die Klimamanager-Stelle von 60 Prozent auf Vollzeit aufzustocken, da von dort aus die anderen Ziele vorangetrieben werden können. Welche Tipps angenommen werden oder ob das Konzept in der Schublade verschwindet, müssen jetzt die Lokalpolitiker beraten. Ende September soll darüber der Verbandsgemeinderat beschließen.

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