Rhein-Pfalz Kreis „Auch Fingerspitzengefühl kann helfen“

Stefan Veth auf dem Chefsessel im Rathaus – und da will er auch sitzen bleiben. Deshalb hat er keine Sekunde gezweifelt und sich
Stefan Veth auf dem Chefsessel im Rathaus – und da will er auch sitzen bleiben. Deshalb hat er keine Sekunde gezweifelt und sich noch mal um das Amt beworben: »Mir liegt viel an der Verbandsgemeinde.«
Herr Veth, Sie sind ganz schwarz gekleidet. Ist das Motto oder Zufall?

Zufall. Ich bin nicht in Trauer. Ich dachte eher an die CDU ... Ach so. Nein, auch für die CDU trage ich nicht schwarz. Die CDU ist wichtig, weil sie mich begleitet und es ein Team gibt. Aber die CDU ist im Fall der Bürgermeisterwahl nicht entscheidend. Ich bin Bürgermeister für alle Bürger. Viele, die mich wählen, sind auch gar keine CDU-Wähler. Apropos Bürgermeister. Was war eigentlich zuerst da: Sie als Verbandsgemeindechef oder Ihr Auto-Kennzeichen: RP-SV 1? Zuerst ich – dann kam das Autokennzeichen. Jetzt geht es in die zweite Runde und Sie wollen es noch mal wissen. Sie kandidieren. Aber ohne Herausforderer ist das doch auch irgendwie langweilig, oder? Langweilig wird es mir nie. Bei all den Themen, die es gibt ... Dass es keinen Herausforderer gibt, hat sich so ergeben, weil keiner antreten wollte. Deswegen ist es aber nicht bequemer. Die Wahl des Verbandsbürgermeisters war eigentlich für das Frühjahr 2018 geplant. Die Aufsichtsbehörden haben jedoch darauf gedrängt, dass der Termin auf den 24. September vorverlegt wird – um Synergieeffekte mit der Bundestagswahl zu nutzen. Sie waren damit nicht so glücklich – auch weil Sie befürchteten, zu sehr mit Angela Merkel in eine Ecke gestellt zu werden. Merkel ist nicht das Problem. Ich möchte nur nicht, dass sich bundespolitische Themen in die Bürgermeisterwahl mischen. Ein Aufreger auf Bundesebene kann beeinflussen, wo die Leute ihr Kreuzchen setzen – auch wenn meine kommunalpolitischen Schwerpunkte ganz andere sind. Deshalb war ich in der Tat erst nicht so glücklich über die Zusammenlegung. Aber jetzt ist es halt so. Und es stimmt ja schon, dass es auch Vorteile hat, wenn die ehrenamtlichen Wahlhelfer nicht zweimal antreten müssen. Aber etwas Bundespolitik muss trotz Bürgermeisterwahl auch sein, oder? Haben Sie das Kanzlerduell gesehen? Ja. Wie es in Deutschland so Sitte ist, sind Merkel und Schulz anständig miteinander umgegangen. Ich fand die Kanzlerin aber souveräner und besser in der Argumentation. Ihr Schlusswort hat mir gut gefallen. Ah, da kommt doch noch der CDU-Mann aus Ihnen heraus ... (lacht) Klar, grundsätzlich stehe ich zu den Werten der CDU. Aber auf Verbandsgemeindeebene möchte ich Bürgermeister für alle sein. Eine echte Wahl bleibt den Wählern in der VG auch nicht. Weil der Bürgermeisterwahltermin vorverlegt wurde, haben weder SPD noch FDP jemanden nominiert. Zu wenig Zeit, um jemanden aufzustellen und bekannt zu machen, hieß es etwa seitens der Sozialdemokraten. Realität oder Ausrede? Ich habe meine Zweifel, ob im Februar ein Kandidat da gewesen wäre. Es zeigte sich niemand am Horizont. Auf der anderen Seite bin ich nicht mit den Interna der SPD vertraut. Es ist deren Entscheidung, jemanden aufzustellen oder nicht. Ganz einfach. Sie haben vorhin gesagt, es ist ohne einen Gegenkandidaten nicht bequemer. Wie meinen Sie das? Na ja, ich lehne mich ja nicht einfach zurück. Ich habe Wahlplakate und Broschüren drucken lassen. Ich stehe an Wahlkampfständen. Ich kämpfe um Zustimmung, um Ja-Stimmen. Ich kämpfe um einen möglichst breiten Rücken. Um Rückhalt, mit dem ich die Themen der Verbandsgemeinde nach außen vertreten kann. Mir geht es nicht um mein persönliches Ego. Ich will zeigen, dass ich aktiv bin und nicht nachlasse, nur weil es keinen Gegenkandidaten gibt. Kommt Ihnen jetzt, kurz vor der Wahl, der Feuerwehrstreit um die Wehrleitung mit den 15 Austritten ungelegen? Immerhin wird der Verwaltung Untätigkeit vorgeworfen ... Ich habe in den vergangenen sieben Jahren meine Hausaufgaben gemacht. Und nur weil einem bestimmten Personenkreis irgendetwas nicht an meinen Handlungsweisen passt, heißt das nicht, dass ich untätig bin. Und: Dinge, die geregelt werden müssen, werden geregelt – unabhängig vom Wahlkampf. Einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Querelen will man nie haben. Aber es ist natürlich schon so, dass man weiß, dass ein Bürgermeister im Wahlkampf verwundbarer ist als in anderen Zeiten ... Acht Neueintritte in die Wehr in kürzester Zeit – haben die acht gewartet, dass die 15 gehen? Dazu will ich mich nicht äußern. Ich freue mich, dass die acht neu dazu gekommen sind. Und vor allem, dass die anderen geblieben sind. Ich bin guter Dinge, dass die Truppe noch wächst. Als Bürgermeister ist man immer mal wieder Vorwürfen ausgesetzt – etwa wenn es um das Thema Verkehr geht. Ich sage nur: Bürgerwille. Der Verein behauptet ja gerne, dass Sie nicht genug tun, um Dannstadt-Schauernheim vom Verkehr zu entlasten. Haben Sie – wenn Sie so unter Beschuss stehen – schon mal bereut, Ihren Dienst bei der Polizei quittiert, die Mordkommission verlassen zu haben? Nein, bisher noch nie. Anfangs habe ich noch die Zusammenarbeit mit meinem Team vermisst. Aber das hat sich inzwischen ohnehin weitestgehend aufgelöst. Aber privat treffen wir uns noch. Das Amt des Bürgermeisters erfüllt mich und ich habe viele neue Bekanntschaften gemacht und Beziehungen geknüpft – für die Verbandsgemeinde und auch für mich. Gibt es Methoden aus Ihrer Ermittlerzeit, die Ihnen beim kommunalpolitischen Problemelösen helfen? Sowohl als Kriminalbeamter als auch als Bürgermeister muss man kommunikativ sein. Ich kann mit Leuten gut reden. Auch Fingerspitzengefühl und konsequentes Handeln sind so Dinge, die man als Kriminalbeamter haben sollte und die einem als Bürgermeister helfen. Ich muss noch mal auf den Verkehr zurückkommen. Vielleicht können Sie Ihre Kritiker ja noch überzeugen, in einer Woche ein Kreuzchen für Sie zu setzen. Was ist in Sachen Verkehrsentlastung Dannstadt-Schauernheim in den kommenden acht Jahren geplant? Was passiert am Münchhof? Wird die zweite Verkehrsachse, die den Verkehr aus dem Süden zum Pfalzmarkt führen soll, jemals gebaut? Also ich bin Bürgermeister für alle drei Orte der Verbandsgemeinde – nicht nur für Dannstadt-Schauernheim. Deshalb ist es mir wichtig, die Umgehung der K 19 um Hochdorf-Assenheim voranzutreiben, die eine wichtige Entlastung für Hochdorf-Assenheim bringt und Rödersheim-Gronau besser anbindet. Aber natürlich soll auch die zweite Verkehrsachse im Ortsteil Dannstadt kommen – ich möchte, dass die Arbeiten 2018 beginnen. Aber wir sind abhängig vom Widerspruchsverfahren, mit dem sich die Ortsgemeinde gegen den abgelehnten Zuschuss für das Projekt wehrt. Und klar soll auch was am Münchhof passieren: entweder die K 22 verlegt oder der Wirtschaftsweg verbreitert werden. Och, da müsste Bürgerwille jetzt aber total zufrieden mit Ihnen sein ... Die bemängeln, dass es nicht schnell genug geht. Das liegt aber daran, dass wir von so vielen und so vielem abhängig sind. Da müssen Grundstücksverkäufe verhandelt werden, Zuschussverfahren abgewartet und Planverfahren durchgezogen werden. Und bei der K 22 hat letztendlich der Kreis das Sagen. Träumen Sie eigentlich manchmal von der Haubenlerche? (schaut erstaunt) Von der Haubenlerche habe ich noch nie geträumt. Ich lasse mich von ihr aber auch nicht beirren. Ich mache meine Arbeit. Spielen laute Traktoren, dicke Brummis und schnelle Autos auch in den anderen Orten der VG eine Rolle? Absolut. Die Hochdorfer Hauptstraße etwa ist überlastet. Sie ist sehr stark befahren von Traktoren und Lkw. Eigentlich sind alle Hauptstraßen in der VG betroffen. Damit der landwirtschaftliche Verkehr noch stärker auf den Wirtschaftswegen verbleiben kann, soll ein Flurbereinigungsverfahren für bessere Feldwegbedingungen rund um Hochdorf sorgen. War Verkehr schon immer ein Thema, oder sind die Leute empfindlicher geworden? Die Technologie hat sich verändert. Autos fahren schneller, landwirtschaftliche Maschinen werden größer und sie sind in einer immer intensiver betriebenen Landwirtschaft immer häufiger im Einsatz. Apropos empfindlich: Regen sich Radfahrer immer noch über Dreckbollen auf Wirtschaftswegen auf? Und war die von Ihnen ausgetüftelte Aktion „Saubere Straße“ ein Erfolg? Die Aktion war ja nicht nur plakativ, sondern mit praktischen Vorhaben verbunden, etwa dem Abschieben von Banketten zur Entwässerung der Wege. Oder dem Sanktionieren von Verursachern. Insgesamt sind alle sensibler für das Thema geworden. Wirtschaftswege sind aber doch Wege, auf denen gewirtschaftet wird. Richtig – trotzdem steht in unserer Satzung, dass die Wege nach getaner Arbeit gereinigt werden müssen. Entfremdung von der Landwirtschaft – ein Thema, dem sich auch die Künstlerin Irina Ruppert mit ihrem Fotokunstprojekt „Landwirtschaft und Heimat“, das zum Dorfjubiläum Dannstadt-Schauernheim läuft, annimmt. Wie groß ist die Kluft zwischen Nicht-Landwirten und Landwirten? Ich würde nicht von Kluft sprechen, sondern von mangelndem Verständnis – für die jeweilige Situation. Landwirte haben den anstrengenden Job, unter immer strengeren Vorgaben Gemüse anzubauen. Auf der anderen Seite stehen die Leute, die vielleicht einen Bürojob in der Stadt haben und in ihrer Freizeit das Landleben genießen wollen, indem sie ihren Hund ausführen oder Rad fahren. Beide Gruppen müssen ein Miteinander finden. Und ich vermittle da gerne. Was schätzen Sie an Ihrer Heimat? Den gelungenen Kompromiss aus Ruhe und Mobilität – wir sind sehr gut an die Autobahn angebunden. Ich mag außerdem die Nähe zu den Leuten. Die Feste und die Traditionen, die wir haben. Oftmals kann ich mich nur schwer lösen, wenn ich auf einer Veranstaltung bin. Vor Ihrem Amtsantritt 2010 haben Sie Fälle gelöst – hoffe ich zumindest. Hatten Sie aus Ihrer Sicht auch Erfolgserlebnisse als Bürgermeister? Ja. Ich habe zum Beispiel die Schauernheimer Grundschule vor ihrem Aus bewahrt. Außerdem ist unser Stromwerk in eine moderne Gesellschaftsform transformiert worden. Die Schulden konnten um gut 600.000 Euro reduziert werden. Wir haben den niedrigsten Schuldenstand seit zehn Jahren. Die Breitbandversorgung läuft. Und ich denke, dass ich durch meine Präsenz und das Kümmern das Feuerwehrehrenamt gestärkt habe. Manchmal kämpft man ja auch vergeblich. Mir fällt da die Kurpfalzschule ein. Sie haben sich am Anfang Ihrer Amtszeit dafür stark gemacht, dass sie zu einer Integrierten Gesamtschule wird. Heute ist eine zweite IGS ein grünes Thema im Kreis. Die Kreisverwaltung argumentiert, eine IGS reicht. Wie ist Ihre Sicht inzwischen? Klar hat man als Bürgermeister gerne eine weiterführenden Schule in der Gemeinde. Aber die Weichen sind so gestellt worden, dass wir leider außen vor bleiben mussten. Immerhin wird das alte Schulgebäude inzwischen gut genutzt: Der Hort ist drin und Teile der kommunalen Kita. Welche Ideen, Pläne und Ziele haben Sie für die kommenden acht Jahre – sollten Sie Bürgermeister bleiben? Ach, da gibt es einiges. Unter anderem will ich den WLAN-Empfang auf öffentlichen Plätzen ausbauen. Die Welt ist immer mehr vernetzt. Gerade junge Leute wollen viel von unterwegs aus agieren. Ich finde es einfach zeitgemäß. Außerdem soll die Kläranlage energetisch saniert werden, der Wertstoffhof barrierefrei werden. Wichtig ist natürlich auch, dass wir die Haushaltskasse weiter im Griff haben. Die Verkehrsprojekte haben wir bereits besprochen. Mit welchem Ergebnis wären Sie am 24. September zufrieden? Zunächst mal, wenn ich mehr Ja- als Nein-Stimmen bekomme. Ein gutes Zeichen dafür, dass viele hinter mir stehen, wäre natürlich, wenn weit mehr als 70 Prozent der Wähler mir ihre Stimme geben. Und bei 50,1 Prozent schneiden Sie sich die Haare ab, verlassen beleidigt Dannstadt-Schauernheim und jagen wieder Verbrecher? (lacht) Nein, auf keinen Fall. Ich werde nach wie vor aktiv bleiben und meine Arbeit machen und nicht abwarten, bis uns die Zeit einholt. Oder Kresse über die Sache wächst ...? (lacht) Nein, die Kresse- und Petersiliensamen, die ich verteile, sollen nur ein Give-away sein, mit dem jeder was anfangen kann. Vitamine und Wachstum für ein gesundes Leben. Symbolisch ist das auch für die Verbandsgemeinde gemeint.

Auch eine Bürgermeister-Aufgabe: beim Rathaussturm der Fasnachter Zumba tanzen.
Auch eine Bürgermeister-Aufgabe: beim Rathaussturm der Fasnachter Zumba tanzen.
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