Waldsee / Frankenthal
Armbrustmordprozess: Rüffel für Angeklagten und Anwalt
Ein Mann aus Dirmstein ist angeklagt, im Februar vergangenen Jahres den Inhaber einer Autoreparaturwerkstätte in Waldsee mit zwei Schüssen aus einer Armbrust schwer verletzt und dann, weil er noch lebte, mit einer Plastiktüte über dem Kopf erstickt zu haben. Ehe die geladenen Zeugen aussagen konnten, gab es einen Eklat: Der Verteidiger hatte einen Mitinsassen jenes Zeugen vom Gefängnis Diez angeschrieben, der seinerzeit mit dem Angeklagten von der JVA Frankenthal zum Gericht gefahren war und ausgesagt hatte, dass der Angeklagte auf der Fahrt den Mord eingestanden habe. Der Verteidiger wollte von dem Mitinsassen hören, ob der Zeuge Weiteres zur Sache gesagt habe – worauf der Zeuge in Diez von Mithäftlingen als „Verräter“ drangsaliert worden sei. Der Vorsitzende Karsten Sauermilch rügte den Verteidiger wegen dieser Aktion. Als sich noch der Angeklagte einmischte und den Zeugen (er stammt aus Nordafrika) mit einem rassistischen Begriff für dunkelhäutige Menschen bezeichnete, wurde er scharf zurechtgewiesen.
Dann ging es mit der Vernehmung der Zeugen – einer von der Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Rheinpfalz, der andere vom Bundeskriminalamt – weiter: Zweimal waren die Spurensicherer vor Ort, einmal kurz nach dem Auffinden der Leiche, dann noch einmal einige Tage später. Der Leiter der Spurensicherung aus Ludwigshafen war vor Ort, als der Tote noch da war, wenn auch wegen der Bemühungen der Sanitäter nicht mehr unberührt. Man habe aber ein Foto gemacht vom Zustand des Tatortes bei Eintreffen der ersten Helfer, sodass alles gut dokumentiert war. „Als ich das Foto sah, war mir klar, dass der Verdacht auf Selbstmord vom Tisch war. Der Leichnam war mit einem Leintuch bedeckt, das kann ein Selbstmörder nicht mehr tun“, sagte der Beamte.
Stück für Stück wurde der gesamte Bereich untersucht. Es gab Blutspritzer bei der Arbeitsgrube, einen unvollständigen Schuhabdruck, wie wenn jemand in Blut am Boden getreten sei, außerdem Wischspuren an einem Metallteil bei der Arbeitsgrube. Auch vier Holzpaletten von der Grube wurden untersucht, auch hier gab es Blutspuren. Hinweise durch Fingerabdrücke des Angeklagten fanden sich keine in der Werkstatt, aber an der Armbrust. Die fand der Ludwigshafener Ermittler zusammen mit zwei Bolzen in einem sehr dunklen Nebenraum. Die Bolzen waren von der gleichen Art wie die, mit der der Waldseer beschossen worden war. Auf die Frage des Verteidigers Hans Böhme, ob den Tatort zwischen den beiden Terminen der Spurensicherer jemand hätte betreten können, versicherte der Ermittler, dass der Bereich abgesperrt war und auch überwacht wurde.