Waldsee / Frankenthal
Armbrustmord-Prozess: Polizisten schildern ihre Eindrücke
Am vorletzten Verhandlungstag war Spannung in den Verhandlungsgang vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Frankenthal gekommen: Ein Zeuge, der mit dem Angeklagten zusammen Ende Oktober vergangenen Jahres mit einem Kleinbus der Justiz von der JVA Frankenthal zum Landgericht Frankenthal gefahren war, hatte ausgesagt, dass der Angeklagte während der Fahrt quasi den Mord gestanden habe. Dieser soll sich Anfang Februar des vergangenen Jahres ereignet haben. Der Mann aus Dirmstein ist angeklagt, den Betreiber einer Autowerkstatt mit zwei Schüssen mit einer Armbrust angeschossen und dann noch mit einer festgebundenen Plastiktüte über dem Kopf für seinen Tod gesorgt zu haben.
Nun wurden drei Polizeibeamte als Zeugen vernommen. Eine Kriminalbeamtin berichtete von der Vernehmung eines älteren Bekannten des Angeklagten und dessen Frau. Die Vernehmung ergab vor allem Einzelheiten dazu, dass sich der Angeklagte kurz nach der Tat das Handy der Frau ausgeliehen hatte – seines sei, wie er sagte, kaputt gewesen – um damit seine philippinische Freundin anzurufen: Sie solle ihn nicht auf seinem eigenen Handy kontaktieren, es sei etwas passiert, seine Gespräche würden wohl überwacht, sie solle sich jedoch keine Sorgen machen. Es gab noch ein weiteres kurzes Gespräch mit ihr und eines mit einer anderen Philippina ähnlichen Inhalts. Die Aussagen des Polizeibeamten, der die Chats ausgelesen hatte, passten dazu. Die Gespräche waren auf Englisch, die Übersetzung unbefriedigend, das Gericht wird eine weitere Übersetzung veranlassen.
In Schockstarre
Die Kriminalbeamtin hatte nach Auffinden des Toten auch dessen ehemalige Lebensgefährtin und Mitbewohnerin befragt. Diese sei noch wie in einer Schockstarre gewesen, habe sich aber ehrlich bemüht, die Polizei bei der Suche nach dem Täter zu unterstützen. Sie habe einen absolut authentischen Eindruck erweckt, eine zurückhaltende, eher introvertierte Frau, der die Gesellschaft ihrer Hunde meist genügte. Von dem Angeklagten, dessen Nachnamen sie gar nicht kannte, habe sie am liebsten gar nicht reden wollen, dies schien aber vor allem daran zu liegen, dass ihr der missglückte Fahrzeugverkauf, der möglicherweise Mordmotiv war, peinlich gewesen ist und dass sie mit dem Gedanken kämpfte, vielleicht dadurch eine Ursache für den Mord gesetzt zu haben.
Die Verhandlung wird am 26. Januar fortgesetzt. Die Vorführung der von der Polizei gemachten Video-Aufnahmen vom Tatort, die zuletzt wegen technischer Probleme gescheitert war, wird in einem der nächsten Termine nachgeholt. Auch eine von Verteidiger Hans Böhme bereits angekündigte Stellungnahme zu den Aussagen des Mitfahrers aus dem Justizbus wird zu einem späteren Termin erfolgen.