Frankenthal / Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Armbrustmord: Bekannter des Opfers meldet sich zu Wort

Das Schicksal dieser Autos teilt inzwischen der Wagen des Dirmsteiners, der einen Mann umgebracht haben soll.
Das Schicksal dieser Autos teilt inzwischen der Wagen des Dirmsteiners, der einen Mann umgebracht haben soll.

Durfte die Polizei das Auto des Angeklagten einfach so verschrotten? Mit dieser Frage der Verteidigung und einem weiteren Zeugen war am Montag die Große Strafkammer des Landgerichts Frankenthal beschäftigt, die den Waldseer Armbrustmordfall verhandelt.

Angeklagt ist ein Mann aus Dirmstein. Er soll im Februar 2021 den Inhaber einer Autowerkstatt in Waldsee mit einer Armbrust angeschossen und dann erstickt haben. In der nach längerer Pause fortgesetzten Verhandlung kritisierten der Angeklagte und sein Verteidiger Hans Böhme die Polizei dafür, dass sie vor Kurzem den Wagen des Dirmsteiners, der am 15. Februar 2021 sichergestellt worden war, zum Schrott gegeben hat. Darin hätten sich womöglich noch Beweismittel befunden.

Der Vorsitzende Richter Karsten Sauermilch stellte klar, dass der Verbleib des Autos nicht in die Zuständigkeit des Gerichts falle. Das Auto sei zudem im Laufe der Ermittlungen zweimal von der Spurensicherung genauestens untersucht worden. Dass dabei etwas verborgen geblieben sein könnte, sei kaum anzunehmen. Überhaupt: Warum die Verteidigung das erst jetzt anbringe, fragte der Richter. Gleichwohl werde er die Polizei zu einer Stellungnahme auffordern.

Ein Industriemechaniker erinnert sich

Als Zeuge vernommen wurde ein 64-jähriger Industriemechaniker, der den Ermordeten, wie er sagte, seit etwa 30 Jahren kannte. Ein Freund sei er nicht gewesen, aber man habe miteinander zu tun gehabt, weil man zeitweise im gleichen beruflichen Umfeld gearbeitet habe oder weil Autos der Familie bei dem Waldseer in Reparatur gegeben wurden. Den Angeklagten kenne er nicht und habe ihn auch nie gesehen, sagte der Mann. Das Opfer habe er seinerzeit über das gemeinsame Hobby Motorräder kennengelernt. Man habe immer mal wieder „Benzingespräche“ geführt.

Der 64-Jährige beschrieb ihn anders als andere Zeugen. Als sie kurze Zeit bei derselben Firma gearbeitet hätten, sei der Waldseer sehr unzuverlässig gewesen. Ihn selber habe er zweimal richtig hereingelegt, indem er an seinem Pkw die kaputte Bremsleitung ausgebaut, aber keine neue eingebaut habe. Der Werkstattbesitzer habe ihm das Auto so übergeben und für eine Leistung abkassiert, die er nicht erbracht habe. Trotz Reklamation habe er das noch ein weiteres Mal gemacht. Auch bei den Repliken der Karmann Ghias, die er zusammengeschraubt habe, sei nicht immer alles in Ordnung gewesen.

„Vor irgendetwas hat er Angst gehabt“

Nebenbei erwähnte der Zeuge, dass der Waldseer in den 90er-Jahren wegen Einbruchsdiebstahls im Gefängnis gesessen habe. In den letzten Jahren vor seiner Ermordung habe er sich verändert, habe sich isoliert. Sogar angemeldet sei man vor verschlossener Tür gestanden und habe erst anrufen müssen, ehe er öffnete. Vor irgendetwas habe er wohl Angst gehabt.

Nicht immer wurde am Montag klar, was der Zeuge aus eigener Anschauung wusste und was vom Hörensagen. Er hatte im Juli gegenüber dem Verteidiger gesagt, dass er zum Verfahren beitragen könne. Warum er sich erst Monate nach der Tat gemeldet habe, wollten Staatsanwältin und Richter wissen. Und weshalb beim Verteidiger und nicht bei der Polizei? Woher habe er überhaupt gewusst, wer den Dirmsteiner verteidigt? Die Antwort des Mannes war unbefriedigend: Er habe es eben mitbekommen. Nächster Prozesstag ist der 25. April.

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