Speyerer Umland
Arbeitsbedingungen für Erntehelfer: Bauern kontra Gewerkschaften
„2020 war die Lage chaotisch. Dieses Jahr hat alles funktioniert“, berichtet der Hanhofener Landwirt Alois Henkel über das problemlose Einbestellen seiner Erntehelfer. Die Einreise sei vorbereitet und genau geregelt gewesen. „Unsere Leute mussten einen Corona-Test mitbringen, der nicht älter als 24 Stunden war“, sagt Henkel. Ohne die Negativ-Bescheinigung habe niemand ins Land gedurft, bestätigt sein Dudenhofener Kollege Thomas Beck. Seine Arbeiter aus Rumänien durften ganz normal auf dem Landweg anreisen. „Bei uns wurden alle noch mal untersucht. Dafür kam ein Team des Roten Kreuzes von Speyer auf den Hof“, erzählt Beck. Eine Corona-Infektion sei bei niemandem festgestellt worden.
In Container investiert
„Die Anspannung war natürlich trotzdem hoch bei der Testung“, gesteht der Dudenhofener Landwirt. Schließlich ist das Virus listig. Alle Erntehelfer seien auf einmal bei ihm angereist, um das Risiko einer Infektion durch Neuankömmlinge zu verringern. Nach den Schwierigkeiten zu Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr hat Beck der Erntezeit in diesem Jahr generell entspannter entgegengeblickt. „Wir wissen eher, wo wir dran sind, was getan werden muss. Zweimal in der Woche haben unsere Leute die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Das beruhigt zusätzlich“, führt er aus.
Um die Risiken zu minimieren, haben viele Landwirte investiert. „Wir haben unsere bestehenden Container jeweils nur mit der Hälfte der Menschen belegt und zusätzlich neue Container angeschafft“, führt Alois Henkel aus. Das gleiche gilt auf Becks Hof am Ortsausgang von Dudenhofen in Richtung Harthausen. „Es sind weniger Leute in einem Raum, um einen größeren Abstand zu gewährleisten“, bestätigt er. Der Mehraufwand schlug sich in weiteren Beschaffungen nieder. „Jeder hat ein Päckchen Masken und Desinfektionsmittel bekommen“, informiert Beck. Die Voraussetzungen für den Einsatz der Erntehelfer und für deren Sicherheit hätten sie gerne geschaffen, sagen die Bauern. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, macht Henkel deutlich. Beck ergänzt: „So haben wir ein gutes Gewissen. Wir tun weiterhin alles, um Infektionen zu verhindern.“
Für Bauern eine Erleichterung
Der Kritik der Gewerkschaften an den Arbeitsbedingungen für Erntehelfer im Land, an angeblich überbelegten Unterkünften und an unhygienischen Sanitäreinrichtungen kann er daher nicht folgen. Ebenso wenig gilt das in Bezug auf die Sozialversicherungspflicht. Die hätten die Gewerkschafter gerne für die Erntehelfer umgesetzt. Die Verlängerung der sozialversicherungsfreien Beschäftigung von 70 auf 102 Tage sorgt bei ihr für Missstimmung. Die Landwirte heißen das hingegen gut. „Für uns ist es eine Erleichterung, denn wenn sich die Saison hinzieht und die Leute noch gebraucht werden, können sie bleiben. Wir müssen keine neuen Arbeiter in den Betrieb holen“, merkt Beck an. Die Erntehelfer seien froh, wenn sie länger beschäftigt werden können.
Eine Sozialversicherung lohne sich für sie nicht, findet Beck: „Sie brauchen das Geld. Wenn Abzüge erfolgen, bleibt unterm Strich über die kurze Zeit nichts hängen.“ Das wiederum hätte die Folge, dass Helfer aus Ländern wie Polen ausbleiben, da sich der Einsatz unter sozialversicherungspflichtigen Bedingungen nicht rechnet. Auch Henkel wertet die vorgenommene 102-Tage-Regelung positiv, obgleich er die aufgrund der überschaubaren Größe seines Betriebes wohl nicht ausschöpfen muss. Für Beck zählt: „Die Leute sind froh, hier tätig sein zu dürfen. Auf unserem Hof herrscht ein gutes Arbeitsklima.“