Otterstadt / Waldsee / Neuhofen
Arbeiten stehen an: Der Wald verändert sich weiter
Förster Georg Spang vom Forstamt Pfälzer Rheinauen steht mitten im Angelwald bei Otterstadt zwischen Sträuchern und umgestürzten Bäumen und schaut sich um: „Vor ein paar Jahren hatten wir die große Diskussion, ob das mit dem Eschentriebsterben stimmt. Heute können wir sagen, dass es nicht aufhört. Hinzukommt die Ahornrußrindenkrankheit, die immer mehr zunimmt. Es sieht so aus, dass auf einer großen Fläche der ganze Wald umfällt“, sagt der Förster.
Er hat diese Situation kommen sehen und vor ein paar Jahren damit begonnen, im Winter abgestorbene Eschen und Ahorne aus dem Wald zu entnehmen. Das soll jetzt wieder passieren. Nächste Woche soll eine beauftragte Firma damit starten, auf fünf Flächen im Angelwald, dem Gemeindewald von Otterstadt, tote Bäume zu entnehmen.
Das geschieht nach Angaben von Georg Spang mit einer Kettensäge und einem Schlepper, der die toten Bäume zu Fall bringt und aus dem Wald zieht. Die mit der Rußrindenkrankheit befallenen Ahorne sollen liegen bleiben. Denn die Sporen des Pilzes, der die Krankheit verursacht, seien bei einem intensiven Aufenthalt in der Nähe von stark betroffenen Bäumen gefährlich für die menschlichen Atemwege. Das Holz werde daher nicht weiterbearbeitet, sondern soll zum Beispiel als Brennholz genutzt werden, informiert der Förster.
8000 bis 9000 neue Bäume werden gepflanzt
Spang rechnet damit, dass rund 1000 Kubikmeter Holz zusammenkommen. Zurzeit laufen die Arbeiten in den Gemeindewäldern von Waldsee und Neuhofen. Sie dienen auch der Verkehrssicherheit, weil abgestorbene Bäume und Äste auf Wanderwege fallen könnten. Im Reffenthal am Wasserübungsplatz der Bundeswehr sei ein großer Ahorn auf das Militärgelände gefallen, berichtet Spang. Auch dort, im Umfeld des Übungsplatzes, sollen deshalb bis Ende März tote Bäume entnommen sowie Eichen und ein Saum aus Sträuchern nachgepflanzt werden.
Im Angelwald sowie den Gemeindewäldern von Neuhofen und Waldsee sollen die betroffenen Flächen in Abstimmung mit dem Naturschutz im Frühjahr ebenfalls aufgeforstet werden. Im Revier, zu dem unter anderem die Wälder von Otterstadt, Waldsee und Schifferstadt gehören, sollen dem Förster zufolge zwischen 8000 und 9000 neue Bäume gepflanzt werden.
Das seien hauptsächlich Eichen, aber auch Linde, Hainbuche, Wildbirne, Wildapfel und Baumhasel. Die Flächen, auf denen die neuen Bäume gepflanzt werden, müssten eine gewisse Größe haben – mindestens 800 bis 1000 Quadratmeter –, damit die jungen Bäume im Sommer nicht von Sträuchern und Schlinggewächsen überwuchert werden.
Laut Spang kümmert sich der Forst zwei Mal im Jahr – im Mai/Juni und im September – um den Rückschnitt von Konkurrenzvegetation auf diesen Flächen, damit sich die jungen Bäume weiter entwickeln können. Außerdem kontrollieren Forstmitarbeiter die Zäune, die teilweise um die Flächen aufgebaut wurden, damit die Bäume vor Wildfraß geschützt sind. Zu ihren Aufgaben gehört auch, ausgefallene Bäume zu ersetzen. Das seien trotz des nassen Sommers im vergangenen Jahr einige gewesen, sagt der Förster.
Pappel kann viel Kohlenstoffdioxid speichern
Der Wald verändert sich, er wird umgebaut. „Wir sind ganz am Anfang. Niemand weiß, wie lange das dauert. Ich habe unserem Praktikanten gerade gesagt: Ein Förster darf nicht in Handygenerationen, sondern muss mittel- und langfristig denken“, sagt Spang. Im Angelwald – einem Auwald, der bei Rheinhochwasser immer mal wieder überschwemmt wird und unter Wasser steht – haben Ahorn und Esche aufgrund der genannten Krankheiten immer weniger Überlebenschancen. „Die Natur weiß nicht, was sie machen soll. Oder besser gesagt: Sie reagiert mit dem Potenzial, das sie kurzfristig zur Verfügung hat“, fasst der Förster die Situation zusammen.
Denn während die alten Ahorne sterben, wachsen junge Ahorne nach, die wiederum an der Krankheit zugrunde gehen. In der Aue seien mehr als Dreiviertel der Bäume krank oder schon tot. Dadurch falle dort viel mehr Licht auf den Boden. „Nährstoffe werden freigesetzt, Neophyten wie die kanadische Goldrute und das indische Springkraut warteten nur darauf, Flächen zu besiedeln. Auch die Sträucher und Schlingpflanzen nehmen massiv zu. Die verbleibenden heimischen Baumarten, die man für den zukünftigen, artenreichen und ökologisch wertvollen Auwald braucht, haben keine Chance, sich natürlich anzusamen“, sagt Spang und ergänzt: „Wenn wir Wald wollen, müssen wir Bäume pflanzen.“ Ob die mit dem Naturschutz abgestimmten Baumsorten, die jetzt als Ersatz gepflanzt werden, eine Zukunft haben, wird sich zeigen.
Auch einer Eiche werde es hier im Sommer zu heiß, sagt der Förster und macht auf die Pappel aufmerksam, die als sehr robust gilt und früher im Auwald sehr häufig angepflanzt wurde, weil sie gut mit Überschwemmungen klarkommt. Spang plant daher, an gewissen Stellen im Auwald, die tiefer liegen und deshalb länger überschwemmt sind, auch rund 100 Pappeln zu pflanzen. „Unter den schnell wachsenden Pappeln entsteht ein so genannter Halbschatten. Hier wachsen die extrem lichthungrigen Neophyten und Schlingpflanzen ungern, vielleicht haben dann Linde, Buche und Eiche eine Chance, zu keimen und sich langsam zu entwickeln“, sagt Spang. Netter Nebeneffekt: Die Pappeln ziehen viel CO2 aus der Luft und gelten als eine der Baumarten, die am meisten Kohlenstoffdioxid speichern kann – durchschnittlich 22 Tonnen pro Hektar und Jahr.