Römerberg
Anwohnerin beklagt Zustände am Berghausener Bahnhof
Petra Czekalla wohnt seit gut 20 Jahren in dem Haus, das früher der Berghausener Bahnhof war. Lange Zeit hat es ihr dort gut gefallen, der Lärm der Züge war kein Problem. Seit wenigen Jahren allerdings hätten sich die Zustände verschlimmert, beklagt die Römerbergerin. Da gebe es zum Beispiel Jugendliche, die sich auf dem Bahnsteig und im Umfeld betrinken. „Mit dem Alkohol steigt auch der Lärmpegel“, sagt Czekalla. Manchmal folgten Randale. So sei vor einigen Wochen eine Scheibe des Unterstands auf dem Bahnsteig eingeschlagen worden. Auch Flaschen würden schon mal geworfen. Vor einigen Monaten hat eine Gruppe Glasscherben vor dem Bahnübergang hinterlassen. Den Vorfall hat damals auch die Polizei dokumentiert. Darüber hinaus spricht die Berghausenerin von „regem Drogenhandel“ auf dem als Parkplatz genutzten Gelände neben den Bahngleisen. Sie habe schon Spritzen gefunden. Auch „nächtliche Beschleunigungsrennen“ gebe es vor ihrem Haus, insbesondere am Wochenende. „Es vergeht keine Woche ohne Sachbeschädigung oder sonst was“, sagt Czekalla. Sie beklagt, dass sich die Ortsgemeinde um ihr Gelände neben den Gleisen nicht ausreichend kümmert, dies vermüllen lasse. „So lange es hier so aussieht, ist das ein Niemandsland für die Leute“, sagt sie.
Polizei widerspricht
Von Autorennen zumindest ist weder der Polizei noch dem Ortsbürgermeister etwas bekannt, wie diese auf RHEINPFALZ-Anfrage mitteilen. Auch ein spezielles Drogenproblem sehen sie im Bahnhofsumfeld nicht. Abgesehen von gelegentlichen Ruhestörungen sei das Bahnhofsumfeld in Berghausen nicht auffällig, informiert die Polizeiinspektion Speyer. Dass es Probleme mit Jugendlichen gab, kann Ortschef Matthias Hoffmann (Grüne) hingegen bestätigen. „Im Sommer 2019 hat uns eine Jugendgruppe an verschiedenen Punkten im Ort geärgert“, sagt er. Auch dass die Teenager sich am Wartehäuschen auf dem Bahnsteig getroffen hätten, um Alkohol zu trinken und es dabei teilweise laut zugegangen sei, hat der Bürgermeister mitgekommen. „Wenn die Polizei angerückt ist, sind sie oft in Richtung Neubaugebiet verschwunden“, sagt Hoffmann. Auf sein Betreiben hin sei schließlich die Bundespolizei, die für das Bahngelände zuständig sei, eingeschritten. Die Namen der jungen Leute seien mittlerweile bekannt, die Familien seien angeschrieben und Bußgelder angedroht worden.
Müll und wildes Parken
Petra Czekalla hat allerdings noch mehr Beschwerden vorzubringen, wenn es um das Bahnhofsumfeld in Berghausen geht: Zwischen ihrem Haus und dem Bahnübergang können Bahnpendler ihre Fahrräder abstellen. Sie beklagt, dass der Platz nicht hergerichtet und zudem vermüllt ist. „Nachts stellen Leute hier ihren Müll ab. Das kann ich auch verstehen, wenn es wie eine Müllhalde aussieht“, sagt sie. Auf der Straße, die am ehemaligen Bahnhofsgebäudes vorbeiführt, wird nach Czekallas Beobachtung wild geparkt. Die gezackten Linien direkt vor dem Eingang würden ignoriert, wenn sie dort keine Mülltonne hinstelle. Gleiches gelte für die Schilder, die die Czekallas an die Ketten vor ihrer Garage gehängt haben. Beschilderung durch die Gemeinde gebe es keine. „Beim Wenden haben Autofahrer schon die Treppe und den Vorgarten kaputtgefahren“, berichtet sie. Letzterer wird deshalb jetzt durch einen Zaun geschützt.
Die Römerbergerin versteht nicht, dass seit Jahren eine befestigte Park-and-Ride-Anlage angekündigt werde, aber nichts passiere. Ohnehin befürchtet sie, dass die eingezeichneten Parkplätze, die dabei entstehen sollen, bei weitem nicht ausreichen. Sehr bedauerlich sei auch, dass der alte Güterschuppen für die Park-and-Ride-Anlage abgerissen werden soll. Dort hätte man zum Beispiel ein Seniorencafé einrichten können.
Der Zustand des Geländes gefällt Bürgermeister Hoffmann auch nicht: „Das ist uns selbst ein Dorn im Auge“, sagt er. Für den Fahrradstellplatz, der im Zuständigkeitsbereich der Ortsgemeinde liege, sind im Haushalt für 2020 – sofern in der Rat im März genehmigt – 32.000 Euro eingestellt. Die Park-and-Ride-Anlage könne hingegen erst gebaut werden, wenn die Bahn-Unterführung da sei. Dafür will der Landesbetrieb Mobilität dieses Jahr zumindest mit Vorarbeiten für den Durchbruch zur Germersheimer Straße beginnen. Hoffmann ist klar, dass die Parkplätze wahrscheinlich auf Dauer nicht ausreichen, weshalb er langfristig gerne weitere südlich der Unterführung schaffen würde – auch wenn er zugibt, dass der Weg zum Bahnsteig in Richtung Ludwigshafen von dort sehr weit wäre. Gegen die Falschparker sollen künftig Parkverbotsschilder helfen. Diese wolle die Ortsgemeinde aufstellen lassen. Das Ordnungsamt kontrolliere am Bahnhof durchaus. „Aber wir haben dafür eben nur zwei Leute“, sagt Hoffmann.