Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Anwohner protestieren gegen Containerpläne

In Containern wie diesen könnten Geflüchtete eine Weile wohnen. Doch es braucht einen geeigneten Standort.
In Containern wie diesen könnten Geflüchtete eine Weile wohnen. Doch es braucht einen geeigneten Standort.

Sein Bauchgefühl hat den Bürgermeister nicht getäuscht: Bewohner der Bobenheimer Siedlung protestieren dagegen, dass auf dem Bolzplatz in der Richard-Wagner-Straße Container für Flüchtlinge aufgestellt werden. Dabei ist noch gar nichts spruchreif.

Wie wohl jede deutsche Kommune erwartet auch Bobenheim-Roxheim, dass im weiteren Verlauf des Kriegs, den Russland der Ukraine aufgezwungen hat, Flüchtlinge kommen und menschenwürdig untergebracht werden müssen. Und wie überall ist es auch hier so: Wenn keine Wohnungen und Privatquartiere mehr zur Verfügung stehen, müssen Sport- und Veranstaltungshallen belegt oder Containersiedlungen errichtet werden.

Für Letztere braucht es geeignete Grundstücke, auf denen Ver- und Entsorgungsleitungen vorhanden sind oder gelegt werden können. Bislang hat die Gemeinde die Unterbringung von Ukrainern gut gemeistert, doch die Verwaltung muss sich wappnen für den Fall, dass sie plötzlich und gleichzeitig sehr viele Geflüchtete aufnehmen muss.

„Die Rheinschulturnhalle ist deshalb schon zur Hälfte mit Betten bestückt“, berichtet Bürgermeister Michael Müller (SPD). Was allerdings den Widerstand von Eltern hervorgerufen habe. Deshalb werde jetzt die Jahnhalle so ertüchtigt, dass Menschen dort wohnen können. Das wiederum werde von den Fasnachtern, deren Garden dort trainieren, missbilligt. „Eine Halle als erste Anlaufstelle brauchen wir auf jeden Fall“, sagt Müller. „Und mittel- bis langfristig auch Wohnraumcontainer.“

Bürgermeister hat’s geahnt

Ein geeigneter Standort für bis zu 18 Container scheint die Bolzplatz genannte Grünfläche zu sein, die sich in der Richard-Wagner-Straße an den Spielplatz anschließt. Der Gemeinderat hat am 7. April beschlossen, dass die Verwaltung diesen Gedanken weiterverfolgen soll und nicht die Festwiese am Rathaus auswählt. Da ahnte Michael Müller schon, dass sich Anwohner beschweren würden, denn das hatten sie vor Jahren schon getan, als es darum ging, ob der Bolzplatz für eine Kita oder eine Tagespflege infrage käme. Offenbar wollen sie in dem dicht besiedelten Viertel unbedingt diesen grünen Freiraum behalten.

Wie man hört, wird die Angelegenheit in den sozialen Netzwerken diskutiert, und eine Unterschriftenaktion soll schon im Gang sein. Gegenüber dem Bürgermeister wurde ein Infoabend gefordert und mit dem Petitionsausschuss des Landtags gedroht. Und dabei werde doch derzeit nur geprüft, was das Mieten oder der Kauf von Containern überhaupt kosten würde, sagt Müller. Er vermutet einen mittleren sechsstelligen Betrag – ohne Betriebs- und Unterhaltungskosten. Ob der Gemeinderat bereit ist, diese Gelder tatsächlich zu bewilligen, sei noch völlig offen.

Ausschuss befasst sich am 19. Mai mit der Sache

Unklar ist zudem, ob sich der Rat vom Protest beeindrucken lässt. In seiner Aprilsitzung hat er jedenfalls Einmütigkeit demonstriert, als die Verwaltung vorgeschlagen hatte, die Option Bolzplatz nur für Migranten aus der Ukraine zu wählen. Man wolle und werde unter Flüchtlingen keine Unterschiede machen, hieß es.

Am 19. Mai (18 Uhr, Jahnhalle), wird sich der Bauausschuss mit dem Thema befassen, dann sehe man weiter, so Müller. Er rechnet mit vielen Zuhörern und versichert: „Die Bewohner der Bobenheimer Siedlung werden informiert, sobald es überhaupt Belastbares zu kommunizieren gibt.“ Seine Enttäuschung über die Widerstände in der Bürgerschaft – egal ob gegen Hallen- oder Bolzplatznutzung –, obwohl die Not von Geflüchteten so groß ist, bringt er so zum Ausdruck: „Die angeblich so große Hilfsbereitschaft endet offenbar da, wo die eigene, womöglich noch so kleine Betroffenheit beginnt.“

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