Bobenheim-Roxheim
Anwohner kritisiert Ergebnis des Theodor-Heuss-Straßenausbaus
In dem Artikel „Gemeinschaftsaufgabe doch noch gut gelöst“ haben Vertreter des Rhein-Pfalz-Kreises und der Gemeinde zufrieden auf die zweijährige Bauzeit zurückgeblickt. Ulrich Moske hat da deutlich unangenehmere Gefühle. Er lobt zwar das Tiefbauunternehmen für seine „hervorragende Arbeit“ und freut sich über die erneuerte Fahrbahn. Doch durch das Anheben des Straßenprofils sei bei vielen Anliegern der Übergang vom Gehweg zum Grundstück „verschlimmbessert“ worden, meint er. „Es mussten zusätzliche Sinkkästen an den Übergängen eingebaut werden, da die Einfahrten nun niedriger als die Straße liegen. Deren Wirkung muss beim ersten Starkregen erst noch nachgewiesen werden.“
Bauabteilungsleiter Thomas Krauß kennt die Sorge Moskes, dessen Haus in einem der ersten Bauabschnitte liegt. Seit mehr als einem Jahr sei das betreffende Stück nun fertig. „Es stimmt, jetzt ist die Straßendecke höher, und die Bordsteine sind niedriger“, sagt Krauß. Dafür gebe es aber ein leichtes Gefälle des Gehwegs, sodass sich Regenwasser an der tiefsten Stelle der Straße sammele.
Krauß: Noch keine nassen Keller
„Wir haben alle Anregungen der Anwohner ernst genommen“, sagt er und verweist auf das Protokoll einer Besprechung mit Ulrich Moske im August 2019, in der zusätzliche Entwässerungshilfen vor dessen Grundstück vereinbart worden seien. Der Straßenabschnitt sei seit über einem Jahr fertig, und trotz stärkerer Regenereignisse habe es keine Meldungen über nasse Keller gegeben.
Der Bobenheim-Roxheimer Bürger bemängelt ebenfalls die Bushaltestelle in Richtung Altrhein: an einer der schmalsten Gehwegstellen und dann noch mit zusätzlicher Verengung durch eine Wartebank, wie Moske an die RHEINPFALZ schreibt. „Damit aber nicht genug. Das Haltestellenschild platziert man mitten auf dem Gehweg, und der angeschraubte Mülleimer ragt ebenfalls in den Gehweg hinein anstatt zur Straße hin!“ „Barrierefrei geht anders“, meint Moske und fragt sich, warum der Behindertenbeauftragte der Gemeinde die Sanierung der Straße als sehr gelungen bezeichnet.
Thomas Krauß begründet den Standort und die Ausführung der Bushaltestelle samt Mast mit Vorgaben des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar, an welche die Gemeinde gebunden sei. „Den Mülleimer haben wir mittlerweile gedreht.“
Der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Holger Voll bleibt bei seiner Grundaussage, dass die Theodor-Heuss-Straße „in vorbildlicher Art und Weise barrierefrei gestaltet wurde“. Die Gehwege seien zuvor eine regelrechte Berg- und Talbahn gewesen, weil fast jede Hofeinfahrt abgesenkt gewesen sei und teilweise Pflastersteine rund um Bäume und Einfahrten hochgestanden hätten. Geparkt wurde am Straßenrand. „Nun haben wir eine deutliche farbliche Kontrastierung zwischen Fahrbahn, Parkflächen und Gehweg“, so Voll.
Voll: Blindenverband lobt die Gestaltung
Der Plan sei vom damaligen Behindertenbeauftragten des Rhein-Pfalz-Kreises abgezeichnet worden, betont Voll. Er selbst habe sich dafür eingesetzt, dass der pfälzische Blinden- und Sehbehindertenverband Stellung nimmt. Dieser habe die barrierefreie Gestaltung der Bushaltestellen als vorbildlich gelobt.
Hinsichtlich der Lage der Haltestelle zwischen Stettiner Straße und Marktplatz argumentiert Voll mit der Buslinienführung und der Buslänge, wegen der das Fahrzeug nicht an einer unüberschaubaren Stelle halten dürfe. „Eine wesentliche Verbreiterung der Straße ohne Abriss der Häuser ist nicht möglich“, so Voll. „Ein Begegnungsverkehr mit Bussen braucht Platz auf der Straße, deswegen können die Bürgersteige nur begrenzt verbreitert werden.“ Über die konkrete Lage von Bank, Schild und Abfalleimer könne man aber sicher noch mal sprechen.
Voll gibt zu bedenken, dass zur Barrierefreiheit für gehbehinderte oder ältere Menschen Wartebänke dazugehörten. Der wirklich wichtige Punkt beim Ausbau der Theodor-Heuss-Straße, die zum Schulweg vieler Roxheimer Grundschüler gehört, ist für den Behindertenbeauftragten die neue Möglichkeit der Geschwindigkeitsreduzierung.