Rhein-Pfalz Kreis Antiquietsch-Spezialist

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Nein, Fontargen aus Eisenberg ist nicht der Heilsbringer aller, die unter dem „Kreischen“ moderner Züge leiden. Dennoch: Der vor zwölf Jahren von voestalpine Böhler Welding Fontargen – im Volksmund nur Fontargen genannt – in Köln erfolgte Testlauf macht deutlich, dass quietschende Gleise nachträglich „beruhigt“ werden können. Auch wenn das 2004 von Fontargen entwickelte Verfahren zur Lärmreduzierung eigentlich gescheitert ist – ein genaueres Hinsehen lohnt sich.

Mittelständische Unternehmen wie die Eisenberger Fontargen, eine 90 Mitarbeiter starke Produktionsfirma von Kupfer und Silberlot, „sind permanent auf der Suche nach neuen Aufträgen und schlagen dafür mal andere Wege ein“, sagt Geschäftsführer Udo Kringel. Um potenzielle Marktnischen schnell und kompetent besetzen zu können, „investieren wir immer wieder Zeit und Geld in Ideen für spezielle Problemlösungen“, so Kringel: „Selbst wenn sie, wie bei unserem Projekt zum Lärmschutz bei Schienenfahrzeugen nicht unmittelbar zum Erfolg führen.“ Wenn die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) damals ihre Straßenbahnschienen mit der speziellen Aufschweißtechnik von Fontargen ausgestattet hätten, wären möglicherweise andere Städte und Kommunen nachgezogen. Offensichtlich spielte und spielt jedoch der Lärm durch das Quietschen von Straßenbahnen bei den Anliegern keine entscheidende Rolle. Zumal das Fontargen-Verfahren die Kölner Tram zwar leiser, aber nicht völlig geräuschlos über die Schienen gleiten ließ. Und die KVB natürlich ordentlich Geld für die Schienenaufrüstung in die Hand hätte nehmen müssen. „Der Nutzen und die Kosten standen für unseren Auftraggeber in keinem Verhältnis“, so Kringel. Die Pläne liegen aber noch in der Schublade. Denn lärmtechnisch hatte das Aufschweißverfahren ja Wirkung gezeigt. Die grobe Funktionsweise in einfachen Worten: Auf die vorhandenen Schienen wird eine Draht-Pulver-Kombination aufgeschweißt. Zum einen werden durch die geringfügige Verringerung der Spurweite die Einzelräder straffer ausgerichtet und besser geführt. Wichtig: Durch den Auftrag der speziellen Legierung auf die Gleise reibt nicht mehr Eisen auf Eisen. Zudem gibt es weniger Abrieb, auch wenn bei der Fahrt in den Kurvenbögen Kräfte nach außen wirken. Ein im Jahr 2004 beauftragtes Ingenieurbüro kam bei einem Testlauf auf zwei Strecken in Köln zu dem Ergebnis, dass die „Antiquietsch-Schweißung“ in einer Straße „keine signifikante Minderung des Schallpegels“ erbracht hatte, sondern nur „höherfrequente Pegelspitzen nicht so ausgeprägt“ waren. Abschließend stellten die Experten fest, dass „die Antiquietschschweißung offensichtlich in der Lage ist, die Quietschgeräusche bei Bogenfahrt zu mindern.“ Für die dauerhafte Wirkung müssten weitere Erfahrungen gesammelt werden. Jüngste RHEINPFALZ-Artikel zur Kritik am metallischen Kreischen der Züge im Grünstadter und Freinsheimer Bahnhof verfolgt Fontargen-Chef Kringel mit Interesse. Jedoch ohne große Hoffnungen, dass seine Firma hier der Heilsbringer werden könnte. Doch sollte man auch nie nie sagen. Schließlich gehört das Eisenberger Unternehmen in der voestalpine-Gruppe zur Division Metal Engineering. Und die ist einer der weltgrößten Schienen -und Weichenhersteller mit Produktion in Österreich.

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