Rhein-Pfalz Kreis Anstehen fürs Rutschen und für Pommes

Mutterstadt. Der lang ersehnte Sommeranfang hat am Wochenende Tausende in die Schwimmbäder im Rhein-Pfalz-Kreis gelockt. Auch das Mutterstadter Aquabella stellte einen vorläufigen Jahresrekord an Besucherzahlen auf. Alleine am Pfingstsonntag sind 1500 Badefreunde gezählt worden.
„Achtung, eine Durchsage: Bitte nicht von den Seiten ins Schwimmerbecken springen!“, dröhnt es aus den Lautsprechern durch das Hallenbad und über die Liegewiese, sodass auf der großen Fläche selbst die gemütlich-distanzierten Gäste in der hintersten Ecke die disziplinarische Mitteilung vernehmen. Die Lauscher hat da wohl so manch einer nicht aufgesperrt, der sich der Regel nicht einmal fünf Minuten später widersetzt. Norbert Römer kann da nur seufzen und seines Amtes walten. „Das ermahnen wir am meisten, 100 Mal am Tag reichen da noch nicht“, beklagt sich der stellvertretende Leiter im Bad. Eine Engelsgeduld müsse man da aber trotzdem an den Tag legen. Jetzt gilt es für den 36-Jährigen allerdings erst einmal dafür zu sorgen, dass am Ein-Meter-Sprungbrett keine Unfälle passieren, wenn jubelnde Kinder und Jugendliche mit verrückten Hüpfern in das volle Becken springen. Dabei scheint das „kleine“ Sprungbrett schon längst überholt, stehen die Gäste doch schon seit ein paar Minuten bis zur Mitte der 25-Meter-Bahn vor dem Drei-Meter-Brett Schlange, das aktuell aber noch mit einem „Geschlossen“-Schild auf der Leiter versehen ist. Wenn dieses Schild zum „Einer“ wandert, müssen sich Luisa und ihre Geschwister und Freunde eine andere Beschäftigung suchen, denn obwohl sie wie die Weltmeister vom niedrigen Brett hüpfen, sind sie noch zu klein für das Große. Zum Glück gibt es noch die Rutsche, die sich bei der Gruppe breiter Beliebtheit erfreut, und wenig später rasen die fünf auch schon über den nassen und gefährlich glatten Boden zum Turmaufgang für die Attraktion. Im Außenbecken genießen die Gäste dagegen, sich hier nicht an die „Von-der-Seite-Reinspringen-Verbote“ halten zu müssen und spritzen Freunde und Erwachsene nach Lust und Laune nass. Auch darf man hier unter freiem Himmel und strahlendem Sonnenschein so am Beckenrand sitzen, dass nur die Füße locker im Wasser baumeln. Auf diese Art haben es sich Hassan Ali und Ali Ftounu bequem gemacht. „Wir sind im Sommer fast jeden zweiten Tag im Aquabella“, erzählen die Mutterstadter. „Später gehen wir in die Cafeteria, Pommes essen“, berichtet Hassan Ali von den Plänen der Gruppe. „Oder Spirellos!“, wirft sein Kumpel ein. Allerdings müssen sich die Freunde darauf einstellen, lange auf die Speisen zu warten, denn in den frühen Nachmittagsstunden ist der Glasbau des Restaurants bis zum Rand vollgestellt von Kindern mit nassen Haaren und hungrigen Mägen, die sich mit ihren Begleitern darüber streiten, ob Pommes mit Mayo oder Ketchup besser schmecken. Uneinigkeiten können dann unter Umständen auf der Liegewiese in Handtuchschlachten ausgetragen werden. Oder der Unbelehrbare wird ins kühle Nass geschubst. Das sehen die Bademeister zwar bestimmt nicht gerne, aber die haben bei solchen Besucherzahlen allerhand anderes zu tun. „Ich muss erstmal schnell die Polizei anrufen“, erzählt Benedikt Wittmann, „weil unsere Rettungseinfahrt zugeparkt ist.“ Gerade während eines Ansturms wie an Pfingsten bei 36 Grad, kann das ein gefährliches Hindernis für Rettungskräfte werden. Seinen Feierabend kann der Bademeister noch nicht antreten, nachdem die Polizei informiert ist. Überstunden aus Solidarität zum restlichen Personal: Einer muss nämlich in der Kabine des Badepersonals die Stellung halten, wenn hoffnungsvolle Kinder nach einem Ball zum Ausleihen fragen oder Großmütter ihre Schützlinge in den Fluten aus den Augen verloren haben. Falls die Sprösslinge von Daniela Schwarz ihre Mutter finden müssten, könnten sich Marlon und Mia-Sophia allerdings einfach am pinken Wurfzelt orientieren, das die Familie zwecks Sonnenschutz mitgebracht hat. Frisch aus dem kühlen Nass, in dem die Kinder der prallen Nachmittagssonne ausgesetzt waren, geht es in den Schatten. „Das ist wichtig für die Kleinen“, betont Mama Daniela. Das Aquabella besuchen die Edigheimer gerne, „weil die Liegewiese weit ist, da sind nicht so viele Menschen“. Die Kinder und Marlons Freund Marco sind da anderer Meinung: Einstimmig schwören die drei darauf, dass die Rutsche mit Abstand das coolste am Freibad ist. Auch wenn die Schlange bei dem Freibad-Wetter fast hinunter zum Becken reicht.