Rhein-Pfalz-Kreis
Andreas Schoofs: Kontaktmann und Mittler im Auftrag der Bundeswehr
Corona-Pandemie, Afrikanische Schweinepest: Andreas Schoofs ist seit 2019 Leiter des Kreisverbindungskommandos und hat in den vergangenen fünf Jahren schon zwei große Krisen erlebt, die Auswirkungen auf den Rhein-Pfalz-Kreis hatten. Der Oberstleutnant der Reserve kannte solche Szenarien aus Übungen. Doch: „Es lief anders als geprobt.“ Während der Corona-Pandemie kümmerte sich Schoofs um zwischenzeitlich bis zu 200 Bundeswehr-Soldaten, die das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung sowie die Teststation am Klinikum Ludwigshafen unterstützten. Außerdem betreute er mehr als 40 Rettungsassistenten, die sich an Heiligabend um Schwerstkranke auf Intensivstationen kümmerten. Es ging dabei nicht nur um den eigentlichen Einsatz der Soldaten, das überlastete Gesundheitssystem zu stützen, sondern um deren Versorgung: einfache Bedürfnisse wie Essen und ein Bett, in dem sie schlafen konnten. Die größte Herausforderung für Schoofs und alle Helfer: die lange Zeit, die die Corona-Pandemie anhielt. In Hoch-Zeiten war der Oberstleutnant der Reserve 20 Stunden pro Woche neben seinem Hauptberuf – als Sachverständiger beim Tüv – für das Kreisverbindungskommando im Einsatz. „Es hat Spaß gemacht, es war aber auch belastend“, gibt Schoofs zu.
Der 62-Jährige, der mit seiner Frau und einigen Hunden in Mutterstadt lebt, pflegt als Leiter des Kreisverbindungskommandos den Kontakt zu den zivilen Dienststellen des Katastrophenschutzes – das heißt, zur Kreisverwaltung – und berät diese in der Katastrophenschutzplanung, insbesondere wie die Bundeswehr unterstützen kann. Er und sein Stellvertreter Thorsten Dörr stehen aktuell fünf Reservisten vor, die dem Kreisverbindungskommando (KVK) angehören. Weitere Reservisten aus dem Kreis seien gesucht, normalerweise besteht ein KVK aus zwölf Soldaten. Interne Besprechungen stehen alle sechs Wochen auf dem Programm, einmal pro Quartal geht es in einem größeren Kreis mit Bundeswehr-Angehörigen aus den benachbarten Kreisen um mögliche Einsatzszenarien wie ein extremes Rhein-Hochwasser, einen Blackout oder einen Störfall in einem Atomkraftwerk.
Maxime: „Die Bundeswehr kommt immer zuletzt“
Schoofs ist wichtig, dass er die zivilen Akteure des Katastrophenschutzes im Kreis kennt, also Verantwortliche beim Kreis, bei den Freiwilligen Feuerwehren und den Sanitätsdiensten. Vor einiger Zeit brachte er sich selbst ins Spiel, als im Rhein-Pfalz-Kreis ein totes Schwein im Wald nahe einem militärischen Gelände gefunden wurde. Damals grassierte in einem Nachbarkreis bereits die Afrikanische Schweinepest, es handelte sich somit um einen Verdachtsfall, der sich im Nachhinein nicht bestätigte. Es ging aufgrund der Fundstelle darum, wer für das tote Tier zuständig ist – die Kommune und der Kreis oder das Militär und damit der Bund.
Grundsätzlich ist Andreas Schoofs Job von zahlreichen Regularien geprägt. Als oberste Maxime gilt: „Die Bundeswehr kommt immer zuletzt“ – also erst, wenn die Einsatzkräfte vor Ort die Lage nicht mehr im Griff haben. Hintergrund ist, dass die Bundeswehr-Einsätze nicht in Konkurrenz zu den zivilen und kommerziellen Einsatzkräften stehen dürfen und letztlich auch bezahlt werden müssen. Ein Beispiel für einen Bundeswehr-Einsatz in jüngster Vergangenheit, aber nicht aus dem Rhein-Pfalz-Kreis ist die Flutkatastrophe im Ahrtal. Zeitlich weiter zurück liegen die Jahrhundertflut im Sommer 2002 an der Elbe sowie die Sturmflut in Hamburg 1962, als der damalige Polizeisenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt die Bundeswehr um Hilfe zur Bewältigung der Lage bat.
Im Fall einer Naturkatastrophe wie extremes Hochwasser am Rhein mit Überflutungen müsste der Kreis die Hilfe bei der Bundeswehr beantragen. Dabei wäre Andreas Schoofs als Leiter des Kreisverbindungskommandos behilflich. „Der Papierkrieg muss sein, weil ich gegenüber dem Landeskommando und das wiederum gegenüber dem Bund vertreten muss, warum die Hilfe der Bundeswehr vor Ort unbedingt notwendig ist“, sagt Schoofs. Ein Rhein-Hochwasser wäre dabei noch das günstigste Szenario, da es sich aufgrund der Prognosen abzeichnet und der Oberstleutnant anhand der Pegelstände und in Verbindung mit den Verantwortlichen vor Ort abschätzen kann, wo der Fluss über die Ufer treten und Überschwemmungen mit schweren Folgen anrichten könnte.
Brenzlige Weltlage macht neue Szenarien möglich
Hochwasser, Corona-Pandemie, Afrikanische Schweinepest – alles Lagen, in denen Schoofs und seine Kameraden zum Einsatz kommen können beziehungsweise schon kamen. Und wie sieht es angesichts der angespannten Weltlage aus? Welche Auswirkungen könnte diese auf Andreas Schoofs und sein Bundeswehr-Ehrenamt als Leiter des Kreisverbindungskommandos haben? Im Falle eines russischen Angriffs auf die baltischen Staaten – einem Nato-Bündnisfall – und einem damit verbundenen Militäreinsatz von Nato-Staaten rechnet der Oberstleutnant der Reserve mit verstärkten Truppenbewegungen in Europa.
Deutschland würde aufgrund seiner Lage als Transitland gelten, es wäre mit zahlreichen Soldaten und Fahrzeugen befreundeter Nato-Staaten hierzulande zu rechnen. Da Bundeswehr-Liegenschaften als Zwischenstopp für die Streitkräfte nicht ausreichend zur Verfügung stünden, könnte es Schoofs Aufgabe sein, die Koordination vor Ort mit dem Landeskommando Rheinland-Pfalz abzustimmen und für Übernachtungsmöglichkeiten oder Verpflegung zu sorgen, falls diese von den durchreisenden Streitkräften benötigt würde. Hinzu kämen zahlreiche Absprachen mit Behörden vor Ort und Hinweise für die Bevölkerung. Denn Tausende durchreisende Soldaten mit Fahrzeugen würden den Verkehr in der Region für einen gewissen Zeitraum massiv beeinträchtigen, sagt Schoofs.
Der Mutterstadter kam 2007 zum Kreisverbindungskommando. Der Grund für sein Engagement: „Eine Gemeinschaft funktioniert nur, wenn jeder sich einbringt.“ Er sei dadurch resilienter geworden und habe gelernt, auch in unübersichtlichen Situationen strukturiert vorzugehen und schnelle Entscheidungen zu treffen, sagt Andreas Schoofs und erklärt damit, warum er in seiner Aufgabe aufgeht.