Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Andenken an Künstler Theobald Hauck pflegen

Christel Hofmann und das Bronzeporträt, das ihr Vater von ihr als Mädchen geschaffen hat.
Christel Hofmann und das Bronzeporträt, das ihr Vater von ihr als Mädchen geschaffen hat.

Der Bildhauer Theobald Hauck ist in seinem Atelier und seinem Haus in Maxdorf noch gegenwärtig – in seiner Kunst, die seine Tochter Christel Hofmann bewahrt. Sie wünscht sich, dass das Andenken an den Künstler weiter gepflegt wird. Beim Besuch der RHEINPFALZ erzählt sie auch von schwierigen Zeiten, die ihr Vater durchlebt hat. Von ihm gibt es viele Werke im Rhein-Pfalz-Kreis.

Geräumig, hoch und lichtdurchflutet ist das ehemalige Atelier in der Sohlstraße in Maxdorf auch heute. Künstlerisch gearbeitet wird hier nicht mehr. Aber Kunstwerke gibt es noch. Auf den hohen Fenstersimsen stehen Werke aus Bronze und einige aus Gips. Eines der Bronzeobjekte ist der Kopf eines Mädchens mit Zöpfen. „Das bin ich“, sagt Christel Hofmann und lächelt. Etwa zwölf Jahre alt sei sie gewesen, als ihr Vater sie so abbildete, sagt die 84-Jährige. Ein anderer Kopf zeigt Theo Haucks jüngere Schwester Veronika, auch sie etwa in diesem Alter. Der Künstler war demnach 20 Jahre alt, als er das beeindruckende Werk schuf.

„Mein Vater hat schon als Kind gesagt, dass er Bildhauer werden will“, berichtet Christel Hofmann aus der Familie. Und man habe sich darüber gewundert, denn im Dorf habe es keine Künstler gegeben, die ihn darauf hätten bringen können. Der Großvater sei Metzger, die Großmutter Hebamme gewesen.

Von Berlin nach München

Hauck wurde am 16. März 1902 in Maxdorf geboren. Von 1919 bis 1921 studierte er an der Kunstakademie in Karlsruhe, dann folgte er seinem Professor Wilhelm Gerstel nach Berlin. Gerstel habe Hauck stilistisch kaum beeinflusst, aber vermittelt, wie künstlerische Ideen umzusetzen sind, heißt es in einem Ausstellungskatalog der Pfalzgalerie („Es kommt eine Neue Zeit“, 1999). Von Berlin wechselte Hauck nach München, damals Ziel vieler Pfälzer Künstler. 1924 unternahm er Studienreisen nach Rom und Neapel. Von 1926 bis 1929 hatte Hauck ein Atelier in Oggersheim. Das Maxdorfer Atelier sei 1936 gebaut worden, das Wohnhaus daneben 1940, sagt Christel Hofmann.

Hauck war während des „Dritten Reichs“ in Maxdorf NSDAP-Ortsgruppenleiter und Bürgermeister. Das könnte erklären, warum Hauck nach Kriegsende in Landau inhaftiert war. Genaues weiß die Tochter dazu nicht. Noch während dieser Zeit wurde Hauck zur Teilnahme an einer Ausstellung Pfälzer Künstler in Mainz eingeladen, berichtet sie. „Dadurch wurde der französische Kommandant darauf aufmerksam, dass mein Vater Künstler ist, und er erlaubte ihm, ein kleines Atelier einzurichten“, berichtet die Tochter. An der Ausstellung teilnehmen durfte er aber nicht. Hauck, der 1940 zur Wehrmacht einberufen wurde, hat zuvor in Krieg und Gefangenschaft kleine Figuren aus Holz geschnitzt, einige davon bewahrt Christel Hofmann in einer Vitrine im Wohnzimmer auf.

Berufsverbot nach dem Krieg

Zurück aus der Haft, 1949, hatte Hauck zunächst als Künstler Berufsverbot. „Das hat meinen Vater sehr belastet“, erinnert sich die Tochter. Aus der Not heraus arbeitete er mit seinem Bruder Heinrich, und die beiden gründeten die Firma Gebrüder Hauck, die Steinmetzarbeiten machten. Aber Fensterbänke, Steintreppen und Bodenplatten waren für den Künstler keine befriedigende Arbeit. „Als er zurückkam, war mein Vater für mich ein Fremder und ein sehr bedrückter Mann“, sagt sie. Erst 1954 konnte Hauck die künstlerische Arbeit wieder aufnehmen.

Die Tochter bewundert die künstlerische Gabe ihres Vaters. Sie zeigt die Figur einer knienden Frau, gearbeitet aus weißem Marmor, die in der Wohnküche auf einem Bord steht. „Das war ein Reststück, aber mein Vater hat darin diese Figur gesehen“, erklärt sie. Spannend findet sie die Entwicklung zur Abstraktion, die ihr Vater im Verlauf seines Künstlerlebens genommen hat. Um das zu sehen, gehen wir auf den Maxdorfer Friedhof. Dort gibt es an den Rasengräbern die Figur einer sitzenden trauernden Frau, die einen Palmzweig hält. Die Figur sei 1930 entstanden. Am Familiengrab Hauck findet sich eine stehende Trauernde. Während die erste Figur mit vielen Details ausgearbeitet ist, sehen wir hier fließende Linien und ein stilisiertes Gesicht. Diese Figur sei 1958 entstanden, sagt Christel Hofmann.

Neben Skulptur begraben

Auf dem Friedhof vor der Trauerhalle steht eine Figur, die Theobald Hauck besonders wichtig war: der Heilige Franziskus, der mit ausgebreiteten Armen predigt. Der Legende nach soll er auch den Vögeln gepredigt haben, und so befindet sich zu Füßen des Heiligen eine Vogeltränke. Auch diese Figur ist stark abstrahiert, einen Entwurf und ein Modell bewahrt die Tochter auf. Es war Haucks Wunsch, neben dieser Figur begraben zu werden und dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Er ist 1980 in Maxdorf gestorben. 1977 war er auf einstimmigen Ratsbeschluss zum ersten Ehrenbürger ernannt worden, nicht nur wegen seines künstlerischen Schaffens, sondern auch wegen seines ehrenamtlichen Engagements. So hat er 50 Jahre lang den Chor der protestantischen Kirche geleitet.

Vor dem Rathaus der Verbandsgemeinde steht eine Metallstele, die Hauck geschaffen hat und die das Zusammenwachsen der drei Ortsgemeinden symbolisiert. Hauck hat Kriegerdenkmäler unter anderem in Maxdorf, Neuhofen und Otterstadt gestaltet. Die Merkur-Figur am Postamt Oggersheim sowie Figuren am ehemaligen Umspannwerk in Ludwigshafen (gegenüber dem Hack-Museum) stammen von Hauck.

Theobald Hauck – ein Selbstbildnis des Meisters.
Theobald Hauck – ein Selbstbildnis des Meisters.
Der Heilige Franziskus auf dem Maxdorfer Friedhof.
Der Heilige Franziskus auf dem Maxdorfer Friedhof.
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