Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Alternative zu kirchlichen Kitas beschlossen

Kind im Kindergarten: Eltern in Römerberg haben derzeit nur die Wahl zwischen katholischen und protestantischen Einrichtungen.
Kind im Kindergarten: Eltern in Römerberg haben derzeit nur die Wahl zwischen katholischen und protestantischen Einrichtungen.

Sechs Kindertagesstätten gibt es in Römerberg – und alle sind in kirchlicher Trägerschaft. Ist das noch zeitgemäß? Nein, findet der Ortsgemeinderat, und will Eltern künftig eine Alternative bieten.

In drei katholischen und drei protestantischen Kindertagesstätten werden in Römerberg Kinder betreut. Eine kommunale Kita, wie in den anderen Orten der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, gibt es dort nicht. Zwei weitere Kindergärten sollen bald dazukommen: eine dreigruppige Einrichtung im Baugebiet W3 und eine fünfgruppige neben der Grundschule in Berghausen. Bereits vor zwei Jahren hat die Ortsgemeinde sowohl die katholische als auch die protestantische Kirche angefragt, ob sie grundsätzlich bereit wären, auch in diesen Kitas die Betriebsträgerschaft zu übernehmen. Nur der protestantische Kita-Zweckverband Speyer-Germersheim hat daraufhin seine Bereitschaft erklärt.

„Es wird Zeit, dass die Betriebsträgerschaft nicht nur bei den Kirchen bleibt“, findet der zuständige Beigeordnete Heinz-Peter Schneider (Grüne). Eltern hätten dadurch mehr Auswahl, wenn sie einen Kindergarten suchen, dessen Profil zu ihnen passt, erläuterte er am Dienstag im Ortsgemeinderat. Aber auch für die Ortsgemeinde Römerberg ergäben sich Vorteile: „Die Gemeinde ist näher dran“, sagte Schneider. Sie könne so eher reagieren, wenn es beispielsweise um Öffnungszeiten, Konzeption, Personalfragen oder die Wirtschaftlichkeit geht.

Der Vorschlag, der dem Rat zur Abstimmung vorgelegt wurde, sieht deshalb vor, dass die geplante fünfgruppige Kita in Berghausen von der Ortsgemeinde geführt wird. Den Betrieb des neuen dreigruppigen Kindergartens in W3 soll hingegen der protestantische Kita-Zweckverband übernehmen.

Doch würde eine solche Lösung die Ortsgemeinde nicht teuerer zu stehen kommen, als wenn auch die neuen Kitas komplett in kirchliche Trägerschaft gehen? „Bei eigener Betriebsträgerschaft ändern sich die Kosten nicht wesentlich“, ist Beigeordneter Schneider sicher. Allerdings räumte er ein, dass die Finanzierung des Betriebs der Kindertagesstätten nach der Anforderungen des neuen Kita-Zukunftsgesetzes noch nicht einhundertprozentig geklärt sei.

Kritik an Verwaltung

Herbert Martin Kälberer (SPD) und andere Ratsmitglieder merkten kritisch an, dass die Beschlussvorlage der Verwaltung wenig aufschlussreich sei, welche Kosten auf die Ortsgemeinde zukämen. Darin ist die Rede von knapp einer Million Euro jährliche Kosten für 15 Vollzeitstellen und weitere Stellen in der Verwaltung, wenn die Gemeinde die Betriebsträgerschaft für die fünfgruppige Kita übernimmt. Die Zahl könne zwar stimmen und tauche dann auch im Haushalt auf, versuchte sich Schneider an einer Erklärung. Allerdings müssten die Zuschüsse von Land- und Kreis gegengerechnet werden, um ein Bild der tatsächlichen Kosten für die Ortsgemeinde zu bekommen. Bei einer Übernahme der Betriebsträgerschaft durch die Kirche betrage der Personalkostenanteil der Ortsgemeinde 11 Prozent.

„Wir haben uns in den letzten Jahren bewusst zurückgehalten beim Thema kommunale Kitas“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Mathias Müller. Das habe unter anderem mit der Belastung der Verwaltung zu tun gehabt. Römerberg stehe aber mittlerweile als Gemeinde ohne kommunale Kita ziemlich alleine da. „Es ist Zeit, das ganze mal zu probieren“, findet er. So sieht es auch Grünen-Sprecher Jürgen Schall. Dass die Gemeinde mehr Einfluss habe, beispielsweise beim Thema Plätze für Zweijährige, wertete er als großen Vorteil.

Den Plänen für eine kommunalen Trägerschaft der fünfgruppige Kita in Berghausen gab der Rat ebenso sein Okay wie jenen für eine protestantischen Trägerschaft der dreigruppigen Kita in W3 – dort unter der Voraussetzung, dass sich an den Grundlagen der Finanzierung nichts ändert und die Ortsgemeinde nicht auch die Verwaltungskosten übernehmen müsse.

Zur Sache: Architekten können loslegen

Beim Thema fünfgruppige Kita in Berghausen ist die Ortsgemeinde mittlerweile einen wichtigen Schritt vorangekommen. Wie berichtet, mussten die Architektenleistungen wegen der Größenordnung des Vorhabens in einem aufwendigen Verfahren europaweit ausgeschrieben werden. Wie Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) informierte, ist mittlerweile der Planungsauftrag erteilt: Den Zuschlag bekam das Büro Kaupp&Franck aus Mannheim mit einem Angebot in Höhe von rund 306.000 Euro. Drei Architekturbüros hätten ihre Pläne in Römerberg vorgestellt, wobei die Mannheimer am überzeugendsten gewesen seien.

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