Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Alter Friedhof: Replik-Steine erinnern an Baubeginn

Steinerne Zeugnisse: Janet Weisbrodt-Barth fügt die Repliken in die Friedhofsmauer ein.
Steinerne Zeugnisse: Janet Weisbrodt-Barth fügt die Repliken in die Friedhofsmauer ein.

In die Friedhofsmauer des Alten Friedhofs Mutterstadt sind zwei Steine eingefügt worden, bei denen es sich um Repliken der Steinplatten handelt, mit denen 1745 der Baubeginn dokumentiert wurde. Links neben dem Eingangsportal sind sie nun wieder steinerne Zeugnisse eines Details aus Mutterstadts Geschichte.

Gespannt warteten Zuschauer der Ortsgruppe Mutterstadt des Historischen Vereins der Pfalz und Vertreter der politischen Gemeinde, bis Bildhauerin Janet Weisbrodt-Barth sorgfältig die beiden Steinplatten in die Friedhofsmauer eingefügt hatte. Nun künden sie mit ihrer Inschrift ALO 1745 T 17 Mey vom Tag der Grundsteinlegung für den Alten Friedhof Mutterstadt.

Von den Originalen dieser Steinplatten waren nur die Inschriften bekannt und in den Ortschroniken dokumentiert. Die Steine verschwanden wohl bei der Verbreiterung des Hauptportals, wie Volker Schläfer von der Ortsgruppe Mutterstadt des Historischen Vereins der Pfalz erzählte. Es hat zwar schon einmal Reproduktionen gegeben, die aber beim Einsturz der alten Friedhofsmauer und durch Verwitterung beschädigt und nicht mehr verwendbar waren. Nun hat der Historische Verein in Abstimmung mit der Ortsgemeinde von der Bildhauerei zwei neue Repliken anfertigen und links neben dem Haupteingangsportal einsetzen lassen.

Finanziert wurde der „mittlere dreistellige Betrag“ für die steinernen Zeugen durch Spenden des Historischen Vereins und Volker Schläfers sowie der Ortsgemeinde. „Es ist schön, wenn es im Ort Menschen gibt, die dafür sorgen, dass diese Dinge und Erinnerungen erhalten bleiben“, bedankte sich Andrea Franz (SPD), Erste Beigeordnete der Gemeinde Mutterstadt, beim Historischen Verein und Volker Schläfer für ihr Engagement und ergänzte: „Es gibt hier auf dem Alten Friedhof noch viel tun, auch wenn es schon ganz ansehnlich geworden ist.“

Der Alte Friedhof Mutterstadt wurde vor fast 280 Jahren an einer Stelle eingerichtet, an der sich bereits zur Zeit der Merowinger und wohl schon auch zu römischer Zeit Begräbnisanlagen befunden haben. Friedhöfe befanden sich dann später um die drei Kirchen der Katholiken, Lutheraner und Protestanten, die im 18. Jahrhundert aber zu klein wurden. Nach längeren Diskussionen einigten sich die Konfessionen dann auf die Anlage eines gemeinsamen Begräbnisplatzes, für den 1745 der Grundstein gelegt wurde.

Parkanlage soll bald entstehen

Erste Bestattungen erfolgten hier an der heutigen Ludwigshafener Straße dann ab 1748, zunächst aber nur für Lutheraner und Protestanten. Die französische Verwaltung legte dann 1804 fest, dass nun auch die Katholiken hier zu bestatten seien. Im Laufe der Zeit erfolgten mehrere Erweiterungen des Friedhofsgeländes nach Osten hin, bis die Umfassungsmauer mit einer Länge von 550 Metern ein 1,7 Hektar großes Friedhofsgelände umfasste. 1968 wurde der Alte Friedhof geschlossen und ist heute nur noch für Zulegungen von Familienangehörigen geöffnet. Der neue Mutterstadter Friedhof befindet sich am Pfalzring.

1982 beantragte der Historische Verein die Umwandlung des Alten Friedhofs in einen Park unter Erhaltung einzelner Denkmäler und Grabstätten, wie der Kriegsdenkmäler, der Gräber von Soldaten und Zivilopfern sowie ortsgeschichtlich bedeutender Persönlichkeiten und der Toten des Explosionsunglücks in der BASF 1921. Darunter auch die teilweise noch im Original erhaltene Grabplatte der „Brezelfrau“, einer Mutterstadter Bäckersfrau, als Dokument für die Erstbelegung von 1748.

Für diese „wunderbare Parkanlage in der Ortsmitte“ schlägt der Historische Verein die Erstellung eines Gesamtkonzepts vor und hat einige Anregungen parat, das Gelände schon jetzt in das Kultur- und Freizeitangebot der Gemeinde mit einzubeziehen. So soll für den „Park der Geschichte“, wie Volker Schläfer den Alten Friedhof auch bezeichnete, am Haupteingang noch eine Informationstafel zur Friedhofs-Chronik und zu den Grabdenkmälern aufgestellt werden.

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