Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Altarplatten nach halbem Jahrhundert zurück

Vor den zurückgekehrten Altarplatten: (von links) Birgit Birkle-Ertel (Vorsitzende Gemeindeausschuss), Pfarrer Jens Henning und
Vor den zurückgekehrten Altarplatten: (von links) Birgit Birkle-Ertel (Vorsitzende Gemeindeausschuss), Pfarrer Jens Henning und Hans Sona.

Vier Altarplatten an einer Wand der Kirche St. Pankratius Berghausen zeigen alttestamentarische Motive. Sie stammen aus den 1930er-Jahren, als es eine größere Umgestaltung des Innenraums der Kirche gab. Nach einem weiteren Umbau rund 30 Jahre später verschwanden die Messing-Reliefs – bis sie dank einer Initiative von Gemeindemitglied Hans Sona vor Kurzem zurückgekehrt sind.

Es kann mit Fug und Recht als einmalig in der 700-jährigen urkundlichen Geschichte Berghausens bezeichnet werden, dass in Friedenszeiten ein ehemaliges Kircheninventar wieder fest in das Innere des Gotteshauses zurückkommt. Möglich machte es der 1948 in Berghausen geborene Hans Sona, der schon seit vielen Jahren im Nachbarort Heiligenstein lebt. Schon als junger Ministrant war er von den vier aus Messing hergestellten Platten des ehemaligen Hochaltars fasziniert, die Motive der Arche Noah, des brennenden Dornbuschs, des Manna-Regens und der Bundeslade zeigen. Unter Pfarrer Eugen Rössler sind sie laut Sona in den 1950er-Jahren auch im örtlichen Religionsunterricht thematisiert worden. „Gerade als Messdiener kam ich besonders nahe an den Hochaltar heran, der um 1970 aufgrund der damals in der Kirche durchgeführten liturgischen Reform, entfernt wurde“, erinnert sich Sona. Insbesondere seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bedurfte der Chorraum einer baulichen Anpassung, vor allem hinsichtlich der Erfordernisse der neuen Liturgie, da zum Beispiel die Messe „versus populum“, also mit Blick auf das Volk, am alten Altar so nicht mehr möglich war.

Die Spur führt nach Bayern

Nach dem Abbau des Hochaltars gingen die vier Reliefs gegen eine Spende an eine Familie, die in Berghausen unweit der Kirche wohnte und diese in ihrem Wohnzimmer aufhängte. Nachdem die Bewohner des Hauses verstorben waren, wandte sich Hans Sona mehrfach an die in Dudenhofen lebende Verwandtschaft, um herauszufinden, wo die Altarplatten im Zuge der Verteilung des Erbes hingekommen waren. Beseelt von dem Wunsch und der Vorstellung, diese wieder an die geliebte Heimatkirche St. Pankratius zurückgeben zu können, nahm er Kontakt zu Elisabeth Beyer auf, die in Tüßling bei Altötting wohnt und in deren Besitz die Platten mittlerweile waren. Sie war einverstanden, dass die Messing-Reliefs wieder nach Berghausen kommen – unter der Voraussetzung, dass sie einen geeigneten Platz im Gotteshaus bekommen. Im Oktober 2019 war es dann soweit. Sona erhielt ein Paket mit dem erhofften Inhalt. Nach einem Gespräch mit Birgit Birkle-Ertel vom örtlichen Pfarreirat und einer sich anschließenden Genehmigung durch den Konservator des Bischöflichen Bauamts in Speyer konnte für die vier ehemaligen Hochaltarplatten an der nördlichen Wand der Kirche eine Woche vor dem Weihnachtsfest 2021 ein neuer Platz gefunden werden.

Um zu verstehen, warum man in Berghausen Ende der 1930er-Jahre diese vier Reliefplatten in Auftrag gab, lohnt ein Blick zurück auf die Geschichte der Innengestaltung der Kirche. Für die Kirchengeschichte Berghausens im 20. Jahrhundert stellt das Jahr 1929 ein markantes Datum dar. In diesem Jahr wurde unter Pfarrer Karl Josef Schröder durch einen Mannheimer Architekten das Mittelschiff von fünf auf sechs Fensterachsen erweitert. Schröders Nachfolger, Pfarrer Friedrich Wenz, war es schließlich vorbehalten, das Kircheninnere neu und würdig zu gestalten. Ihm ist es auch zu verdanken, dass wir heute vieles über die damaligen Pläne und Arbeiten erfahren können, was bisher in keiner Chronik verzeichnet ist. Seine Aufzeichnungen sind nämlich im „Pfarrgedenkbuch St. Pankratius Berghausen“, das im Speyerer Bistumsarchiv verwahrt wird, vermerkt.

Als „Erfolge“ notiert Pfarrer Wenz darin „die Beleuchtung von der Decke aus, die vor allem auch den Schulkindern ordentliches Licht gibt“. Zuvor hätten insbesondere die Mädchen der unteren Klassen im Dunkeln gesessen. 1936 wurden auch die vom Speyerer Architekten Ludwig Ihm entworfenen Pläne für eine Kommunionbank mithilfe des Berghäuser Schlossermeisters Strehl umgesetzt. „Die Kosten wurden durch freiwillige Gaben gedeckt, wobei Familie Fritz Zieger, die auch sonst große Wohltäter für die Kirche ist, ungefähr den Hälftebetrag geleistet hat“, schreibt der Pfarrer.

Erwähnt wird auch, dass die Chorglocke in eine Nische versenkt sowie eine weitere Nische für „Wein, Wasser und Lavabogeräte“ (Wasserkanne, Schale und Tuch) geschaffen wurde. „Die unschönen elektrischen Kerzen auf den Wandleuchtern wurden Weihnachten 1935 entfernt. Seither werden Wachskerzen an den Apostelleuchtern gebrannt“, berichtet der Geistliche.

Mit der Innengestaltung verknüpft war zur Freude des Pfarrers eine große Opferbereitschaft der Berghäuser. Ende 1937 wurden die Fenster des fast 100 Jahre alten Gotteshauses teils neu verglast, indem die farbigen Fenster herausgenommen und durch einfache helle Fenster ersetzt wurden. Die Neuverglasung umfasste auch die vier Fenster auf der Empore und die nächstfolgenden Seitenfenster. Nach einem heftigen Sturm im Februar 1938 zeigten sich auch größere Schäden an den übrigen Fenstern, die ebenfalls neu verglast werden mussten. Noch im gleichen Monat nahm Pfarrer Wenz wegen der Gestaltung des Kircheninneren Kontakt zu mehreren Künstlern auf.

Bischof lobt Altarbild

Das Rennen machte schließlich Bruder Notker aus dem Kloster Maria Laach, der das imposante Altarbild malte, das vielen Berghäusern noch heute in Erinnerung ist. Auch der Speyerer Bischof Ludwig Sebastian (1917 bis 1943) brachte in die Diskussion über die Motivgestaltung seine Anregungen mit ein. Schließlich war auch er am 5. Februar 1939 „über das Bild zufrieden und lobte anlässlich der Weihe des Kreuzweges und des Altarbildes sehr das fertige Werk“.

Die übrigen Anstricharbeiten wurden von der Ludwigshafener Firma Heller ausgeführt und ein harmonischer Zusammenklang der Farbstimmung im Kirchenraum sichergestellt. Im Chor wurde in einer Technik gestrichen, die später eine Reinigung ermöglichte. Alte Gipsfiguren wurden entsorgt.

Ein neuer geschlossener Beichtstuhl wurde eingebaut und Veränderungen an der Kanzel wurden vorgenommen. Erwähnt werden soll noch die unter Verputz eingesetzte seitliche Lichtanlage samt Zahlengeber für die Liednummern. Kurz vor Ende der Innenarbeiten wurde auch der bereits erwähnte Kreuzweg mit den 14 Stationen angebracht und mit kleinen Schriften versehen.

Aus Maria Laach kam Bruder Notker nun ein weiteres Mal nach Berghausen, nachdem er zuvor mit Christian Göbel, einem seiner Laienschüler, das Chorbild ausgemalt hatte. Diese Arbeiten dauerten zehn Wochen, wobei allein die Skizzierung des Altarbilds in Kohle 14 Tage in Anspruch nahm. Zwischendurch entwarf Göbel die Schrift am Tabernakel und für „vier Plaketten“, bei denen es sich unzweifelhaft um die vier Reliefbilder mit den alttestamentarischen Motiven handelt. Tabernakeltür und Plaketten wie auch die Ewiglicht-Ampel wurden in den Werkstätten von Christian August Simon in Mönchengladbach gearbeitet.

Am Hochaltar wurden, um den Altar etwas in die Breite zu bringen, zwei Stein-Pilaster in Höhe der Mensa seitlich eingefügt. Die Tabernakeltüre bekam die Aufschrift: „Bone Pastor, panis vere, Jesu, nostri miserere …“ (Guter Hirt, du wahre Speise, Jesus, gnädig dich erweise) aus dem Lauda Sion. Die Arbeiten waren im Wesentlichen Ende September 1938 vollendet, während sich die Lieferung der vier Relieftafeln bis in das Jahr 1939 hinzog. Im selben Jahr wurde auch der Turm neu gedeckt und 1940 aufwendige Arbeiten am Dach ausgeführt. Um den Kirchengarten, der früher von der politischen Gemeinde unterhalten wurde, musste sich nun die Pfarrei kümmern, was zur Freude des Pfarrers freiwillig von engagierten Frauen übernommen wurde.

Die Motive: Arche Noah, der brennende Dornbusch, der Manna-Regen und die Bundeslade.
Die Motive: Arche Noah, der brennende Dornbusch, der Manna-Regen und die Bundeslade.
Nach dem Umbau Ende der 1930er: Altarraum.
Nach dem Umbau Ende der 1930er: Altarraum.
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