Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Als Landwirtin nicht unterkriegen lassen

Ist mit der Landwirtschaft aufgewachsen: Elke Nieser in ihrem Dorfmarkt.
Ist mit der Landwirtschaft aufgewachsen: Elke Nieser in ihrem Dorfmarkt.

Elke Nieser ist in die Landwirtschaft reingewachsen und hat den familieneigenen Betrieb mit viel Fleiß und Enthusiasmus weiter ausgebaut.

Eigentlich wollte sie Floristin werden, erzählt Elke Nieser (61). Aber wegen „verschiedener Begebenheiten“ und da sie von Kindesbeinen an in die Landwirtschaft hineingewachsen ist, hat sie den Betrieb ihrer Eltern irgendwann weitergeführt. Sie mag die Landwirtschaft wegen vieler Aspekte. Dazu gehört, dass „alles so schön ruhig ist im Feld, wenn die Sonne aufgeht“. Das frühe Aufstehen sei nicht jedermanns Sache, „aber ich habe das genossen“, erzählt sie. Außerdem halte man nach Aussaat und Ernte ein Produkt in den Händen und bewundere, wie schön es geworden ist. „Es wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Produkte schön und gesund sind“, sagt Nieser. Diejenigen, die nicht ganz so gut geraten sind, wurden früher als zweite Wahl verkauft oder der Tafel gespendet.

Aber das Arbeiten im Freien ist auch nicht immer angenehm. Deshalb hat Elke Nieser Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden. Denn man muss teilweise schwer heben, man hat schmutzige und nasse Hände, der Sommer ist heiß und der Winter frisch – „das ist nicht jedermanns Sache“. Momentan aber ist Nieser sehr zufrieden, denn der Zusammenhalt der meist weiblichen Mitarbeiter ist sehr gut und man hilft sich gern gegenseitig, wenn Not an der Frau oder am Mann ist. „Wir haben dieses Jahr sogar zwei Anfragen für Jobs gehabt – das ist etwas Neues“, freut sie sich. Die beiden Damen seien mittlerweile eingestellt worden. Betriebsessen oder -feste fördern den Zusammenhalt zusätzlich.

Früher Tabak und Kartoffeln

Früher hat der damals noch kleine Betrieb bis 1985 vor allem Kartoffeln und Tabak angebaut. Aber gerade der Tabak hat sich schließlich nicht mehr rentiert. Für Nieser kam hinzu, dass sie die Arbeit langweilig fand. Der geerntete Tabak musste eingenäht und wochenlang zum Trocknen aufgehängt werden. Danach wurde das Garn wieder entfernt und jedes einzelne Blatt sortiert. „Der Tabak ist klebrig“, erklärt sie, und so musste man darauf achten, angemessene Kleidung und eine Kopfbedeckung zu tragen, weil die manchmal über zwei Meter langen klebrigen Blätter über dem Kopf hingen. War der Tabak trocken, sei er staubig geworden und man habe nach der Pflanze gerochen.

Da Spargel und Erdbeeren besser liefen, baute der Betrieb schließlich vor allem diese Pflanzen an. Mittlerweile hat Nieser neben den eigenen Erzeugnissen einen Stamm an Bauern, die ihr die Produkte liefern. Auch ihr 89-jähriger Vater hilft noch mit: Er versorgt die Hühner und erledigt kleinere Aufgaben. „Die Eier verkaufen sich sehr gut“, freut sich die Betriebschefin.

Ansonsten bietet Nieser auf ihrem Dorfmarkt eine saisonal vielfältige Auswahl unter anderem an Obst, Kräutern, Gemüse, Käse, Fleisch, Blumen und Deko an. Der Dorfmarkt findet viermal die Woche statt. In der Hochsaison, also drei Monate im Jahr, arbeitet Nieser sieben Tage die Woche ab drei oder vier Uhr bis zu 14 Stunden am Tag. Das ist anstrengend, weshalb sie sich gesund mit frisch Gekochtem und viel Obst und Gemüse ernährt. Ihrem Hobby, den Blumen, widmet sie sich in der wenigen freien Zeit. „Dann kann ich runterfahren“, sagt sie.

Markt als Dorfmittelpunkt

Kraft geben ihr neben ihren Mitarbeitern auch die Kunden. Sie kommen teilweise auch aus Mannheim und sind „zu 99 Prozent nett“. Ihr Dorfmarkt ist gerade für die Älteren Dorfmittelpunkt und eine gern gesehene Abwechslung zum Alltag. Man trifft sich, plaudert, wird Sorgen los. Außerdem ist er durch die Lage mitten im Dorf gut erreichbar. Auch Kitas kommen: Die Kinder lernen einkaufen und was man alles mit den Produkten machen kann.

Aber es gab für Nieser auch schwierige Zeiten, nachdem sie im Jahr 2000 den Betrieb von ihren Eltern übernommen hat. Wenn zum Beispiel die Produkte nicht das erhoffte Geld eingebracht haben und man deshalb unter anderem den Betrieb nicht erneuern konnte. „Außerdem war ein Jahr dabei, da hatte man uns absichtlich den Spargel und die Erdbeeren kaputt gespritzt“, erinnert sie sich. „Wir haben Anzeige erstattet, eine Belohnung ausgesetzt und die Kreisverwaltung eingeschaltet. Aber es wurde nie jemand gefunden. Ich war schon ein bisschen resigniert, aber mein Vater meinte, wir lassen uns nicht unterkriegen. Das war auch gut so.“

Die Serie

Was ist eine starke Frau? Woher zieht sie ihre Kraft? Diesen und anderen Fragen wird diese Serie nachgehen und starke Frauen im Speyerer Umland aus der Gegenwart und der Vergangenheit vorstellen.

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