Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Alexis Bugs Live-Hörspiel: Erwachsen werden auf roten Coladosen-Hocker

Die Vorderpfalz hört man deutlich aus dem Dialekt, mit dem Alexis Bug und Susanne Back die Figuren sprechen lassen .
Die Vorderpfalz hört man deutlich aus dem Dialekt, mit dem Alexis Bug und Susanne Back die Figuren sprechen lassen .

Wer die 80er-Jahre selbst als junger Mensch erlebt hat, wird so manches Mal geschmunzelt haben. „Porno – Ein heißer Sommer in der Pfalz“ hat der aus Schifferstadt stammende Autor, Regisseur und Schauspieler Alexis Bug als bebildertes Live-Hörspiel zum Abschluss des Freiluft-Kinos im Schifferstadter Sportstadion aufgeführt. Es ist ein gelungenes Zeit- und Sitten-Porträt.

Wenn der Protagonist der Geschichte in einen Röhrenbrunnen starrt, dessen Leitungen „wie Mikadostäbe übereinander liegen“, dann haben die Schifferstadter Zuhörer ein bestimmtes Bild vor Augen. Das ist kein Zufall. Alexis Bug ist in Schifferstadt aufgewachsen und hat den Brunnen Ecke Bahnhofstraße/Mannheimer Straße oft gesehen. Aber ansonsten könnten der 15-jährige Alexander und seine Jungs-Clique überall in der Vorderpfalz unterwegs gewesen sein. Die Vorderpfalz hört man deutlich auch aus dem Dialekt, mit dem Bug die männlichen Figuren sprechen lässt und Susanne Back die weiblichen.

Jetzt zur Geschichte: Es ist ein heißer Sommer, die großen Ferien beginnen und Alexanders Eltern fahren ohne ihn in Urlaub. Mittagessen kann er bei den Großeltern, für alles andere lassen sie ihm einen Batzen Geld da. Alexander hat gerade den Kunstwettbewerb der Kreissparkasse gewonnen, und dass der bekannte Pfälzer Künstler, der in der Jury saß, ihm großes Talent attestiert hat, ist ihm ein bisschen zu Kopf gestiegen. Den Tipp, sein künstlerisches Idol symbolisch zu töten, indem er ein besseres Kunstwerk schafft, will er in seiner sturmfreien Bude umsetzen. Da kommen die Jungs seiner Clique dazwischen, die bringen eine Videokassette mit einem Pornofilm mit. Das setzte bei der Aufführung Sounddesigner Karl Atteln akustisch in Szene, sodass heftiges Gestöhne die saubere Schifferstadter Abendluft erfüllte.

Atteln hat mit Musik und Geräuschen eine Tonspur geschaffen, die sehr gut die Atmosphäre der Geschichte vermittelte. Insbesondere der rasselnde Panzer, mit dem der liebeskranke amerikanische Soldat durch die Geschichte rollt, bekam durch die Akustik die nötige Präsenz. Optische Eindrücke gibt es auf der Kinoleinwand durch schwarz-weiße Animationen von Claudius Strack.

Mit den Bildern der 80er-Jahre

Auf der Suche nach einem Akt-Modell für seine Kunst, kommt Alexander in Schifferstadt nicht weit. Mit seinen Freunden radelt er nach Mannheim, wo gerade Charles Keefer mit einem amerikanischen Panzer durch die Innenstadt gefahren ist, getrieben angeblich von Liebeskummer. Das ist tatsächlich passiert und war für Bug Inspiration.

Das Sittenbild der Zeit lässt sich vor allem aus den Nebenfiguren zusammensetzen: da ist der Nachbar, ein Weltkriegsveteran, der nur Gewalt und Gehorsam kennt. Alexanders bigotte Oma besteht auf den Kirchgang. Als einer der Jungs betrunken nach Hause kommt, bekommt er Schläge. Jeder weiß, dass „drüben“ in der DDR alle Arbeit haben, aber keiner was schafft. Viele Details lassen in den Köpfen der Zuhörer die 80er-Jahre bildlich auferstehen: Die roten Coladosen-Hocker, die braun-pelzigen Monchichi-Püppchen, die Benson&Hedges-Zigaretten aus der goldenen Schachtel, ein Opel Manta.

Wer nach Bugs Trump-Groteske „Kallstadter Saukerl“ ein parodistisches komisches Werk erwartet hatte, kam vielleicht nicht ganz auf seine Kosten. Bug erzählt eine ernst gemeinte Geschichte vom Erwachsenwerden in den 80er-Jahren. Alexander muss entscheiden, ob er den Weg des Künstlers einschlägt, und er lernt seine erste Liebe kennen. Er wird lernen müssen, seine Gefühle auszudrücken, neue und andere Beziehungen zu entwickeln. Der Mann im Panzer konnte das offensichtlich nicht. Am Ende der Geschichte rennen Alexander und seine neue Freundin durch ein Roggenfeld – eine Anspielung auf J. D. Salingers „Fänger im Roggen“. Dessen Hauptfigur ist im selben Alter und fühlt sich von der Scheinheiligkeit der Erwachsenen abgestoßen. Das finden wir in Ansätzen auch bei Alexander. Spannend wäre, wie aus Bugs Geschichte ein Film werden könnte. Die Besucher der Hörspiel-Uraufführung waren beeindruckt.

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