Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Aktion Schulwegkönig: „Hoffen auf nachhaltiges Umdenken“

Beim Start der Aktion „Schulwegkönig“ am vergangenen Dienstag: (von links) Schulleiterin Constanze Mönig, Gudrun Ziegler (Vorsta
Beim Start der Aktion »Schulwegkönig« am vergangenen Dienstag: (von links) Schulleiterin Constanze Mönig, Gudrun Ziegler (Vorstandsmitglied des Ortsvereins), Bürgermeister Jürgen Hook, SEB-Vositzender Norbert Baumung und die SEB-Mitglieder Patricia Hoffmann, Simone Radler und Nicole Juhrke.

Interview: An der Grundschule in Dudenhofen ist die Aktion „Schulwegkönig“ gestartet. Das Ziel: Weniger Elterntaxis vor der Schule und mehr Sicherheit für die Kinder. Timo Leszinski hat mit Norbert Baumung und Patricia Hoffmann vom Schulelternbeirat darüber gesprochen, warum es morgens vor der Schule so gefährlich ist und wie die Situation entschärft werden kann.

Warum braucht es in Dudenhofen eine Aktion zur Verbesserung der Schulwegsicherheit?
Baumung: Es betrifft nicht nur Dudenhofen. Das Thema Schulwegsicherheit beschäftigt viele Orte, denn Eltern haben natürlich ein hohes Interesse, dass ihre Kinder sicher zur Schule kommen. Allerdings sind die Beiträge der Eltern, um das zu erreichen, nicht immer optimal. In unserer Gemeinde etwa nutzen Elterntaxis den Kindergartenparkplatz, der nur für den Kindergarten gedacht ist. Das hat dazu geführt, dass eine Elternvertreterin diese Aktion ins Leben gerufen hat. Wir führen sie weiter, weil Eltern auf uns zugekommen sind und eine Neuauflage wünschten. Ziel ist es, die angespannte Verkehrssituation vor der Schule zu entschärfen. Besonders zu Stoßzeiten kommt es wegen der begrenzten Parkplätze und des Geh- und Radwegs, der vorbeiführt, zu Konflikten zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autos.

Haben Sie selbst schon gefährliche Situationen beobachtet?
Baumung: Ja, ich bin Polizeibeamter in Speyer und wir machen fast täglich Schulwegüberwachung. Die Gleichwertigkeit der Verkehrsarten ist halt in den Köpfen nicht gegeben. Viele denken zuerst an den Kraftfahrzeugverkehr. Wenn aus dem Ortsbereich die Elterntaxis kommen, die nach links auf den Parkplatz vom Kindergarten einfahren wollen, dann haben sie oft Autos hinter sich. Wenn eigentlich bevorrechtigte Radfahrer oder Kinder auf dem Radweg sind, dann wird halt manchmal trotzdem eingefahren. Oder die Autos kommen auf dem ohnehin schon zu engen Radweg zum Stehen. Je weniger Autos das potenziell machen, weil sie zum Beispiel auf dem Festplatz parken, umso entspannter wird es da oder umso seltener passiert dann etwas.

Es ist ein bisschen wie ein Teufelskreis, oder? Eltern sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder und schaffen so selbst Gefahren, indem sie sie mit dem Auto bringen.
Hoffmann: Wir wollen jetzt auch nicht auf die Eltern schimpfen. Es ist einfach nur ein Ansporn. Gerade jetzt, wenn dann die kalte Jahreszeit kommt, ist man ja auch selber mal geneigt zu sagen: „Ach Gott, Kind, ich fahr dich bis vorne hin.“ Da ist eigentlich der Ansatz, dass wir versuchen wollen, über die Kinder auch die Eltern zu erziehen, wenn die Kleinen dann sagen: „Mama oder Papa, lass mich bitte am Festplatz raus und nicht direkt vor der Schule. Ich kann diese paar Meter noch laufen.“ Sie können sich vielleicht am Festplatz für die letzten Meter mit Freunden treffen.

Baumung: Bei dem Thema sicherer Schulweg schwingen ja auch ganz viele Dinge mit. Es gab ja den Vorfall in Edenkoben, wo ein Kind entführt wurde. Da waren anschließend Ängste da und man wollte das Kind unbedingt bis zur Tür bringen. Das kann man auch zu Fuß machen oder mit dem Rad. Mit dem Auto führt es halt zu Gefahrensituationen.

Wie funktioniert die Aktion „Schulwegkönig“ konkret?
Hoffmann: Wir verkleiden uns morgens als „König“ und verteilen an Kinder, die zu Fuß – auch vom Festplatz aus –, mit dem Fahrrad oder dem Roller zur Schule kommen, Plättchen. Dafür bräuchten wir noch Unterstützung von Eltern, die morgens die Plättchen ausgeben. Diese werden in Dosen gesammelt, und am Ende gibt es eine Auswertung pro Klasse. Die Klasse, die am häufigsten zu Fuß oder per Rad zur Schule gekommen ist, gewinnt. Die Aktion läuft bis Weihnachten.

Baumung: Ortsbürgermeister Hook unterstützt uns bei der Aktion Schulwegkönig bereits. Die Schulklassen, die am häufigsten zu Fuß zur Schule kommen, erhalten einen Kinonachmittag im Bürgerhaus. Der Ortsverein engagiert sich ebenfalls und stellt den Schulkindern Reflektoren zur Verfügung.

Die Aktion findet dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Haben Sie den Eindruck, damit letztes Jahr etwas bewirkt zu haben?
Hoffmann: Natürlich wäre es wünschenswert, dass die Kinder auch weiterhin vom Festplatz laufen. Im Aktionszeitraum hat es schon etwas gebracht. Es ist auch ein Stück weit natürlich, dass man danach wieder auf seine Gewohnheiten zurückfällt. Wir sind aber positiv gestimmt und hoffen auf ein nachhaltiges Umdenken.

Die Gemeinde hat vor einigen Monaten ein Schulwegkonzept präsentiert, das von einem Fachbüro erstellt wurde. Die Meinungen, ob das etwas bringt, gehen auseinander. Wie sehen Sie das?
Baumung: Wir als Schulelternbeirat waren in den Planungsprozess involviert. Viele der besprochenen Punkte waren bereits seit der Verkehrsschau 2018 bekannt. Wichtig ist, dass es jetzt eine offizielle Orientierung gibt, die Eltern Hinweise gibt, welche Schulwege sicher sind und wo man besonders aufpassen sollte. Wir finden es gut, dass die Politik das Problem anpackt.

Gibt es bauliche Veränderungen rund um die Schule, die hilfreich wären?
Baumung: Die Frage kann ich nicht beantworten, ohne politisch zu werden. Wir versuchen im Schulelternbeirat, politische Strömungen außen vor zu lassen, auch wenn wir für verschiedene Gruppierungen engagiert sind. Es gab ja bereits Ideen für eine Bedarfsampel oder einen Fußgängerüberweg. Schauen wir mal, wie es sich entwickelt. Prinzipiell will ja jeder, dass es sichere Schulwege gibt.

Zur Person

Norbert Baumung, 45 Jahre, ist Vorsitzender des Schulelternbeirats der Clemens-Beck-Grundschule. Er hat eine Tochter, die die zweite Klasse besucht. Patricia Hoffmann, 37 Jahre, ist SEB-Mitglied. Sie hat eine Tochter in der ersten und einen Sohn in der dritten Klasse.

Kontakt

Der Schulelternbeirat sucht noch Helfer, die sich als König verkleiden und die Plättchen jeden morgen zwischen 7.30 und 7.45 Uhr an die Schüler und Schülerinnen verteilen. Interessierte können eine E-Mail an seb.cbg.dudehofen@gmx.de schicken.

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