BEINDERSHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel ADD: Nur vier zusätzliche Klassenzimmer für Grundschule

Das Erdgeschoss des Erweiterungsbaus an der Grundschule steht schon.
Das Erdgeschoss des Erweiterungsbaus an der Grundschule steht schon.

Seit Mitte September rollen an der Grundschule in Beindersheim die Bagger, um dort vier neue Klassenzimmer zu schaffen. Das dachte der VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD) zumindest bis vergangene Woche. Dann sorgte ein Anruf der zuständigen Landesbehörde für viel Trubel – und jede Menge Ärger zum Schluss.

Es hätte ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk für Beindersheimer Eltern, Schüler und die gesamte Verwaltung der Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim werden können, als vergangene Woche das Telefon von Michael Reith (SPD) klingelte. „Ich war ganz überrascht, als ich von der ADD um einen Telefontermin gebeten wurde“, erzählt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die zuständige Mitarbeiterin von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier habe noch einmal über die Erweiterung der Grundschule in Beindersheim sprechen wollen – und „positiv signalisiert“, dass kurzfristig nun vielleicht doch sechs statt der geplanten vier neuen Klassenzimmer gebaut werden könnten.

So war das Projekt ursprünglich auch geplant, als die Mitglieder des VG-Rats im Mai 2015 die Erweiterung auf den Weg brachten. „Wir hatten damals schon ein Platzproblem“, erinnert sich Reith. Fast 200 Schüler besuchten im Schuljahr 2015/16 die Einrichtung in Beindersheim. Mindestens ein Klassenzimmer fehlte schon, ebenso Räume für die Nachmittagsbetreuung. Laut Schulentwicklungsplan des Rhein-Pfalz-Kreises, in dem steht, wann wie viele Kinder geboren werden und in welchem Schuljahr sie einen Platz in den Grundschulen brauchen werden, sollte sich das in den Folgejahren in Beindersheim auch nicht ändern. „Der Bedarf war damals schon da“, sagt Reith.

Zunächst wurden im VG-Rat zwei Alternativen für eine Erweiterung der Albrecht-Dürer-Grundschule diskutiert: die Vergrößerung des ehemaligen Filmsaals oder ein neuer Anbau. Zum Schluss entschieden sich die Ratsmitglieder für die zweite Option und vereinbarten für Dezember 2015 einen Termin mit der ADD zur Begehung der Grundschule. „Dabei hat man uns dann dargelegt, was zuschussfähig ist und was nicht“, erklärt Reith. Das Architekturbüro Boxheimer und Ohmer aus Großkarlbach entwarf daraufhin im August 2016 einen Plan für sechs neue Klassenzimmer, die sich im Erweiterungsbau auf Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss verteilen sollten. Kostenpunkt: rund eine Million Euro.

Diese Pläne wurden bei der ADD eingereicht, die dann kritisierte, dass die der Planung zugrundeliegenden Schülerzahlen hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückblieben. Heißt: Laut ADD werden in den kommenden Jahren weniger Kinder die Grundschule besuchen, als die VG eingeplant hat. Grund für diesen Unterschied ist laut Reith, dass ADD und Kreisverwaltung unterschiedliche Schülerzahlen haben. „Aber die der ADD sind bindend für deren Förderung.“ Die zwei laut ADD „über den Bedarf hinaus geplanten“ Zimmer vorzufinanzieren, war für die VG laut Reith keine Option. „Sonst hätte man uns den für die vier Räume in Aussicht gestellten Zuschuss auch nicht gewährt“, erklärt Reith. Entweder müsse die VG so planen, wie es die ADD vorgebe, oder auf jegliche Zuschüsse des Landes verzichten. Also wurden die Pläne im Januar 2018 noch einmal überarbeitet. Statt sechs Klassenzimmern wurden vier veranschlagt, statt des Obergeschosses wurde eine Dachkonstruktion hinzugefügt, um später eine Aufstockung zu ermöglichen.

Seit Mitte September rollen die Bagger in Beindersheim, um das Vier-Klassenzimmer-Projekt umzusetzen. Das Erdgeschoss des Erweiterungsbaus steht bereits. Wieso bringt die ADD die Anzahl der Klassenzimmer also jetzt noch einmal ins Spiel? Grund dafür ist ein Schreiben des Schulelternbeirats von Mitte November an die Behörde. Darin kritisieren die engagierten Eltern die aktuelle Planung und dass „unsere Kinder in beengten Räumen lernen und so in ihrer Entfaltung eingeschränkt werden“. In vier konkreten Punkten fordern sie Nachbesserungen, auch „wenn wir verstehen, dass der Bauprozess schon sehr fortgeschritten ist“ und man diesen auch nicht verzögern oder gar stoppen wolle. Eine dieser Forderungen ist auch, den Erweiterungsbau komplett fertigzustellen und nicht mit der Dachkonstruktionslösung, die eine spätere Erweiterung möglich machen soll. „Ein nachträglicher Ausbau ist kostenaufwendig und stört den Schulbetrieb unnötig“, heißt es dazu in dem Brief, der zum Anruf vergangene Woche beim VG-Bürgermeister geführt hat.

Der hat mit Blick auf den Zeitplan der Baustelle nun Druck bei der ADD gemacht und um schnelle Entscheidung in der Frage: vier oder sechs Klassenzimmer? gebeten. Eine mögliche Planänderung zieht nämlich einige Schritte nach sich: Zunächst müsste die Verwaltung die zusätzlichen Kosten ermitteln und für das nächste Jahr in den Haushaltsplan aufnehmen, der schon nächste Woche im VG-Rat beschlossen werden soll. Auch eine sogenannte Tekturgenehmigung müsste bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde der Kreisverwaltung beantragt werden.

Doch daraus wird nun nichts. Am Dienstagmorgen hat Reith die schriftliche Rückmeldung von der ADD bekommen. Darin heißt es, man habe die „aktuelle Datenlage“ noch einmal überprüft. Und: „Eine komplette Aufstockung um zwei weitere Räume wird derzeit unsererseits nicht unterstützt.“ „Das ist mehr als ärgerlich, und ich bin wirklich angesäuert“, teilt Reith daraufhin mit. „Es wäre wirklich schön gewesen, wenn das jetzt doch noch geklappt hätte.“

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