Rhein-Pfalz-Kreis
Abfallbilanz im „Corona-Style“
Die Restmülltonne war oft voll im vergangenen Jahr, wenn die Leerung anstand. Zumindest voller als sonst. „Die Restabfallmengen haben deutlich zugenommen“, heißt es in der Zusammenfassung der Abfallmengenbilanz, die der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft (Eba) jedes Jahr erstellt und gerade wieder vorgelegt hat. Im Durchschnitt hat ein Kreisbürger 5,6 Kilo mehr Abfall in der Restmülltonne entsorgt – „damit liegen wir 2020 bei einem Wert von 109,2 Kilogramm pro Einwohner“, sagt Volker Knörr, zu dessen Geschäftsbereichen der Eba gehört.
Der Wert für die Restabfälle liegt insgesamt allerdings bei 136 Kilo pro Kreisbürger. Zu den 109,2 Kilogramm aus der Restmülltonne werden die Restsperrabfälle gerechnet. Plus – und das ist interessant – die Störstoffe im Papiermüll. Also das, was da beim Sortieren herausgefischt wird, weil nicht jeder ordentlich trennt. Sortiert wird bei der Firma Becker in Schifferstadt.
Mal so richtig „Corona-Style“ findet Volker Knörr, was im vergangenen Jahr in Sachen Sperrmüll abgegangen ist. „Die Leute waren lange zu Hause und haben angefangen, zu entrümpeln. Das Ergebnis: fast 25 Prozent mehr Sperrmüll als im Vorjahr“, erläutert der Beigeordnete, der die Bilanz jüngst auch dem Werkausschuss des Kreises präsentiert hat.
Grünabfälle nach Wetterlage
Abfall abholen lassen, das ist superpraktisch. Deshalb haben Knörr zufolge die Leute zwischenzeitlich auch mehr Gebrauch von der Grünschnittabfuhr gemacht. „Anstatt sich in die Schlangen am Wertstoffhof zu stellen.“ Sie erinnern sich? Da war nach der Corona-Pause im März/April ordentlich etwas los, gerade in den ersten Tagen, an denen die Wertstoffhöfe wieder geöffnet waren. Und trotzdem: 13,6 Prozent weniger Grünschnitt haben die Menschen im Kreis 2020 zu den 16 Wertstoffhöfen gebracht. „Eben vermutlich, weil sie im Frühjahr geschlossen waren“, sagt Knörr. Und weil das Abholenlassen einfach bequem ist.
Aufs Jahr hochgerechnet macht sich der Grünschnitt in der Abfallbilanz jedoch nicht so sehr bemerkbar wie der Sperrmüll – ist also in diesem Sinne nicht „Corona-Style“. Denn die Gesamtmenge hat 2020 sogar ein wenig abgenommen, rund 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt sind rund 13.000 Tonnen Grünabfälle angefallen. Die Experten beim Eba schreiben: „Das jährliche Biomasseaufkommen hängt von der Wetterqualität während der Vegetationsperiode ab und schwankt von Jahr zu Jahr. Trockene Witterung hat eine geringere Biomasseproduktion zur Folge.“ Möglicherweise bleibt der Grünabfall klimawandelbedingt deshalb auch weiterhin auf dem absteigenden Ast. Mal sehen, was die Bilanz für 2021 sagt.
Abholen ist praktisch? Leider denken nicht alle Kreisbürger so. Gerade Sperrmüll und Gartenabfälle werden nicht immer auf legalem Weg entsorgt. „Es gibt Menschen, die machen sich die Mühe, den Kühlschrank ins Auto zu hieven und in den Wald zu karren. Obwohl er umsonst vor der Haustür abgeholt wird“, sagt Knörr. Im Corona-Jahr 2020 wurde laut Statistik jedenfalls noch ein bisschen mehr Müll als sonst illegal abgelagert. 314 Tonnen. So viel wie in den letzten zehn Jahren nicht. 310 Tonnen waren es 2019, rund 290 Tonnen 2018.
Warum illegal entsorgen?
„Vielleicht haben die Leute so viel entrümpelt, dass sie über die Menge gekommen sind, die frei Haus abgeholt wird?“ Knörr sucht einen Erklärungsansatz. Verstehen kann er das illegale Handeln trotzdem nicht. Denn wer über seine sechs Kubikmeter Sperrmüll kommt, die quasi über die Abfallgebühren abgegolten sind, kann sich weiterhin seinen alten Kram zu Hause abholen lassen. Pro angefangenen drei Kubikmeter wird dann eine Gebühr von 35 Euro berechnet. Wer beim illegalen Abladen erwischt wird, zahlt mehr und hat möglicherweise noch ein Ordnungswidrigkeits- oder sogar Strafverfahren an der Backe. Knörr weiß nicht, wie sich illegales Müllabladen vermeiden ließe. Die Anreize, es nicht zu tun, seien schließlich enorm.
Kartoffelschalen, Kaffeereste, Käserinde – auch der Abfall, der über die Biomülltonnen entsorgt wird, wurde 2020 mehr. Er ist um 9,4 Prozent auf 40,5 Kilogramm pro Einwohner angestiegen. Rausgerechnet ist das ganze Plastik. „Von dem immer noch viel zu viel in der Biotonne landet“, sagt Knörr. Für das Mehr an Biotonnen-Müll gibt es Erklärungsansätze. Im Corona-Jahr wurde etwa mehr zu Hause gekocht. Also auch hier: Müll im Corona-Style. „Außerdem werden es jedes Jahr mehr Biotonnen-Nutzer im Kreis“, sagt Knörr. Es werden also mehr Biotonnen befüllt. Inzwischen haben ihm zufolge 70 Prozent der Kreisbürger den Behälter vor der Tür stehen. Die übrigen Bürger kompostieren, müssen das aber nachweisen. Acht Leerungen der Tonne sind in der Grundgebühr enthalten. „Das Konzept funktioniert“, sagt Knörr.
Trotz des Biomüll-Zuwachses liegt der Kreis noch unter der Zielvorgabe des Landes für „organisches Abfallaufkommen“, wie es so schön heißt, dass bis 2025 erreicht werden soll. Das liegt bei 170 Kilogramm pro Einwohner. Allerdings Biomüll und Grünabfälle zusammengerechnet. „Eine Zielvorgabe, die ich nicht ganz nachvollziehen kann“, sagt Knörr. „Wenn nicht mehr Bioabfall anfällt, fällt eben nicht mehr an.“
Schon ganz schön viel Müll angefallen, nicht wahr? Und über die gelbe Tonne, den Papierabfall oder Bauschutt ist hier noch gar nicht gesprochen worden. Knapp zusammengefasst: Es ist 2020 weniger Altpapier im Kreis gesammelt worden. Allerdings hat sich das Mischungsverhältnis von Papier, Pappe und Kartonage verändert. Und das ist jetzt wieder „Corona-Style“, wie Knörr sagen würde: Es landeten viel mehr Kartons in der Tonne mit dem blauen Deckel. Warum? Ganz klar: wegen der vielen Online-Bestellungen. Besser als Kartons wäre allerdings Zeitungspapier. Das ist hochwertiger und damit besser für die Verarbeitung.
Es wurden im vergangenen Jahr vermutlich auch weniger gelbe Säcke eingesammelt. Jedenfalls sind der Bilanz zufolge geringere Mengen an „DSD-Leichtstoffen“ angefallen, sprich: Materialien, die in den gelben Sack dürfen oder sollen. „400 Tonnen weniger innerhalb von vier Jahren. Das ist nicht schlecht“, sagt Knörr. Er vermutet, dass die Menschen achtsamer werden, Plastik vermeiden. Auch Industrie und Lebensmitteleinzelhandel stellten sich um.
Ganz „Corona-Style“ ist der viele Bauschutt, der 2020 auf den Wertstoffhöfen landete. Insgesamt wurden 5357,9 Tonnen mineralische Bauabfälle aus privaten Haushalten erfasst. „Damit sind die Erfassungsmengen um erhebliche 13,6 Prozent angestiegen“, sagen die Eba-Experten. Es wurde eben viel zu Hause gewerkelt. Und jetzt? Das Haus ist entrümpelt, auf Vordermann gebracht, der Garten ist getrimmt und eine Oase. Was machen die Menschen bloß, wenn die Delta-Mutante das Land überrollt? Die nächsten Abfallbilanzen werden es uns verraten.