Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel 83-Jähriger leistet Beitrag zum Naturschutz

Hat eigentlich wenig Zeit, in seinem Garten zu sitzen: Horst Kuhn.
Hat eigentlich wenig Zeit, in seinem Garten zu sitzen: Horst Kuhn.

In Deutschland gibt es rund 17 Millionen Haus- und Kleingärten. Einer davon ist der Garten des Otterstadters Horst Kuhn. Er hat ihn vor 34 Jahren naturnah umgestaltet und bietet damit einen Lebensraum für Insekten, Vögel, Igel und andere Wildtiere. Die Pflanzen, die dort blühen, kommen von überall her und begeistern nicht nur den 83-Jährigen.

„Eigentlich wollte ich Gärtner werden, aber mein Vater hat gesagt: ,Nix, du gehst zur BASF’“, erzählt Horst Kuhn. Der gelernte Chemielaborant lebt seine Leidenschaft deswegen als Hobby aus. Bis zum Jahr 1987 schmückte seinen Garten im Schlittweg eine große Rasenfläche. Dann fiel ihm ein Faltblatt des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums in die Hände. „Es hat ein Umdenken in meinem Garten bewirkt“, erinnert sich der 83-Jährige. In dem Faltblatt wird erläutert, wie Ackerrandstreifen angelegt werden, um Wildkräuter zu schützen und einen Beitrag zum Naturschutz zu leisten.

Kuhn, der seit mehr als 30 Jahren auch Landespflegebeauftragter ist, hat die Ideen auf seinen Garten übertragen. Er sammelt überall Samen. Anfangs säte er roten Klatschmohn aus sowie Samen des blauen Ackerrittersporns, den er in einem Feld nahe des Schützenvereins fand. Inzwischen sind zahlreiche weitere Wild- und Gartenblumen hinzugekommen und verwandeln die rund 500 Quadratmeter große Fläche in ein Blütenmeer. Nach Angaben des BUND und des Umweltinstituts München umfassen die etwa 17 Millionen deutschen Gärten zirka 930.000 Hektar, was 2,6 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands entspricht.

Blumen und Nutzpflanzen nebeneinander

Die Samen, die in Kuhns Garten aufgegangen sind, hat er auch von Bekannten bekommen oder von Landes- und Bundesgartenschauen sowie aus dem Urlaub im Lechtal mitgenommen. An die 100 unterschiedliche Blumen – von Ackerwinde über Glockenblume und Margeriten bis hin zu Vergissmeinnicht und Zaunwicke – wachsen in Kuhns Garten. „Jeder Samen wird reingeschmissen, vielleicht kommt er noch“, ist sein Motto.

Außerdem stehen auf den rund 500 Quadratmetern Bäume und Büsche, wie eine Mispel aus Teneriffa, sowie Nutzpflanzen. Von Johannisbeeren, Bohnen, Tomaten – die litauische Sorte, die er von der Betreuerin eines Freundes bekam, mag der Otterstadter besonders – über einen Apfel- und einen Zwetschgenbaum bis hin zu Dornfelder-Reben – Kuhns ganzer Stolz – und Kiwis. „Eine männlich und eine weibliche Pflanze, damit auch Früchte kommen. Heutzutage gibt es aber Zuchten, damit nicht zwei Pflanzen notwendig sind“, sagt Kuhn.

Täglich zwei Stunden Arbeit

Der 83-Jährige ist täglich zwei bis drei Stunden in seinem Garten beschäftigt – im Sommer besonders mit dem Gießen. Dafür verwendet er kein Trink-, sondern Regenwasser vom Dach seiner Garage oder Grundwasser aus einem Brunnen. Was verblüht ist, reißt Kuhn aus den Beeten, sammelt die Samen ein und wirft den Rest auf den Kompost. Allerdings kommt so viel Grünabfall zusammen, dass der Otterstadter Stammkunde beim örtlichen Bauhof ist.

Kuhn bereitet sein Garten viel Freude – vor allem, wenn die Bienen im Klatschmohn herumschwirren. Sie haben dazu beigetragen, dass er nicht nur rot, sondern auch weiß und rot-weiß blüht und der sonst blaue Ackerrittersporn noch weiße Blüten trägt. „Den Friedhofsbesuchern, die vorbeikommen, gefällt die Blütenpracht“, freut sich der 83-Jährige. Katzen sieht er dagegen nicht gerne in seinem Garten: „Die machen alles voll“, ärgert sich Kuhn. Andere Gäste sind dagegen willkommen: „Wenn ich sehe, wie viele Bienen und Vögel hier herumfliegen, dann weiß ich, dass mein Garten für sie die richtige Welt ist“, freut sich der Otterstadter.

Aufruf

Leisten Sie mit Ihrem Zuhause, zum Beispiel Ihrem Garten oder innovativen Technologien, auch einen Beitrag zum Klima-, Umwelt- oder Naturschutz? Dann melden Sie sich per E-Mail an redspe@rheinpfalz.de. Wir wollen Sie und Ihren Beitrag dann gerne in einem Artikel vorstellen.

Blumenwiese: Der Mohn blüht dort in verschiedenen Farben.
Blumenwiese: Der Mohn blüht dort in verschiedenen Farben.
Hingucker am Straßenrand: Dort bleiben Spaziergänger stehen.
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