Rödersheim-Gronau
50 Jahre Jugendfeuerwehr: Früh auf den Ernstfall vorbereiten
Paul und Issu sprinten los, balancieren über eine Bank, werfen ein Paket, dann geht es weiter zum Schlauchrollen, und noch einige weitere Aufgaben warten auf die Jungs. Es ist Montagabend und das wöchentliche Treffen der Jugendfeuerwehr Gronau steht ganz im Zeichen des Wettbewerbs Jugendfeuerwehren. Die beiden Jungs sind elf Jahre alt, so wie derzeit die meisten bei der Nachwuchstruppe. „Das macht total Spaß“, sagen beide, als sie nach dem Parcours etwas außer Puste sind.
„In dem Alter ist das noch ein Spiel, so ab 13 Jahren verstehen die Kinder dann den Hintergrund“, erklärt Andreas Minke, seit 2015 der Jugendfeuerwehrwart der Freiwilligen Ortsfeuerwehr Gronau. Derzeit sind 15 Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren dabei – also vom Mindestalter bis zum Übergang zur aktiven Wehr. Als Vorbereitung auf den Dienst hat sich die Jugendfeuerwehr seit Jahrzehnten bewährt: „Wir haben derzeit 31 Wehrleute, und bis auf zwei Quereinsteiger waren alle in der Jugendfeuerwehr“, berichtet der stellvertretende Wehrleiter Heiko Theis, der von 1991 bis 2015 Jugendfeuerwehrwart in Gronau war.
Mastwurf und Ankerstich
Gegründet wurde die Nachwuchsabteilung 1973 von dem damaligen Wehrführer Ferdinand Krebs und Rüdiger Frech, der auch erster Jugendwart wurde. Wie die Feuerwehrchronik berichtet, wurde dann 1980 der Sohn des Wehrführers, Johannes Krebs, der nächste Jugendführer bis 1988. Dann übernahm Wehrführer Rainer Kesselring die kommissarische Leitung, bis 1991 Heiko Theis Jugendwart wurde. Laut Theis sei in Gronau die viert-älteste Jugendfeuerwehr des Kreises.
Andreas Minke ist gerade bei den Jugendlichen, um ihnen zu zeigen, wie Knoten in Seile geschlagen werden, Mastwurf und Ankerstich gehören zum Übungsprogramm. Derweil sind weitere Trupps an der Kübelspritze, wo ordentlich geschafft werden muss, um sie mit Wasser zu befüllen und damit zu spritzen – wie später im Wettbewerb. Der hat lange Tradition. „Früher war uns das Wichtigste, dass wir besser als die anderen in der Verbandsgemeinde abschneiden“, sagt Theis schmunzelnd. Heute sehe man das lockerer. Alle Teilnehmer erhalten eine Medaille, für die Sieger gibt es auch Pokale. „Im Lauf der Jahre haben wir schon alles mitgenommen“, sagt Theis.
Koordinationsgeschick lässt nach
Gerade heute sei die Jugendfeuerwehr ein super Angebot: Die Jugendlichen lernten tolle Technik und Fahrzeuge aus nächster Nähe kennen. Außerdem seien viele Jugendliche heute motorisch weniger geschickt als Gleichaltrige vor 30 oder mehr Jahren, so sei es gut, wenn sie spielerisch Bewegung und Koordination trainierten. Auch die Teamfähigkeit werde gestärkt, erklärt Jugendwart Minke: „Man lernt zusammenzuarbeiten und gegenseitiges Vertrauen. Das ist Voraussetzung, um später zusammen in einen Einsatz gehen zu können.“ Gemeinsame Zeltlager gehören ebenso zum Angebot wie der Besuch bei der Berufsfeuerwehr – für Issu und Paul einer der Höhepunkte ihrer einjährigen Mitgliedschaft bislang.
Zum Jahresanfang sammeln die Jugendlichen Christbäume ein. Regelmäßig zeigt die Jugendfeuerwehr in Schauvorführungen ihr Können. Etwas ganz Besonderes war eine Menschenrettung mittels Leiterhebel beim Kreisfeuerwehrtag 2003. Der Kreisfeuerwehrinspekteur lobte damals, dass auch die aktiven Wehrleute das nicht besser machen könnten, berichtet die Chronik. Sogar bei einem Weltrekord waren die Gronauer dabei: Die Landesjugendfeuerwehr organisierte 2007 eine 16,4 Kilometer lange Wasserwand über der Mosel, bei der die Gronauer mitmachten.
Das Angebot der Jugendfeuerwehr ist, wie überall, kostenfrei: Helm, Jacke, Hose und Sicherheitsschuhe werden gestellt, versichert sind die Jugendlichen über die Gemeinde. Und die Eltern können auch die Jugendabende besuchen, um zu sehen, was ihre Sprösslinge da machen. Das Fest der Jugendfeuerwehr am Sonntag beginnt mit dem Wettkampf um 10 Uhr. Laut Minke nehmen 24 Gruppen von 15 Feuerwehren des Kreises teil. Ab 10.30 Uhr gibt es ein Weißwurstfrühstück mit Frühschoppen, ab 12 Uhr Mittagessen. Ab 13.30 Uhr beginnt das Kinderprogramm für die kleinen Besucher. Für Musik sorgt ein DJ.
Termin
Die Jubiläumsfeier findet am Sonntag, 16. Juli, ab 10 Uhr auf dem Alsheimer Platz in der Gartenstraße statt.