Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel 50 Jahre Bobenheim-Roxheim: Die zwei Dörfer waren schon vorher mehrmals vereint

Das Grabmal von Ferdinand Rudolph auf dem einstigen Kirchhof in Roxheim. Er war Anfang der 1760er-Jahre als Schultheiß in Amt un
Das Grabmal von Ferdinand Rudolph auf dem einstigen Kirchhof in Roxheim. Er war Anfang der 1760er-Jahre als Schultheiß in Amt und Würden.

Bobenheim und Roxheim feiern in diesem Jahr „Goldene Hochzeit“. Doch der Zusammenschluss vor 50 Jahren war nicht die einzige Verwaltungsreform für die beiden Dörfer. Genau genommen blickt die Gemeinde auf vier Jubiläen der freien Selbstverwaltung zurück.

Urzellen des heutigen Orts sind die Ende des 5. Jahrhunderts teils als Königsgut entstandenen Höfe Roxheim, Bobenheim und Littersheim. Deren germanische „Verfassung“ endet vor 1100 Jahren, als Heinrich der Burgenbauer im Mai 919 König des von ungarischen Reiterhorden bedrängten ostfränkischen Reichs wird. Zur Verteidigung gegen diese Beutezüge erhalten die Landbewohner Selbstverwaltungsbefugnisse.

Der Wormser Gaugraf setzt zur Überwachung der Zehntpflicht in jedem Dorf einen Steuereintreiber ein, der die „Schuld heischt“. Daher der Begriff und Name Schultheiß. Ist dieser Mann ein Analphabet, wird ihm ein schreibkundiger Adjunkt „beigeordnet“ – der Vorläufer der heutigen Beigeordneten.

Im Jahr 1000 bedrücken Raubritter die Bauern- und Fischerdörfer. Da wird Burchard I., ein großer Reformer, Bischof von Worms. Bald übernimmt er anstelle des Gaugrafen auch die politische Macht und sorgt für Rechtssicherheit. Roxheim und Bobenheim, die einen gemeinsamen Gerichtsbezirk bilden, gibt er Schultheiße, die in seinem Namen Verwaltungshoheit und niedere Gerichtsbarkeit ausüben. Als Beratungsgremium ernennt er Schöffen.

Aus dem Ostfrankenreich wird Deutschland. Die Verwaltungsstruktur der drei Dörfer ändert sich durchs Mittelalter hindurch kaum. Es wechseln nur die Lehensträger und weltlichen oder geistlichen Herrschaften, mit denen die Diözese Worms sich die Oberhoheit meist teilen muss – und Littersheim schrumpft zum Nonnenhof. Ab etwa Mitte des 18. Jahrhunderts lässt der Bischof die Schöffen jährlich einen Bürgermeister wählen. Der fungiert für Schultheiß und Adjunkt als Amtsbote, Gerichtsvollzieher und Mädchen für alles – ein undankbarer „Ehren“-Job.

Alle linksrheinischen Gebiete werden zwischen 1797 und 1814 von Frankreich annektiert, und die zwei Dörfer werden zur „Mairie“ (Bürgermeisterei) Bobenheim vereinigt. Die Neuzeit beginnt, doch die zunächst gefeierten Freiheitsrechte der Einwohner beinhalten Selbstverwaltung nur dem Namen nach. Als 1816 die Zugehörigkeit zum später „Pfalz“ genannten Bayerischen Rheinkreis beginnt, werden Roxheim und Bobenheim wieder getrennt. Es bleibt bei den Errungenschaften der „Franzosenzeit“: Es gibt keine Schultheißen und Dorfschöffen mehr, stattdessen setzt die Regierung als Gemeindeoberhaupt einen Bürgermeister und als Vertreter einen Adjunkt ein, während die Gemeindebevollmächtigten (später Gemeinderat) gewählt statt eingesetzt werden.

Am 1. Juli 1869 erlässt Bayern eine Gemeindeordnung für die Pfalz. Diese Verwaltungsreform hat herausragende Bedeutung, da seither – außer zur NS-Zeit – die Bürgermeister Roxheims und Bobenheims frei gewählt werden, zunächst vom Gemeinderat und ab 1997 von den Bürgern direkt.

Noch liberaler ist vor 100 Jahren das bayerische Gesetz über die gemeindliche Selbstverwaltung. Diese Verwaltungsreform bringt am 22. Mai 1919 das Frauenwahlrecht mit sich, schränkt die Staatsaufsicht über die Kommunen ein und macht in Roxheim wie Bobenheim den Rat unter Vorsitz des Bürgermeisters zum alleinigen Vertretungs- und Verwaltungsorgan.

Als der Nationalsozialismus 1933 die freie Selbstverwaltung beseitigt, werden deren widersetzliche Verteidiger besonders in Roxheim brutal beiseitegeschoben. Doch eine „braune“ Zusammenlegung scheitert 1935.

Offiziere der US-Armee leiten bei ihrem Einmarsch im März 1945 in beiden Gemeinden erste Schritte zum Wiederaufbau eines demokratischen Gemeinwesens ein. Die Dörfer werden Teil des 1946 gegründeten Landes Rheinland-Pfalz, und eine Epoche gedeihlicher Ortsentwicklung und aufstrebender Wirtschaft beginnt auch hier.

Als die Landesregierung im Rahmen einer umfassenden Modernisierung des Kommunalwesens aus Bobenheim und Roxheim am 7. Juni 1969 eine Großgemeinde bildet, gelingt ihr dies nur nach Überwindung massivsten Widerstands beider Dörfer – aber das ist eine andere Geschichte.

Das Wappen auf dem Boden des Ratssaals ist das von Roxheim vor der Fusion mit Bobenheim. Foto: Bolte
Das Wappen auf dem Boden des Ratssaals ist das von Roxheim vor der Fusion mit Bobenheim.
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