Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel 50 Jahre Bobenheim-Roxheim: Blick zurück auf Protest und Widerstand

Das Bürgerfest 2018: Wer hier aus Bobenheim und wer aus Roxheim kommt, spielt keine Rolle mehr.  Foto: BOLTE
Das Bürgerfest 2018: Wer hier aus Bobenheim und wer aus Roxheim kommt, spielt keine Rolle mehr.

Am Pfingstwochenende wird in Bobenheim-Roxheim das Bürgerfest gefeiert – diesmal im Zeichen des Ortsjubiläums. Die meisten Gäste werden vermutlich zu jung sein, um sich an die Zusammenlegung von Bobenheim und Roxheim vor 50 Jahren zu erinnern. Und daran, wie deren Bewohner erbittert gegen die als aufgezwungen empfundene Fusion kämpften. Wir haben die Ereignisse von damals zusammengefasst.

Als rheinland-pfälzischer CDU-Vorsitzender und designierter Ministerpräsident modernisiert Helmut Kohl sein Bundesland damals unter anderem durch eine Verwaltungsreform. Den Dörfern Roxheim und Bobenheim wird eine Frist bis 1972 gesetzt, um miteinander eine Gemeinde zu bilden. Andernfalls drohe die Zusammenlegung per Gesetz.

Ungeachtet vieler Gemeinsamkeiten in ihrer langen Geschichte empfinden beide Dörfer den Plan als Endzeitnachricht. Niemand hat die Bevölkerung dazu befragt. Ist denn die freie Selbstverwaltung nicht in Grundgesetz und Landesverfassung verankert?

Ein Pfarrer versucht, Helmut Kohl umzustimmen

Vom Kindes- bis zum Greisenalter stimmen Männer wie Frauen über Berufsgruppen, Konfessionen und politische Überzeugungen hinweg in breitester Mehrheit überein: Diese Zwangsheirat darf niemals erfolgen! Der Roxheimer Gemeinderat verabschiedet am 16. Juli 1968 eine ablehnende Resolution, und in Bobenheim legt ein Ratsmitglied aus Protest sogar sein Mandat nieder. Am 3. Oktober 1968 findet in Mainz eine Anhörung statt. Die Vertreter beider Dörfer lassen keinen Zweifel daran: Weder freiwillig noch unter Zwang werde man zusammengehen.

Da die zwei Bürgermeister im Gegensatz zur „schwarzen“ Landesregierung „rot“ sind, entschließt sich die Roxheimer CDU-Fraktion zum geheimen Vorstoß: Eine Abordnung, verstärkt durch den kürzlich verstorbenen katholischen Pfarrer Karl Schäffer, fährt nach Mainz zu Helmut Kohl, um ihn als Parteikollegen im direkten Gespräch doch noch herumzukriegen. Der einstige Fraktionsvorsitzende Hans Graber (88) schmunzelt heute über diesen Versuch. „Kohl war bestens vorbereitet“, erinnert er sich. „In lockerer Runde bei Pfälzer Wein entlarvte er unsere Beweggründe allesamt als Scheinargumente. Er hatte ja Recht: Wenn nicht einmal Nachbardörfer wie wir vereinigt würden, brauchte man gar nicht erst anzufangen …“

Gegner der Fusion ziehen vors Verfassungsgericht

In St. Maria Magdalena predigt Pfarrer Schäffer bald darauf über die Zukunft von „Roxbob“, wie er das geplante Gebilde nennt. Er möchte den Gläubigen die Angst davor nehmen. Am 9. Dezember 1968 beschließt der Landtag, die zwei Gemeinden zusammenzulegen. Diese erheben gegen den „dirigistischen Eingriff in ihre Freiheitsrechte“ jeweils (vergeblich) Verfassungsklage.

Als im Frühjahr 1969 ein Name für die Großgemeinde gesucht wird, grollt der Roxheimer Wählergruppen-Chef Meinrad Graber (gestorben 1971) in öffentlicher Sitzung: „Wir haben das uneheliche Kind nicht gezeugt und müssen es daher auch nicht taufen!“ Also entscheidet das Land, und das führt zu neuem Streit: Weshalb wird das deutlich kleinere Bobenheim zuerst genannt? Die Roxheimer trösten sich schließlich halbwegs damit, dass dafür ihr altes Wappen Alleingültigkeit für beide Ortsteile erhält.

Es dauert, bis die neue Gemeinde akzeptiert wird

Am 7. Juni 1969 wird aus den beiden bislang selbstständigen Dörfern die verbandsfreie Gemeinde Bobenheim-Roxheim. Ein Wirgefühl aber entwickelt sich erst allmählich. Noch lange Jahre achten die Parteien beim Aufstellen ihrer Wahllisten peinlich genau auf den Ortsteil-Proporz.

1984 wird Bernhard Vogel auf einem Empfang in Bobenheim-Roxheim von dem Volkskünstler und Heimatkundler Raimund Graber gefragt: „Herr Ministerpräsident, was verbindet Napoleon I. mit Helmut Kohl?“ Vergebliches Raten. Graber: „Beide haben Bobenheim und Roxheim zusammengelegt!“ Allgemeines Lachen. Die Einwohner akzeptieren endlich ihre Großgemeinde. Und protestieren kaum noch, als 2015 die beiden Dorfkerwen zusammengelegt werden.

Ab Freitag wird das Bürgerfest gefeiert

Neben Kerwe und Gondelfest hat in Bobenheim-Roxheim auch das Bürgerfest eine Tradition. Am Pfingstwochenende wird es wieder auf der Rathauswiese gefeiert. Sieben Vereine verkaufen Speisen und Getränke, und das Ortskartell hat mit der Gemeinde ein Unterhaltungsprogramm organisiert, zu dem auch Angebote von Schaustellern gehören. Los geht’s am Freitag, 7. Juni, um 19.30 Uhr mit DJ Dominik Freer. Am Samstag ab 20 Uhr präsentiert die Band Roberto zieht blanko eine Schlagerrockparade. Am Sonntag spielen ab 11 Uhr die Eisbachmusikanten, von 15 bis 17 Uhr gibt’s ein Kinderprogramm und ab 19 Uhr rockt die Band Fine R.I.P die Open-air-Bühne. Für Pfingstmontag lädt der deutsch-französische Freundschaftskreis ab 11 Uhr zur Matinee mit Champagnerfrühstück.

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