Rhein-Pfalz Kreis 2015er kommt ein Jahr ins Fass

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Die Lese in seinem Wingert ist schon voll im Gange, doch der Landrat lässt auf sich warten. Mit dem Weinpaten Clemens Schnell sitzt er noch in einer Vorstandssitzung der Sparkasse Vorderpfalz. Schon fleißig bei der Arbeit sind Tatjana Fornoff und Bernd Römer. Die wiedergewählte Vorsitzende des Beirats für Migration und Integration ist begeistert: „Das macht richtig Spaß und ist eine willkommene Abwechslung zum Büro“, meint sie und taucht wieder ab in die Reben. Bernd Römer ist ein alter Hase im Weinbau. Der frühere Chef der Polizeidirektion Ludwigshafen ist an der Mosel aufgewachsen und gewohnt, Trauben mit der Hand zu lesen. „Wenn man dort den Eimer nicht richtig hinstellt, ist er schnell den Steilhang runtergerollt“, erinnert er sich. Ihm und den anderen ist warm geworden. Als um zehn Uhr mit der Lese begonnen wurde, hatten alle 14 Helfer noch ihre Jacken an. Jetzt ist die Sonne hinter den Wolken vorgekommen und macht die Lese noch vergnüglicher. Eigentlich war sie für den Vortag angesetzt, aber da hatte es geregnet. Mit einer Weinpatenschaft ehrt Landrat Körner Menschen, die sich um den Rhein-Pfalz-Kreis verdient gemacht haben oder wegen ihres Bekanntheitsgrads als Kreis-Botschafter anzusehen sind. Im Moment, erklärt der Kulturbeauftragte des Kreises, Paul Platz, trügen rund 70 Personen diese lebenslange Auszeichnung. Sie haben bei der Ernennung eine Magnumflasche des aktuellen Landratsweins bekommen und werden übers Jahr mit Neuigkeiten aus dem Wingert versorgt sowie zur Lese des neuen Jahrgangs eingeladen. Nachdem der Landratswingert nicht mehr in Rödersheim betrieben werden kann (wir berichteten), sorgen Sonja und Andreas Merkel dafür, dass die Tradition weiterleben kann. Die Zusage ist beiden, die an der Grenze zu Rheinhessen und damit in einem Randgebiet ein Weingut betreiben, nicht schwergefallen: „Herr Körner will den Bio-Anbau unterstützen, außerdem setzt er den Schwerpunkt auf Regionalität.“ Die Familie ist an diesem Tag um sechs Uhr aufgestanden und hat mit dem Vollernter bereits fünf Tonnen Spätburgunder geerntet. Trotz des trockenen Sommers ist das Lesegut hervorragend. Als Weinbauern, die nach ökologischen Richtlinien arbeiten, setzen Merkels weder Pestizide und Herbizide noch künstliche Spritzmittel ein. Dafür wachsen zwischen den Zeilen Spitzwegerich, Huflattich und Pimpernell, die dem Boden als natürlicher Dünger dienen. Kirschessigfliege, Vögel und Mäuse haben in diesem Jahr zum Glück keinen nennenswerten Schaden angerichtet. Die Trauben enthalten zwar weniger Flüssigkeit, sind aber gesund und zuckersüß. „Der Tag der Lese ist ein Tag der Dankbarkeit und Demut vor der Natur“, meint Sonja Merkel nachdenklich lächelnd. Die Handleser haben in 90 Minuten schon zweieinhalb der großen Sammelbehälter gefüllt, die Andreas Merkel mit dem Traktor zwischen die Reihen gestellt hat. Da endlich kommt – schon in Arbeitskleidung – Clemens Körner. „Mensch, ich wäre ja lieber bei euch gewesen“, ruft er und stürzt sich mit Feuereifer und Handschuh auf die Trauben, für die er das Ehepaar Merkel lobt. Keine halbe Stunde später sind alle drei Reihen abgeerntet und die Helfer verschwitzt, aber glücklich. Im Kleinniedesheimer Weingut werden die Beeren, leicht angedrückt, zwei Wochen auf der Maische liegen und nach dem Keltern für mindestens zwölf Monate in einem Eichenfass lagern. Vor Oktober 2016 werde dieser Wein nicht abgefüllt, meint Sonja Merkel. Er werde wohl sehr kräftig und brauche Zeit zum Atmen. Violette Flecken an den Mundwinkeln einiger Helfer verraten es: In den vergangenen zwei Stunden sind etliche der leckeren Beeren nicht im Eimer, sondern im Magen gelandet. Trotzdem haben alle noch Platz im Bauch für die Vesper und den Wein bei der Schutzhütte mitten im Merkel’schen Wingert. Clemens Körner fasst das Wetter, die Stimmung, die Gastfreundschaft und die Aussicht auf einen hervorragenden 2015er-Landratswein mit einem Satz zusammen: „So muss es soi!“ (khö)

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