RÖMERBERG
20 Jahre Lokale Agenda: Aus Liebe zur Natur
„Der ganze Agenda-Prozess wurde durch einen Antrag der Grünen-Fraktion vom 7. Januar 2000 eingeleitet“, erinnert sich die damalige Fraktionsvorsitzende Rita Pösl. „Der Antrag wurde einstimmig angenommen.“ Knapp fünf Monate später stand das Thema bei einer Gemeinderatssitzung in der Mechtersheimer Schulturnhalle wieder auf der Tagesordnung. Dirk Kron, ein Experte für die Idee kommunaler Umweltinitiativen aus Freiburg, war eingeladen. Viele Römerberger kamen, weil sie sich dafür interessierten, wie sie ihren Ort ein Stück nachhaltiger machen konnten.
Der einstimmige Beschluss am Ende der Sitzung lautete: Der Ort leitet den Prozess „Lokale Agenda 21 – Römerberg“ ein. Basierend auf den Ergebnissen der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung vom Juni 1992 in Rio de Janeiro sollte ein Aktionsplan für die drängendsten Fragen des 21. Jahrhunderts für die Gemeinde erarbeitet werden. Es wurden fünf Arbeitskreise gebildet: Energie/Klimaschutz, Ortsenwtwicklung/Bauen/Verkehr, Natur- und Grünbereich, Wirtschaft/Arbeit/Ausbildung und Soziales/Gesellschaft/Kultur. „Ich animierte meinen Mann Emil, im Arbeitskreis Natur und Grünbereich mitzuarbeiten“, berichtet Rita Pösl.
Der Gatte tat wie geheißen und wurde prompt zum Sprecher des Arbeitskreises gewählt. Kurz darauf entstand der Plan, einen Wanderweg auszuweisen, der Lehrreiches über die Natur vermittelt und gleichzeitig allen Generationen, besonders aber Kindern und Jugendlichen, Spaß bereitet. „Die Idee zu diesem ganzheitlichen Projekt hatten mein Mann und ich“, erzählt Rita Pösl. „Und sie wurde von allen Arbeitskreis-Mitgliedern interessiert angenommen.“ Mitte September 2001 sagte der Rat einstimmig ja zum „Natur-Lehr-Spiel-Pfad“.
Der Natur-Lehr-Spiel-Pfad ist rund fünf Kilometer lang und führt von Berghausen bis Mechtersheim zwischen den Siedlungen und dem Rhein entlang. Mit Hilfe der entlang des Weges aufgestellten Schautafeln sollen die Menschen für den Naturschutz und umweltgerechtes Freizeitverhalten sensibilisiert werden. Der Arbeitskreis hatte das Ziel, zu einer Renaturierung der Landschaft durch das Anlegen von Wiesen und anderen Pflanzungen beizutragen und die Unterschutzstellung von Biotopen zu erreichen.
Pfad wird stetig erweitert
Im Laufe der Jahre wurde der Pfad durch viele Bild- und Texttafeln erweitert. Es wurden eine große Trockenmauer sowie eine kleine am Naturspielplatz in Berghausen angelegt – letztere wird laut Pösl häufig vom Berghausener Kindergarten besucht. Der Arbeitskreis baute überdachte Sitzgelegenheiten und säte viele Naturblumenwiesen ein, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. Die Gruppe legte zudem ein Kräuterbeet mit einer Kräutertafel an und bohrte sogar einen Brunnen. „Alle Fotoarbeiten erledigte ich“, berichtet Pösl. „Die einzelnen Bildtafeln und der Standort sind auf der großen Tafel nachzuvollziehen.“ Flyer mit den gleichen Erklärungen wie auf der Tafel seien unter anderem in den Schulen und Kindergärten verteilt worden. Da das Budget der Gemeinde begrenzt war, hat Rita Pösl zur Finanzierung der vielen Aktionen Banken und Firmen angeschrieben und um Spenden gebeten – „mit Erfolg“, wie die Industriekauffrau sagt.
„Wichtig für uns war, kompetente Partner zu finden, zum Beispiel Biologen, die das Fachwissen hatten, das uns fehlte“, berichtet Pösl. Im Jahr 2009 erhielt der Arbeitskreis den Umweltschutzpreis der Kreisverwaltung. Heute gibt es ihn immer noch – als einzigen der Lokalen Agenda. „Wichtig für das Überleben des Arbeitskreises war, ein konkretes Projekt zu haben, eben diesen Natur-Lehr-Spiel-Pfad, sowie natürlich die Liebe zur Natur, aber auch die positive Resonanz sowie die Wertschätzung des Pfads.“ Er wurde erst vergangenes Jahr wieder erweitert: durch eine Tafel über Totholz, die an der Grillhütte Heiligenstein steht.
Kräuterwanderungen und mehr
„Der Arbeitskreis ist Teil der Gemeinde“, sagt Rita Pösl. „Wir wollten auf keinen Fall einen Verein gründen, wie es der Kultur-Arbeitskreis seinerzeit tat.“ Der Bildungsauftrag ist den Pösls und ihren Mitstreitern sehr wichtig, weshalb regelmäßig Veranstaltungen wie Kräuterwanderungen angeboten werden. Außerdem gibt es einen stetigen Austausch mit Schulen und Kindergärten, zum Beispiel bei Projektwochen oder beim Anlegen eines naturnahen Spielplatzes.
„Solange wir noch gesund und fit sind, hoffentlich, werden wir für dieses Projekt arbeiten und es erweitern“, kündigt die Römerbergerin, die ebenso wie ihr Mann mittlerweile in Ruhestand ist, an. Unterstützt wird das Ehepaar von „netten Nachbarn, lieben Verwandten, lieben Freunden – alle mit dem Ziel, etwas für die Natur in der Natur zu gestalten“. Noch heute bestehen die Aufgaben des Arbeitskreises vor allem in der Pflege des Pfads: Verblasste Tafeln werden instandgesetzt und neue aufgestellt – geplant sind zum Beispiel welche über Amphibien oder Pilze. Die Ortsgemeinde, vor allem der Bauhof unterstützten das Projekt. „Durch unser langjähriges und erfolgreiches Engagement haben wir uns einen guten Austausch mit der Gemeinde erarbeitet – schließlich geht es bei all dem natürlich um die Schönheit und Bewahrung der Römerberger Natur“, findet Pösl.
Für Spaziergänger: Wege rund um Römerberg
Wer sich in diesen Tagen zu einem Spaziergang in der heimischen Umgebung aufmachen will, kann in Römerberg den Natur-Lehr-Spiel-Pfad der Lokalen Agenda 21 oder die örtlichen Wanderwege des Pfälzerwald-Vereins nutzen.
Der Natur-Lehr-Spiel-Pfad bietet auf mehr als fünf Kilometern Lehrreiches auf sechs Bild-, zwei Text- und drei Schautafeln. Fünf Sitzgruppen, teils überdacht, laden zur Rast ein. Markante Punkte wie die Streuobstwiesen, Insektenhotel, Trockenmauer, Kräutertafel und die vielfältige Lebenswelt bei der „Mechtersheimer Tongrube“ liegen am Wegesrand. Der Naturpfad beginnt unterhalb der „Großen Hohl“ in Berghausen und endet an der Nato-Straße bei Mechtersheim. Der Naturpfad ist gut begehbar, auch mit Kinderwagen oder Gehhilfe. Parkmöglichkeiten sind jeweils am Start- und Zielpunkt vorhanden. Unterwegs laden Sitzgruppen zum Verweilen ein.
Vier Rundwanderungen des Pfälzerwald-Vereins gibt es östlich von Römerberg. Sie sind in vier Teilen zwischen vier und zwölf Kilometern ausgeschildert – mit Tiermotiven auf weißem Grund. Der Marder steht für den Ortsteil Berghausen, der Hase steht für den Ortsteil Heiligenstein und das Eichhörnchen für den Ortsteil Mechtersheim. Der Amselweg steht für den Rundweg zur Insel „Flotzgrün“ und führt durch Altrheinauenlandschaften. Übersichtstafeln mit den Wanderstrecken stehen in Berghausen „Am Weberplatz“, in Heiligenstein in den Rauhweiden beim Gelände des Pfälzerwald-Vereins und in Mechtersheim in der Kirschenallee, wo jeweils auch Parkmöglichkeiten vorhanden sind. Der Einstieg ist überall möglich, die Wege sind weitestgehend gut begehbar.
Wegewart und Wanderwart Lorenz Sternberger und der Vorsitzende des Römerberg PWV-Ortsvereins, Thomas Jester-Zürker, sind stets bemüht, fehlende Wegemarkierungen zu ergänzen, um dem Wanderer den richtigen Weg anzuzeigen.