Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Äpfel aus der Pfalz: Ist es ein gutes Jahr?

Rote Backen sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Apfelernte beginnen kann.
Rote Backen sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Apfelernte beginnen kann.

Es ist Spätsommer und die Äpfel werden reif. Hier und da sieht man es rot und gelb aus grünem Laub leuchten. War es ein gutes Apfeljahr? Wir haben Landwirt Michael Engel aus Böhl-Iggelheim gefragt. Im Gespräch geht es außerdem um Sonnenbrand, fiese Schädlinge, alte Sorten und Äpfel für Allergiker.

Herr Engel, das Wetter in diesem Sommer war wechselhaft. Erst Hitze, dann kühle Regentage. Dann wieder Temperaturen über 30 Grad gefolgt von heftigen Gewittern mit Niederschlägen. Haben das Ihre Äpfel gut überstanden?
Im Grunde genommen ja. Wir hatten im Frühjahr schon ein paar Probleme mit Spätfrost, aber es sind genug Blüten übrig geblieben für eine normale Ernte. In den heißen Phasen des Sommers haben wir nachgeholfen und die Plantagen beregnet. Dann hat es ja wieder ausgiebig geregnet, und die Bäume wurden gut mit Wasser versorgt.

Die meisten Laien kennen die Feldberegnung, die man im Rhein-Pfalz-Kreis im Sommer so schön über die Äcker spritzen sieht. Wie beregnet man Apfelbäume?
Teilweise genauso. Unsere Frostberegnung ist so eingestellt, dass das Wasser über den Kronen der Bäume abregnet, um Blätter und Blüten zu schützen. Diese Beregner nutzen wir auch für die Vegetationsberegnung, also dann, wenn die Bäume Durst haben. Außerdem arbeiten wir mit Tröpfchenberegnung. Das sind Schläuche am Boden, aus denen es tropft. Das ist etwas wassersparender.

Sind Sie dem Beregnungsverband Vorderpfalz angeschlossen?
Ja. Wir bewässern mit Wasser aus dem Otterstadter Altrhein, wie eigentlich alle Kollegen im mittleren Rhein-Pfalz-Kreis.

Landwirt Michael Engel freut sich auf die Selbstpflücker auf seiner Plantage in Böhl-Iggelheim.
Landwirt Michael Engel freut sich auf die Selbstpflücker auf seiner Plantage in Böhl-Iggelheim.

Erklären Sie doch bitte noch einmal das Prinzip mit der Frostberegnung.
Ich fange mal so an: Frost ist schlecht für die Blüten, denn sie können dadurch kaputt gehen. Dann gibt es im Herbst keine Früchte. Deshalb müssen wir Obstbauern etwas gegen den Frost unternehmen. Und dafür besprengen wir die Blüten. Das klingt zunächst einmal komisch, denn bei Frost wird aus Wasser ja Eis. Aber genau das ist gewollt. Denn wenn Wasser gefriert, wird Wärme frei. Physiker nennen das Erstarrungswärme. Und mit dieser Wärme werden die Blüten geschützt.

Stichwort Klimawandel: Ist es schwieriger geworden, Äpfel anzubauen?
Noch ist es nicht schwieriger. Es hat immer schon Frost und Hitze, Trockenheit und heftigen Regen gegeben. Wenn es allerdings künftig in den Sommern noch heißer wird, werden wir, was das Beregnen der Bäume anbelangt, mehr Arbeit haben. Gegen Sonnenbrand helfen jetzt schon die Hagelnetze. Wir ziehen sie zum Schutz vor Hagelkörnern im Frühsommer auf. Sie bleiben bis zur Ernte über den Bäumen hängen und werfen zugleich Schatten, der die Apfelhaut vor Sonnenbrand schützt.

Wie sieht denn so ein Apfelsonnenbrand aus? Schält sich dabei auch die Haut?
(lacht) Nein, das nicht. Aber die Schale und oft auch das Fruchtfleisch darunter werden braun.

Brauchen Apfelbäume jetzt schon mehr Wasser?
Ja. Wir haben gewisse Zeiträume, in denen wir auf die künstliche Beregnung nicht verzichten können.

Gibt es inzwischen mehr Schädlinge?
Auch das. Es wandern mehr Schädlinge zu uns ein. Uns ärgert seit ein paar Jahren zum Beispiel die Marmorierte Baumwanze. Oder die Kirschessigfliege. Beide Insekten kommen aus Asien.

Was kann man gegen sie machen?
Leider nicht viel. Bei der Kirschessigfliege hilft es tatsächlich, trockene Hitze zu haben. Sie mag es lieber wechselhaft und kühl.

Welche Apfelsorten sind robust ?
Bei den alten Sorten ist es der Berlepsch, bei den neueren der Topaz. Von beiden Sorten hat sicher jeder schon einmal gehört. Sie sind nicht sehr krankheitsanfällig. Das macht sie zum Beispiel im Bioanbau beliebt.

Werden neue Sorten im Anbau dazu kommen, wenn die Sommer heißer und trockener werden? Wird in diesem Zusammenhang experimentiert?
Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Neustadt hat neue Entwicklungen im Blick und hält uns Landwirte auf dem Laufenden. Zurzeit gibt es in dieser Hinsicht aber noch keine neuen Empfehlungen für den Anbau.

Welcher Apfel liegt zurzeit im Trend? Was essen die Leute am liebsten?
Puh, das kann man gar nicht so sagen. Ich würde meinen, die Leute gehen eher weg von den ganz süßen Sorten wie Gala und fragen mehr nach Äpfeln mit etwas mehr Säure wie Rubinette und Braeburn.

Welche Sorten kann man bei Ihnen pflücken?
Den Anfang machen Gala und Elstar. Ab Mitte September kommen Rubinette und Jonagold dazu. Dann werden Braeburn, Fuji und Topaz reif – um nur einige zu nennen.

Viele Allergiker würden gerne mal in einen Apfel beißen. Gibt es Äpfel, die für sie besser verträglich sind?
Alte Apfelsorten sind für Allergiker meist besser verträglich. Da kommt wieder der Berlepsch ins Spiel. Aber auch der Wellant gilt als gut bekömmlich. Das ist eine neuere Züchtung mit knackigem und saftigem Fruchtfleisch. Viele Leute kommen zu uns und testen beim Pflücken, was sie gut vertragen und was weniger. Wenn rohe Äpfel gar nicht gehen, gibt es immer noch die Möglichkeit, sie gekocht oder gebacken zu verzehren.

Welche Sorte ist Ihr Favorit und warum?
Ich esse alle Äpfel gerne und habe keinen Favoriten. Das einzige, was ich nicht so gerne mag, ist ein junger Braeburn. Der ist mir etwas zu sauer. Aber der Braeburn ist auch eine Sorte, die sich gut lagern lässt. Nach ein paar Wochen werden die Äpfel milder.

Ich habe Lust auf Apfelkuchen: Welche Sorte nehme ich dafür am besten?
Der Klassiker ist der Boskop. Der wird Mitte/Ende September reif. Wer vorher backen möchte, kann auf den Elstar zurückgreifen. Auch damit backt man köstliche Kuchen.

Termine

Äpfel leiterfrei selber pflücken kann man beim Obsthof Engel in der Obstplantage In der Oppelsgewann an der Umgehungsstraße neben dem Neubaugebiet Böhl-Ost. Die Termine sind an den Samstagen und Sonntagen (immer 10 bis 17 Uhr), 9. und 10. September, 16. und 17. September, 23. und 24. September, 30. September und 1. Oktober sowie 7. und 8. Oktober. Auch am 3. Oktober können Äpfel geerntet werden. Wer dabei Hunger und Durst bekommt, kann sich mit Gequellte und Hausmacher, Leberknödeln, Wurstsalat, Neuem Wein oder Schorle sowie Kaffee und Kuchen stärken. Auf Facebook gibt es weitere Infos und es kann verfolgt werden, wann die verschiedenen Sorten reifen.

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