FUSSBALL
Zum 90. von Heinz Kubsch, der als Spieler des FK Pirmasens 1954 Weltmeister wurde
Natürlich war Heinz Kubsch (1930 bis 1993) ein Pirmasenser, aber er ist es erst geworden. Denn er wuchs tief im Ruhrpott auf, genauer gesagt im Essener Stadtteil Katernberg, wo er seine Ausbildung zum Schreiner machte und bei den Sportfreunden schon früh sein außergewöhnliches Talent als Fußballtorwart zeigte.
Auf Asche empfohlen
Im Januar 1948, da war er gerade mal 17 Jahre alt, stand er schon in der Oberliga West, der damals höchsten Klasse, für die Sportfreunde Katernberg zwischen den Pfosten, wurde mit dem gefürchteten Aschenplatz-Verein gleich Vizemeister hinter Borussia Dortmund. 1952 berief Bundestrainer Sepp Herberger Kubsch in die B-Nationalmannschaft.
Mit Laden gelockt
Als die Sportfreunde 1953 aus der Oberliga abstiegen, nahm er das Angebot an, in die westpfälzische Schuhstadt zu wechseln, dort in der Oberliga Südwest das Tor des FK Pirmasens zu hüten und ein Tabakgeschäft mit Toto-Lotto-Annahmestelle zu übernehmen. Kubsch bot weiterhin überzeugende Leistungen und feierte daher am 25. April 1954 bei der WM-Generalprobe in Basel gegen die Schweiz sein Debüt in der A-Nationalmannschaft.
Herberger berief den FKP-Torhüter in seinen Kader für die Weltmeisterschaft in der Schweiz, die erste für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Nummer eins war Toni Turek, doch fürs zweite Gruppenspiel gegen Ungarn wäre wohl Kubsch ins Tor gerückt, wäre da nicht diese unglückliche Bootsaktion gewesen.
Das deutsche Team hatte sein WM-Quartier in Spiez am Thuner See, wo die Spieler in ihrer Freizeit einige Fahrten mit einem Kahn unternahmen. Als dabei der dritte deutsche Keeper, Kubschs Zimmerkollege Heinrich Kwiatkowski, im Wasser landete, verletzte sich Kubsch bei der Rettungsaktion an der Schulter. Nichts war’s mit dem WM-Einsatz. Nichtsdestotrotz gehörte Kubsch zu den „Helden von Bern“.
Drei A-Länderspiele
Er blieb in Pirmasens, machte zwei weitere A-Länderspiele und hatte großen Anteil daran, dass „die Klub“ 1958, 1959 und 1960 Meister der Oberliga Südwest wurde, sich damit jeweils für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifizierte.
Ein Vorbild
1961 beendete er bereits mit knapp 31 Jahren und nach 222 Oberligaspielen für Pirmasens seine Laufbahn. Horst Brill war in Kubschs letztem Torwartjahr sein Mitspieler beim FKP. „Heinz Kubsch war ein Vorbild für mich. ein hoch anerkannter Spieler, ein Ausnahme-Torhüter, der in den entscheidenden Spielen dafür gesorgt hat, dass wir zu null gespielt haben“, erzählt der heute 79-jährige Brill und fügt hinzu: „Ich hatte als junger Spieler nicht das Herz, „Du“ zu ihm zu sagen und habe deshalb die Anrede immer umgangen.“
Hundefreund und Schütze
Kubsch führte nach der Spielerkarriere weiter mit Ehefrau Gisela sein Tabakgeschäft mit Toto-Lotto-Annahmestelle in Pirmasens an der Ecksteinsau. Bei den FKP-Heimspielen im Stadion an der Zweibrücker habe ihre Mutter „immer am Aufgang zur Tribüne Zigaretten verkauft“, erinnert sich Heinz Kubschs in Pirmasens lebende Tochter Renate Persard. Ihr Vater, den „ein zurückhaltendes Naturell“ ausgezeichnet habe, wurde Sportschütze beim SV Lemberg und erfreute sich mit seiner Frau und den zwei Töchtern am Wochenendgrundstück unweit der Schelermühle bei Vinningen. Kubsch war auch Hundeliebhaber. „Wir hatten immer Boxerhunde“, berichtet Renate Persard.
Kein Grab in Pirmasens
Am 24. Oktober 1993 starb Heinz Kubsch nach langer Krankheit. Es findet sich kein Grab des Weltmeisters in seiner Wahlheimat. Der aus Essen stammende Pirmasenser wurde in der Ostsee bestattet.