Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die CDU ihre Niederlage verarbeitet

Eigentlich wollte die CDU am Sonntag auf ihrer Wahlparty den Sieg von Florian Blic (zweiter von links) feiern. Aber die Vorsitze
Eigentlich wollte die CDU am Sonntag auf ihrer Wahlparty den Sieg von Florian Blic (zweiter von links) feiern. Aber die Vorsitzenden Christof Reichert, Christian Gauf und Denis Clauer (von links) haben wenig Grund zur Freude.

Die Worte der Spitzenfunktionäre sind ebenso klar wie die Niederlage ihrer Partei. Die RHEINPFALZ hat mit den CDU-Kreisvorsitzenden der Region gesprochen. Das Ergebnis der Bundestagswahl bezeichnen sie als „Desaster“ und „Katastrophe“.

Denis Clauer ist erst seit kurzer Zeit als Chef der Pirmasenser CDU im Amt. Im Gegensatz zu anderen Parteileuten spricht er aus, was wohl viele Mitglieder bewegt. „Laschet war nicht der richtige Kanzlerkandidat.“ Die CDU habe sich mit dem Mann aus Nordrhein-Westfalen weder als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl noch als Parteivorsitzender einen Gefallen getan. „Laschet soll zurücktreten“, fordert Clauer. Wenn es nach ihm ginge, müssten weitere Mitglieder des Parteivorstands den Hut nehmen. Er verweist auf das „historisch schlechteste Ergebnis“ der CDU und attestiert seiner Partei ein „Versagen auf Bundesebene“. Mit Blick auf den rheinland-pfälzischen Landesverband nimmt Clauer ebenfalls kein Blatt vor den Bund. „Wir sind katastrophal abgefallen im Vergleich zur letzten Wahl.“ Mittelfristig müsse es Veränderungen bei der Landes-CDU geben. Die trifft sich im November zum Landesparteitag. Dem Wahlkreiskandidaten Florian Bilic (Pirmasens) attestiert Clauer ein „sehr gutes Ergebnis“, das leider nicht gereicht habe. Woran lag es? „Der westliche Bereich des Wahlkreises, also Zweibrücken und die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, hat uns das Genick gebrochen.“

„Desaster“ – dieses Wort sagt Marcus Klein dem Journalisten, kaum dass ihm die Frage zur Bundestagswahl gestellt wurde. Die nächste Frage: „An was lag es?“ Kontert der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der CDU im Kreis Kaiserslautern mit: „Ich kann sagen, an was es nicht lag: an unserem Kandidaten im Wahlkreis.“ Zu dem gehören Teile des Landkreises Kaiserslautern genauso wie die Städte Pirmasens und Zweibrücken sowie der Kreis Südwestpfalz. Der hiesige Wahlkreiskandidat Bilic sei im Wahlkampf sehr engagiert gewesen. „Aber der Wind kam stramm von vorne“, sagt Klein. Er findet es zwar „müßig“, darüber zu spekulieren, ob Laschet er richtige Kanzlerkandidat gewesen sei, lässt sich dann aber immerhin entlocken, dass es mit Söder „wohl einfacher gewesen wäre“. Klein geht davon aus, dass die nächste Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP besteht. „Wir werden uns auf allen Ebenen neu aufstellen müssen“, sagt Klein, bevor er zu einer Sitzung des Landesvorstands nach Mainz aufbricht. Die rheinland-pfälzische Vorsitzende Julia Klöckner sieht Klein als angeschlagen – „aber wir haben momentan ja nur noch Verletzte auf dem Platz“, sagt er und verweist ins Saarland. Dort haben mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmeier zwei Bundesminister ihren Wahlkreis verloren. Genau wie Klöckner in Rheinland-Pfalz.

Christian Gauf ist Kreisvorsitzender der Zweibrücker CDU. „Es gibt nichts schön zu reden. Das war ein Debakel“, erklärt er. Im Einklang mit den restlichen Kreisvorsitzenden im Wahlkreis lobt er Bilic. „Unser Kandidat hat sich sehr gut geschlagen. Er war sehr nah dran.“ Letztlich trennten Bilic und die Wahlkreissiegerin von der SPD, Angelika Glöckner, gerade einmal 441 Stimmen.

Am zurückhaltendsten von allen vier Parteifunktionären, mit denen die RHEINPFALZ einen Tag nach der Bundestagswahl gesprochen hat, gibt sich Christof Reichert. Er steht seit Jahren dem Kreisverband Südwestpfalz vor und sitzt für die CDU im Mainzer Landtag. Er beklagt, dass der Bundestrend der Partei auf den Wahlkreis durchgeschlagen habe. Unter widrigen Umständen habe Bilic ein „gutes Ergebnis“ erreicht. „Es lag nicht am Kandidaten“, ist Reichert mit Blick auf den 27-Jährigen überzeugt. Ob es am Kanzlerkandidaten der CDU lag, will Reichert so nicht sagen. „Ich bin vorsichtig mit einer Einschätzung. Wir müssen mal die nächsten Tage abwarten. Alle Gremien der Partei werden sich mit der Wahl befassen.“ Reichert will auch nicht ausschließen, dass Laschet doch noch Bundeskanzler werden könnte. Er verweist auf Baden-Württemberg, wo einst Grüne und SPD koaliert, obwohl die CDU das mit Abstand beste Ergebnis geholt hatte. „Am Schluss entscheiden die Mehrheiten im Parlament, wer der nächste Bundeskanzler wird“, meint der Hauensteiner mit Blick auf eine rein rechnerisch denkbare Bundesregierung aus CDU, Grüne und FDP.

Was die Zukunft der Landesvorsitzenden seiner Partei, Julia Klöckner, angeht, hält sich Reichert zurück. Er verweist erneut auf die Sitzungen, der Gremien, die man nun mal abwarten müsse. Das Ganze müsse die Partei erst mal sacken lassen. Für den 20. November ist der Landesparteitag geplant. Dann werde man sehen, ob und wie sich die Partei in Rheinland-Pfalz neu aufstellt.

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