Achtung, Ironie!
Wenn ein kecker Sozialdemokrat auf einen dünnhäutigen OB trifft
Ein bisschen erinnerte die Szenerie im Stadtrat an die Werbung für einen Bonbonhersteller aus der Schweiz. In den bekannten Werbespots des Unternehmens geht es immer darum, wer denn jetzt nun bitteschön als erstes die Idee für etwas hatte. Sie ahnen es: das besagte Süßwarenimperium.
Aber der Stadtrat ist keine Werbeveranstaltung und Pirmasenser essen wahrscheinlich eh lieber Wawi-Schokolade als Schweizer Bonbons. Daher soll es hier um die Fakten gehen – garniert mit einem Hauch Ironie.
Es begab sich vor wenigen Tagen, genauer gesagt am 16. April um 21.43 Uhr, dass die Opposition in Form der SPD es tatsächlich wagte, einen Antrag in den Stadtrat einzubringen und die Presse darüber zu informieren. Es ging um nichts weniger als das Wohl der Kinder. Weil im Reich des Oberbürgermeisters Markus Zwick – wie andernorts auch – Kita-Plätze heiß begehrt sind, schlugen die wackeren Sozialdemokraten vor, die Möglichkeit eines Waldkindergartens zu prüfen. Die RHEINPFALZ berichtete darüber in ihrer Ausgabe vom 18. April.
Die schärfste Waffe
Auf den wagemutigen Schachzug der SPD reagierte das Stadtoberhaupt mit seiner schärfsten Waffe: Er schickte die Pressestelle in den Kampf. Die verschickte am 18. April um 12.03 Uhr eine Pressemeldung, derzufolge die Pirmasenser Kita Zauberwald erstmals eine Auszeichnung als „Wald-Könner“ bekommen habe. Dass dieses Auszeichnung schon im Januar verliehen wurde, spielte fast keine Rolle und ging im Eifer des Gefechts beinahe unter. Der wackere SPD-Kämpfer Sebastian Tilly interpretierte diesen Schritt im Stadtrat so, dass der Oberbürgermeister mithilfe der Pressestelle „Meinungsmache“ betreibe. Schließlich sei eine Wald-Kita doch etwas ganz anderes als eine Kita, die einzelne Angebote und Projekte im Wald durchführt.
Eine Wald-Kita sei zudem deutlich günstiger als eine konventionelle Kita-Gruppe zu realisieren, argumentierte Tilly und zog mit jedem kecken Wort, das er angriffslustig vortrug, weiteren Unbill des Oberbürgermeisters auf sich.
Dünnhäutig und angefasst
Der reagierte außergewöhnlich dünnhäutig und angefasst: „Ihre Rede geht völlig daneben. Wir brauchen keine Nachhilfe von Ihnen.“ Immerhin: Das Wort „Majestätsbeleidigung“ verkniff sich das Stadtoberhaupt.
Aber geduldig wie Markus Zwick nun mal ist, erklärte er seinem Kontrahenten, dass die Stadtverwaltung schon längst an „alternativen Konzepten“ für die Kita-Frage arbeite. Wie von Zauberhand geschaffen, warf die Sitzungsleitung plötzlich eine anonymisierte Email an die Wand. Das Drama steuerte auf seinen Höhepunkt zu.
Wut? Besserwisserei?
Mit fast schon vor Wut (oder war es Besserwisserei?) bebender Stimme las Zwick Tilly nicht nur die Leviten, sondern ihm auch die Mail vor. Die stammte vom 22. März (9.14 Uhr) und trug die Signatur des wackeren Bürgermeisters Michael Maas. Der hatte sich mit dem Schreiben an einen anonymisierten Empfänger gewandt und Interesse an einem nicht näher erläuterten alternativen Kita-Konzept gezeigt. Diese Mail war der Trumpf, mit dem das Stadtoberhaupt den Oppositionsführer endgültig argumentativ zu Boden schleudern wollte.
Der konterte jedoch frech und schlagfertig: „Umso erfreulicher, wenn ein solches Konzept bereits in der Pipeline ist. Wir stellen unseren Antrag dann zurück.“
Was bleibt am Ende eines solchen Stadtrat-Spektakulums? Möglicherweise die Frage: Wer hat’s erfunden? Oder doch eher die Frage, ob da ein getroffener Hund ein bisschen zu laut gebellt hat?