Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Weniger Leerstand bei der Pirmasenser Bauhilfe

Die Modernisierung des Bauhilfe-Wohnquartiers geht dem Ende entgegen: links ein sanierter Wohnblock, rechts hinten das letzte zu
Die Modernisierung des Bauhilfe-Wohnquartiers geht dem Ende entgegen: links ein sanierter Wohnblock, rechts hinten das letzte zu sanierende Gebäude.

Eine halbe Million Euro Gewinn, wenig Leerstand und Zukunftsprojekte auf den Weg gebracht: Die Bilanz des Geschäftsjahrs 2024 der Pirmasenser Bauhilfe kann sich sehen lassen.

2009 Wohnungen in 265 Häusern besitzt die Bauhilfe, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Pirmasens, von denen im vergangenen Jahr fast 90 Prozent vermietet waren. Die Leerstandsquote lag bei 10,18 Prozent – mit sinkender Tendenz, wie Geschäftsführer Ralph Stegner im Stadtrat bei der Präsentation des Geschäftsberichts 2024 berichtet: „In diesem Jahr sind wir sogar unter die Zehn-Prozent-Marke gerutscht.“ Eine geringe Leerstandsquote bedeutet in der Konsequenz mehr Mieteinnahmen, was sich auf das Jahresergebnis niederschlägt. Und das kann sich für 2024 sehen lassen: Bei einem Jahresumsatz von 9,7 Millionen Euro hat die Bauhilfe einen Jahresüberschuss von 586.000 Euro erwirtschaftet.

Doch trotz der guten Entwicklung bei Vermietungen und Finanzen war es für die Bauhilfe mit ihren 94 Mitarbeitern ein hartes Stück Arbeit, um erfolgreich aus dem Geschäftsjahr herausgehen zu können. Zwar steht auf der einen Seite die hohe Nachfrage nach Wohnraum, auf der anderen Seite hat die Bauhilfe aber mit zwei Problemen zu kämpfen:

Betriebskosten gestiegen wegen hoher Energiepreise

Da sind einmal die Betriebskosten, die in den vergangenen Jahren gestiegen sind: Fielen 2023 noch 2,27 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche an Betriebskosten an, waren es im vergangenen Jahr schon 2,49 Euro. Der Kostentreiber ist schnell ausgemacht, so Stegner: „Die Energiekosten sind’s.“ Herausgerechnet machen Heizkosten und Warmwasser 0,81 Euro pro Quadratmeter aus, 2023 waren es noch 0,56 Euro – eine Steigerung von 44 Prozent. Was ebenfalls zur Betriebskostensteigerung beiträgt, ist die Grundsteuerreform, die höhere Steuerzahlungen mit sich gebracht hat.

Viel Geld fließt in die Sanierung von Wohnungen und Gebäuden: Knapp 2,9 Millionen Euro hat die Bauhilfe 2024 dafür ausgegeben, im Jahr zuvor waren es noch 2,5 Millionen Euro. Stegner: „Modernisierter Wohnraum lässt sich gut vermieten.“ Aber auch für die Bauhilfe bringt er Vorteile mit sich, denn eine energetische Sanierung sorgt auch für Energiekosteneinsparungen.

Ziegelhütte-Modernisierung kurz vorm Abschluss

Parallel wurden 30 neue Wohnungen mit Landesförderung fertiggestellt, die für schwächere Einkommensgruppen gedacht sind. Denn mit der Förderung von sozialem Wohnbau verbunden ist eine Mietpreisbindung. Und da setzt das zweite Problem für die Bauhilfe an: Indem die Mieten durch eine Förderung vorgegeben sind, werden Neubauprojekte unwirtschaftlich – ein Paradebeispiel ist der Wohnblock in der Horebstraße 80 bis 82. „Wir sind ständig im Gespräch mit der Politik, damit die Förderung auch wirtschaftliche Neubauten zulässt“, sagt der Bauhilfe-Geschäftsführer. Ansonsten müsse auf neue Wohnungsprojekte verzichtet werden.

Doch trotz der schwierigen Finanzierungssituation geht die Bauhilfe Modernisierungsprojekte an: An der Ziegelhütte steht ein Millionenprojekt kurz vor dem Abschluss. 2022 haben die Sanierungsarbeiten an vier Wohnblocks und einem Hochhaus begonnen, inklusive eines Nahwärmenetzes. In diesem Jahr wird der letzte Wohnblock modernisiert und Photovoltaik installiert. Bisher wurden 3,4 Millionen Euro in das Projekt investiert.

Inklusives Wohnen wird zur Erfolgsgeschichte

Eine Erfolgsgeschichte ist für Stegner das Inklusive Wohnen: Gemeinsam mit der Heinrich-Kimmle-Stiftung wurde am Nordring auf der Husterhöhe ein erstes Projekt verwirklicht. „Nachdem es ein Erfolg war, haben wir jetzt ein zweites Projekt am Wasserturm verwirklicht“, berichtet der Geschäftsführer. Neun Wohnungen wurden in dem Wohnblock, der auch die Lern- und Spielstube „Am Wasserturm“ beherbergt, mit der Kimmle-Stiftung saniert und umgebaut, insgesamt 730.000 Euro investiert. Und mit Unterstützung der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) hat die Bauhilfe im vergangenen Jahr 15 Wohnungen saniert, was 800.000 Euro gekostet hat.

„Wohnprojekte machen inzwischen etwa 20 Prozent unseres Umsatzes aus“, berichtet Stegner – und der lag im vergangenen Jahr bei 9,7 Millionen Euro. Zu diesen Projekten gehören auch Angebote für Seniorenwohnen, wie das Rot-Kreuz-Gebäude in der Adam-Müller-Straße und die Senioren-Wohngemeinschaft am Berliner Ring. Nicht zu vergessen ist das Patio-Projekt für generationen-übergreifendes Wohnen in der Winzler Straße, das die Bauhilfe mit der Stadt und der Diakonie verwirklicht hat. Auch für neue Arbeitskräfte des Pirmasenser Krankenhauses stellt die Bauhilfe Wohnraum bereit. Neue Projekte sind schon in der Vorbereitung und Planung: Neben Sozialwohnungen in der Horebstraße beschäftigt sich die Bauhilfe mit dem Gebäude in der Johannesstraße 30 als Erweiterung und Ergänzung des Patio-Quartiers. Auch die Weiterentwicklung und Modernisierung der Wohnquartiere in der Priesterwiese und auf der Hahnenruhe steht auf der Agenda.

Eigenes Sozialmanagement kümmert sich um Mieter

„Leben & Wohnfühlen“ lautet der Slogan der Bauhilfe: Das kommunale Wohnungsunternehmen will damit deutlich machen, dass es mehr bietet als Wohnungsbau und -vermietung. Dafür gibt es ein eigenes Sozialmanagement, das sich um die Mieter und ihre Anliegen kümmert, sogar Veranstaltungen in Wohnanlagen werden organisiert. Für den Geschäftsführer ist das ein großes Zukunftsthema: „Wir haben in Pirmasens etwa 50 Prozent Single-Wohnungen. Eines der großen Themen der Zukunft wird Vereinsamung sein – und was wir dagegen tun.“

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