Pirmasens
Wechsel an der Spitze der regionalen Notfallseelsorge
Seit knapp 30 Jahren steht die Notfallseelsorge Menschen in Stadt und Landkreis in akuten Notsituationen bei. Was aus der Idee der beiden ehemaligen Pirmasenser Pfarrer Andreas Kleppel und Wulf Pippart im September 1996 geboren wurde, hat sich längst als seelsorgerische Institution in der Region etabliert.
Um die 15 Frauen und Männer – darunter Theologen, Rettungskräfte und Ehrenamtliche – kümmern sich unmittelbar, überkonfessionell und professionell um das Wohl der Menschen, die einen schweren, oftmals auch dramatischen und traumatischen Schicksalsschlag verarbeiten müssen.
Der 60 Jahre alte Pfarrer Uwe Beck war fast 30 Jahre Pfarrer in Pirmasens. Seit 2022 ist er als Theologe in Contwig bei Zweibrücken tätig. Über zehn Jahre seines Lebens hat er die Notfallseelsorge in der Stadt Pirmasens und dem Landkreis Südwestpfalz koordiniert. In dieser Zeit hat er viel Leid gesehen und gehört. Wenn er über seine Erfahrungswerte und Einsätze als Notfallseelsorger spricht, ist das nicht jedermanns Sache.
Harte Situationen
Denn dann geht es meist um Extremsituationen im Leben, die eigentlich nicht zum Alltag gehören und von denen die allermeisten Menschen glücklicherweise verschont bleiben. Während seiner Einsätze als Notfallseelsorger war Beck während seiner Bereitschaftsdienste mit einem Piepser ausgestattet, über den ihn die Leitstelle zu einem Einsatz schickte.
„Die Informationen, die ein Notfallseelsorger darüber bekommt, sind oft nur rudimentär. Zum Beispiel steht da eine Adresse und ,Todesnachricht überbringen’“, erzählt Beck. „Es steht nicht da, wer gestorben ist, wie alt und woran. Es steht auch nicht da, wem die Nachricht zu überbringen ist – einer Familie mit kleinen Kindern oder einer alleinstehenden alten Mutter.“
Es sei auch vorgekommen, dass auf dem kleinen Display des Piepsers eine Adresse mit der Information steht, „Mutter hat Sohn gefunden, alles voll Blut, Sohn tot. Die Polizei kommt“. Das erzeugt allein beim Lesen der Nachricht Bilder im Kopf. Doch die Informationen, die der Piepser übermittelt, können auch falsch sein.
Rudimentäre Informationen
Beck nennt ein Beispiel: „Ich werde alarmiert, der Piepser sagt ,privater Rauchmelder’ und mehr nicht. Die Leitstelle sagt ,Feuerwehr vor Ort, eine Person hinter Tür’. Mehr ist nicht bekannt“. Als Beck nach dieser Information zu der Adresse fährt, sind all seine Kollegen nicht erreichbar. Es sind Ferien und er kennt keine weiteren Hintergründe.
„Es stellt sich heraus, dass es wohl geraucht hat. Aber nur weil die Person, die gerade gekocht hat, und eine weitere Person hinter der Tür liegen. Beide mit großflächigen Schnittverletzungen. Eine Person ist tot, die andere wird gerade abtransportiert. Das Weitere ist unklar“, erzählt Beck. „Noch unklarer sind die Zusammenhänge. Da ich allein bin, pendle ich hin und her zwischen den Beteiligten, die selbst nicht wissen, was passiert ist, und auch ganz unterschiedliche Geschichten erzählen. Betroffen sind Angehörige, Nachbarn.“
Die Gespräche seien vor dem Haus und bei den Nachbarn geführt worden. Die Kripo sei gekommen und alles habe Stunden gedauert. In einem Fall wie diesem hätte der Pfarrer gerne noch jemanden hinzugerufen. Aber niemand sei zu erreichen gewesen.
Hoher Gesprächsbedarf
Dieser Dienst am Menschen muss verarbeitet werden – nicht nur von ihm selbst, sondern auch von herbeigerufenen Rettungskräften und Polizisten. Der Gesprächsbedarf sei oft enorm. Der hohe Qualitätsstandard, den die Notfallseelsorge heute bietet, wäre deshalb ohne eine qualifizierte Grundausbildung und konsequente Fortbildung undenkbar, findet Beck. Zur Ausbildung gehört auch, dass Bezugswissenschaften wie Psychologie, Medizin oder Sozialwissenschaften zur Qualifizierung hinzugezogen werden.
Nach vielen Jahren als Koordinator der regionalen Notfallseelsorge zieht sich Beck nun zurück. Dieses Amt gibt er in einem kleinen Gottesdienst am 6. November um 19 Uhr in der Pauluskirche an Gemeindereferentin Egle Rudyte-Kimmle und Pfarrerin Janina Tamm weiter. Zeitgleich werden langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter feierlich verabschiedet und neu Ausgebildete begrüßt.