Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Seit 25 Jahren gibt es Notfallseelsorger in der Südwestpfalz

Notfallseelsorger müssen sich regelmäßig fortbilden.
Notfallseelsorger müssen sich regelmäßig fortbilden.

Seit 25 Jahren steht die Notfallseelsorge in der Stadt und dem Landkreis Menschen in akuten Notsituationen bei. Was aus der Idee zweier ehemaliger Pirmasenser Pfarrer geboren wurde, hat sich als seelsorgerische Institution in der Region etabliert. 16 Frauen und Männer kümmern sich unmittelbar, überkonfessionell und professionell um das Wohl der Menschen, die einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten müssen.

Ende September 1996 entstand in Pirmasens und Umgebung die kirchliche Notfallseelsorge. Die beiden Pfarrer Andreas Kleppel und Wulf Pippart, die damals Station in Pirmasens machten, riefen andere Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenbezirks auf, sich an dem neu gegründeten Team zu beteiligen.

„Acht Jahre zuvor geschah das Flugunglück von Ramstein, das eine bundesweite Diskussion rund um das Thema Notfallseelsorge auslöste. Nicht nur im Dekanat Pirmasens, sondern in ganz Deutschland stellte man damals fest, dass es an Seelsorgern fehlte, die die Menschen bei einer solchen Großkatastrophe hätten begleiten können“, berichtet der heutige Koordinator der Pirmasenser Notfallseelsorge, Pfarrer Uwe Beck. Alleine von Berufs wegen brachten die Theologen, die sich zusammenschlossen, Erfahrungen in Trauerbegleitung mit. Schnell kamen sie allerdings auf die Idee, sich gemeinsam fortzubilden und einen Grundkurs in der Notfallseelsorge so absolvieren.

Hoher Qualitätsstandard

„Der hohe Qualitätsstandard, den wir heute bieten, wäre ohne eine qualifizierte Grundausbildung und konsequente Fortbildung undenkbar“, sagt Beck. So müsse jeder Notfallseelsorger sowohl einen Grundkurs als auch regelmäßige Fortbildungen besuchen – dazu gehöre auch, dass Bezugswissenschaften wie Psychologie, Medizin oder Sozialwissenschaften zur Qualifizierung hinzugezogen werden. Die Notfallseelsorge in Deutschland entwickelte sich Jahre nach dem Unglück in Ramstein auch in Pirmasens stetig weiter. Die Strukturen wurden laut Beck optimiert sowie die Inhalte aktualisiert, denn als Dienst am Menschen müssten sich die jeweiligen Teams den wandelnden Herausforderungen der Zeit stellen und ihr Handeln neuen Anforderungen ständig anpassen.

„Seit unseren Anfängen vor 25 Jahren hat sich viel getan“, erklärt Beck. „Anfänglich nur Pfarrerinnen und Pfarrer, sind wir nun ein ökumenisches Team mit Theologinnen und Theologen, Rettungsdienstlern und Ehrenamtlichen.“ Allen gemein sei eine gewisse Nähe zur Kirche – bei den Seelsorgegesprächen selbst werde allerdings das Thema Religion nur zur Sprache gebracht, wenn es sich anbiete und notwendig sei, wie der Koordinator der Notfallseelsorge betont. Heute ist die Notfallseelsorge in Pirmasens über die örtlichen Notfallzentralen durch den Notarzt/Rettungsdienst oder Einsatzleiter von Polizei und Rettungsdienst jederzeit erreichbar. Dort sind entsprechende Rufbereitschaften fest installiert, die für schnelle und unkomplizierte Hilfe Sorge tragen. Herbeigerufen werden Beck, der seit 16 Jahren mit im Boot ist, und sein Team etwa zu schweren Unfällen oder zum Überbringen von Todesnachrichten an Hinterbliebene, die nach dem Schicksalsschlag nicht alleine bleiben sollen.

Durchaus kommt es auch vor, dass Rettungskräfte oder Polizisten nach einem dramatischen Einsatz Gesprächsbedarf haben. Im Sommer hat Beck aber auch Betroffene der Flutkatastrophe im Ahrtal besucht. „Dann bringen wir jede Menge Zeit mit. Der Betroffene soll selbst entscheiden, wie viel Hilfe von unserer Seite er in Anspruch nehmen möchte und wann für ihn das Seelsorgegespräch beendet ist. Wenn jemand gar nicht mit uns sprechen will, ist das ebenfalls in Ordnung“, erklärt der 56-jährige Pfarrer. Das 25-jährige Jubiläum feiern Beck und seine Mitstreiter mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

„Wir sind in dieser Zeit in unseren Einsätzen viel Leid begegnet, sind aber auch dankbar für die lieben Kolleginnen und Kollegen, für gute Begegnungen mit Betroffenen oder für die gute Zusammenarbeit mit den Rettungskräften und Polizeibeamten“, so der Koordinator der Notfallseelsorge.

INFO

Das 25. Jubiläum der Notfallseelsorge im Dekanat Pirmasens wird am Donnerstag, 30. September, ab 18.30 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Pauluskirche gefeiert. Anschließend findet ein Empfang im Gemeindezentrum statt.

x