Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Vorsicht, aber keine Panik in den Ställen der Region

Isoliert sind derzeit auch die 31 Pferde beim RFV Winzeln.
Isoliert sind derzeit auch die 31 Pferde beim RFV Winzeln.

Pferdesport: Das Equine Herpesvirus sorgt in der Reiterszene für Aufregung. In Spanien kam es im Februar zum Ausbruch einer besonders aggressiven Variante. Mehrere Pferde starben. In der Südwestpfalz haben Ställe, Zuchtbetriebe und Vereine Vorkehrungen getroffen.

Was ist geschehen?
Bei einer Turnierserie im spanischen Valencia ist Ende Februar die aggressive Variante des Equinen Herpersvirus EHV-1 ausgebrochen. Beim Turnier waren 700 Pferde, darunter auch einige Pferde deutscher Reiter. Nach derzeitiger Erkenntnis stehen Fälle in Deutschland in Zusammenhang mit der Turnierteilnahme.

Warum ist die Situation in Valencia so schlimm?
In Spanien ist eine Variante des Herpesvirus aufgetreten, die einen neurologischen Verlauf nimmt. Dabei kommt es zu Lähmungen bei den Tieren, die das Todesrisiko erhöhen.

Gibt es Herpes-Fälle in der Region?
Herpes-Erkrankungen von Pferden sind in Deutschland nicht anzeige- oder meldepflichtig. Deshalb gibt es keinen exakten Überblick darüber, wo es derzeit Ausbrüche gibt. In Rheinland-Pfalz ist ein Reiter aus dem Westerwald betroffen, der in Valencia war. Eines seiner Pferde ist nach der Heimkehr in Deutschland gestorben. Aus dem Saarland sind keine Fälle bekannt.

Hat die Gefahr einer Herpes-Infektion Auswirkungen auf den Zuchtbetrieb?
„Wir haben einen durchgeimpften Bestand. Wir werden verstärkt darauf achten, dass die Impfungen gemacht werden“, sagt die Geschäftsführerin des Zweibrücker Landgestüts, Maren Müller. Im Gestüt herrschen strenge Hygienebestimmungen, Fremdreiter dürfen vorerst bis Ende März nicht auf die Anlage. Müller: „Im Gestüt trennen wir die Stuten, die gebracht werden, von den Pferden, die immer hier stehen. Herpes kommt immer wieder auf. Es ist gut, dass jetzt alle reagieren und die Betriebe erst einmal geschlossen bleiben.“ Da in der Besamungsstation erst in vier Wochen Hochbetrieb herrsche, lasse sich die Situation derzeit gut bewältigen.

Wie reagieren private Ställe?
„Wir haben uns viel mit dem Thema befasst, auch mit unserer Tierärztin Rücksprache gehalten“, berichtet Kerstin Müller. Sie betreibt in Walshausen einen Zucht-, Ausbildungs- und Turnierstall. Ihr eigener Bestand sei gegen Herpes geimpft: „Wir hatten vor vielen Jahren mal ein Fohlen wegen Herpes verloren. Seitdem lassen wir unsere Pferde regelmäßig impfen.“ Dort, wo es erforderlich war, sei die Impfung aufgefrischt worden. Selbst Ronja, das Pony ihrer Nichte Anni, ist jetzt gegen Herpes geimpft. „Manche unserer Einsteller sind ein bisschen beunruhigt“, erzählt sie. Da derzeit aber niemand den Stall verlasse und es auch von außerhalb keinen Kontakt zu den Pferden im Walshauser Stall gibt, bleibt Müller recht gelassen. „Ich verstehe nicht, warum manche ihre Pferde nicht gegen Herpes impfen lassen. Das kostet 40 bis 55 Euro und schützt vor einem schweren Verlauf“, ergänzt sie. Müller gibt weiterhin Einzel-Reitstunden auf dem großen Reitplatz. „Wer zu mir kommen will, kann kommen.“ Wegen der Herpesvirus-Gefahr gibt es allerdings Regeln, an die sich Gäste halten müssen. So ist der Zugang zum Reitplatz nur auf der den Stallungen abgewandten Seite des Platzes möglich, „damit die Pferde nicht mit dem Bestand in Verbindung kommen“. Müllers Wunsch: „Ich hoffe, dass das schnell vorbei ist.“

Und wie läuft es im Verein?
„Im Moment kommen keine Pferde von außerhalb bei uns rein, keiner fährt irgendwo hin“, informiert Heiner Eitel, Reitlehrer und Ausbilder beim Reit- und Fahrverein Pirmasens-Winzeln. 31 Pferde sind auf der Anlage und werden regelmäßig von ihren Besitzern bewegt. „Wir sind hier ein eigenständiger Stall, sind jetzt isoliert. Wir sind alle vorsichtig und gespannt, wie das weitergeht“, sagt Eitel. Wer woanders Kontakt zu einem Pferd hatte, kommt nur auf die Anlage, wenn er sich gründlich gewaschen hat. Herpes verschlimmere die für Vereine ohnehin schwierige Situation. „Im Moment kommt halt alles zusammen: Corona und jetzt Herpes“, ergänzt er. Deshalb sei der Verein weit weg von einem normalen Betrieb. Bis Ende März werde sich an der jetzigen Situation nichts ändern. Die im Zuge der Corona-Lockerungen entstandene Möglichkeit, jetzt im Freien Gruppenreitstunden anzubieten, will Eitel nicht nutzen: „Die Pferde waren den ganzen Winter in der Halle, da kann ich sie nicht gleich ins Freie lassen.“

Gibt es keine Impfpflicht?
Nein, derzeit nicht. Der deutsche Galoppsport-Verband lässt aber jetzt nur noch geimpfte Pferde zu den Rennen zu. Ein infiziertes Pferd bleibt lebenslang Träger des Virus, etwa 80 Prozent der Pferde tragen das Virus in sich. In den Wintermonaten kommt es regelmäßig zu Herpes-Fällen. In sehr vielen Fällen bricht die Erkrankung mit kaum merklichen Krankheitsanzeichen aus oder es kommt zu fiebrigen Atemwegsinfektionen, die gut symptomatisch behandelt werden können. Bei Zuchtpferden kann das Herpesvirus Fehlgeburten und die Geburt von lebensschwachen Fohlen auslösen. Eine Impfung reduziert die Virenlast, die ein Pferd aussondert. Nur ein vollständig geimpfter Bestand ist vor dem Virus geschützt.

x