Pirmasens auf der Spur RHEINPFALZ Plus Artikel Tattoos, Comics und Stadtpark: Die Pirmasenser Straße in Kaiserslautern

Sobald die Sonne herauskommt, füllt sich der Stadtpark in Kaiserslautern mit Menschen.
Sobald die Sonne herauskommt, füllt sich der Stadtpark in Kaiserslautern mit Menschen.

Die Pirmasenser Straße in Kaiserslautern läuft am Stadtpark vorbei, wo malerische, große Anwesen stehen – alt, aber oft aufwendig renoviert. Weiter in Richtung Fußgängerzone finden sich kleine Läden, manche alt eingesessen wie Gerds Comicshop, andere recht neu wie das Keramikatelier. Warum sich ein Besuch lohnt.

An der Pirmasenser Straße in Kaiserslautern gibt es einige schöne Flecken zu entdecken. Der westliche Teil beginnt unspektakulär, trennt sich an einem Eisenbahnviadukt von der großen Königstraße und führt hinten an mehreren Märkten und den Stadtwerken vorbei. Dann aber verläuft die Straße entlang des Stadtparks, der nicht besonders groß ist, aber hübsch angelegt und beliebt bei den Lauterern. Fast bei jedem Wetter sind Kinder auf dem Spielplatz, Jogger und Hundeausführer drehen Runde um Runde, und die Bewohner des Altenheims der Diakonie nebenan gehen spazieren.

Für einige Gruppen ist der Stadtpark Treffpunkt. So lässt sich die sonntägliche Falun-Dafa-Gruppe von eisigem Nieselregen nicht abhalten. Sogar eine Pirmasenserin ist an diesem Vormittag angereist. Initiatorin Sonja Reiß-Flesch spricht von einem spirituellen Weg und dem Versuch, ein besserer Mensch zu werden, indem die Mitglieder den Fokus auf die Werte Wahrheit, Nachsicht und Mitgefühl legen. Die meditativen Übungen am Sonntag im Stadtpark dienen dazu, „diese Werte in den Körper hineinzuziehen“, erklärt Reiß-Flesch. Fünf Übungen geht die Gruppe in der Regel durch, obwohl sie sich bei dem nasskalten Wetter doch die letzte sparen, die allein eine Stunde dauere. Sieben Menschen haben sich an diesem Sonntag getroffen. Das ist nicht immer so. „Wenn ich morgens losfahre, weiß ich nie, ob ich an diesem Tag allein bin oder mehrere Leute kommen“, erzählt Sonja Reiß-Flesch. Die Teilnehmer sind zumeist Lauterer, aber auch aus der Region kommt mancher in die Barbarossa-Stadt. Auch ein Ukrainer, der in Pirmasens lebt, schließe sich gelegentlich an.

Kulturdenkmäler zu bewundern

Die Pirmasenser Straße wurde nach Angaben der Stadt 1827 angelegt und geht auf einen sehr alten Verbindungsweg zwischen Kaiserslautern und Pirmasens zurück. Der Name erklärt sich damit von selbst, ursprünglich führte der Weg bis zur Stadtgrenze in Richtung Pirmasens.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Ganze zehn rheinland-pfälzische Kulturdenkmäler stehen an der Pirmasenser Straße in Kaiserslautern, viele in unmittelbarer Nähe zum Stadtpark, wo unter anderem der Architekt Carl Spatz im 19. Jahrhundert seine Spuren hinterließ. Er baute die Villa Kröckel, ein schlossartiger Neurenaissancebau, an dessen Fassaden Passanten jede Menge hübsche Details entdecken.

Mamas und Mangas

In die Liste der Kulturdenkmäler wurde auch die Wackenmühle aufgenommen, vermutlich das älteste erhaltene Gasthaus der Stadt. Mit wenigen Unterbrechungen wird die Wirtschaft seit 1814 bis heute geführt. 1876 wurde der Stadtpark fertiggestellt, das Gasthaus schmückte sich in dieser Zeit vermutlich deshalb mit dem Namen „Zum Parkschlössel“. Der ursprüngliche Name hingegen verweise auf eine nahe Ziegelhütte. Seit den 1930 Jahren heißt das Gasthaus „Zur Wackenmühle“ und bezieht sich damit auf eine nahe Mühle, die bereits im 18. Jahrhundert Kieselsteine zu Steinmehl verarbeitete. Das historische Gasthaus war Poststation auf der Strecke nach Pirmasens.

Die Tätowierer von Respawn haben ihren Laden kurz vor der Pandemie eröffnet.
Die Tätowierer von Respawn haben ihren Laden kurz vor der Pandemie eröffnet.

Eine Institution in der Pirmasenser Straße ist Gerds Comicladen, der seit knapp 40 Jahren Anlaufstelle ist für Fans. Stevan Tiefert hat das Geschäft vor wenigen Monaten übernommen. Vom ursprünglichen Namensgeber und Inhaber kennt er nur Geschichten, besagter Gerd sei stadtweit bekannt gewesen. „Wir haben hauptsächlich Mangas, Superheldencomics, Alben und Spielminiaturen“, erzählt Tiefert. Das Publikum sei überraschenderweise sehr gemischt, von Kindern über Erwachsene bis hin zu Rentnern. Einige, die früher als junge Mädchen kamen, bringen heute ihre Töchter mit, um sich gemeinsam die neusten Mangas anzuschauen. Und so mancher Vater „versucht, seinem Sprössling die Comics der großen Superhelden schmackhaft zu machen“, berichtet der Inhaber.

„Lautre“-Tattoo

Respawn heißt das Tattoostudio von Dennis Trummer, das er Ende 2019 in der Pirmasenser Straße, schräg gegenüber des Comicshops, eröffnet hat. Neben dem Inhaber arbeiten dort Caleb Quin, der Tattoos im traditionellen US-amerikanischen und im surrealistischen Stil sticht und auch Lettering – also Schriftzüge – liebt, und Anja Martinowsky, die eigentlich eine Steinmetzlehre gemacht und bei Trummer das Tätowieren gelernt hat. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich hier meine Kreativität voll ausleben kann“, meint sie. Martinowsky sticht am liebsten „ganz feine Sachen“ mit vielen Details „und viel Farbe“, sagt sie und lacht. Ein Kunde, der sich gerade im Laden befindet, zeigt eines ihrer Tattoos auf seinem Arm. Es zeigt seine Heimatliebe: „Lautre“ steht da, umgeben von einer detailreichen Zeichnung.

Der Chef mag ebenfalls surrealistische Tattoos und pflegt die New School. „Dabei werden Tattoos mit alten Techniken gestochen, aber aufwendiger mit Shades und Highlights“, erklärt Trummer. Einfach hatte es der Laden nicht: Kurz nach der Eröffnung begannen die Corona-Lockdowns, dann kam die Umsetzung der EU-Richtlinie, mit der viele Farben verboten wurden, die lange Jahre von Tätowierern verwendet worden waren. „Wir können es auffangen“, sagt Trummer zu dem Mangel. Inzwischen hätten die Lieferanten Farben im Angebot, die EU-konform sind. „Wir können damit genauso arbeiten“, berichtet der Tätowierer, schränkt aber ein: Die neuen Stoffe seien nicht langfristig erprobt, die Tätowierer könnten also nicht sicher sagen, wie ein Werk, das heute gestochen wird, in ein paar Jahren aussieht.

Im Lauter Atelier wird Keramik bemalt.
Im Lauter Atelier wird Keramik bemalt.

Erinnerungen auf Keramik

Vera Lill und Bianca Kock sind mit ihrem Keramikmalstudio Lauter Atelier vor drei Jahren in die Pirmasenser Straße gezogen und dort gleich neben dem Tattoostudio zu finden. In einem hellen Raum bieten sie Keramikrohlinge – wie Tassen, Teller und Teekannen –, die ihre Gäste in bunten Farben bemalen. Einmal die Woche kommen die Werke in den Keramikofen, danach können sie abgeholt werden. Viele Familien fänden sich im Atelier ein, zum Kindergeburtstag wird Kuchen mitgebracht, erzählt Inhaberin Lill. Auch Studenten fänden sich regelmäßig ein, und manche Freundinnen treffen sich zum Kaffee und malen sich dabei eine Erinnerung. Vor der Pandemie seien die meisten Leute spontan hereingekommen. Inzwischen werde das wieder gemacht, viele hätten sich aber angewöhnt, vorher einen Termin zu vereinbaren. Seit den Lockdowns gibt es Keramikkisten für zu Hause mit Rohlingen und Farben.

1,3 Kilometer ist die Pirmasenser Straße in Kaiserslautern lang. 1979 wurde ein kleiner Teil zur Fußgängerzone erklärt. Dort geht sie in die Karststraße über.

Zur Serie: Pirmasens auf der Spur

Es gibt zwar nur ein Pirmasens, aber dafür einige Pirmasenser Straßen. Wir haben uns vor Ort umgeschaut und Informationen dazu gesammelt. In loser Serie stellen wir die „Pirmasenser Straßen“ in der näheren und weiteren Umgebung der Horebstadt vor. Als ersten Teil hatten wir uns der Pirmasenser Straße in Saarbrücken gewidmet.

Bei Familien ist der Stadtpark besonders beliebt.
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