Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Gerds Comicladen hat eine lange Tradition

Die Comics teilen sich laut Ute Kaul grob in drei Kategorien: klassische Alben-Comics (wie etwa Asterix und Spirou & Fantasio),
Die Comics teilen sich laut Ute Kaul grob in drei Kategorien: klassische Alben-Comics (wie etwa Asterix und Spirou & Fantasio), Superheldencomics (mittlerweile auch im Kino zu erleben) und dazu noch die fernöstlichen Mangas.

Wer einen Fuß in Gerds Comicladen Kaiserslautern in der Pirmasenser Straße setzt, der betritt eigentlich gleich zwei Läden: einen Comicladen und einen zweiten, der den Schwerpunkt eher auf Spiele setzt, auf Brettspiele wohlgemerkt. Digitales findet sich in keinem der beiden Läden. Seit rund 35 Jahren ist der Laden Anlaufstelle für Spiele-Liebhaber, Comic-Anhänger und Fans von Science-Fiction- und Fantasy-Welten.

Ute Kaul ist in dem Laden für die Comics zuständig, das Ehepaar Szostecki, Bernd und Yvonne, zeichnet für den Spielebereich verantwortlich. Seit etwa zehn Jahren gibt es zwei Läden mit getrennten Kassen in dem Geschäft, berichtet Ute Kaul. Auf den ersten Blick erkennbar ist das nicht, auch nicht im Namen des Ladens. Der – Gerds Comicladen Kaiserslautern – setzt sich aus zwei Namen zusammen: Gerds Comicladen und Comicladen Kaiserslautern. Auch im Innern sind die beiden getrennten Geschäfte nicht sofort erkennbar. „Es sieht einheitlich aus“, sagt Kaul. Zudem seien die Mitarbeiter im Laden allesamt affin für alle Angebote, für Comics wie für Spiele, darunter auch die klassischen Fantasy-Rollenspiele, die nur mit Stift und Papier (und Regelbüchern) gespielt werden.

Aktuelle „Spiele des Jahres“ sucht man vergebens

„Wir sind sehr analog aufgestellt“, unterstreicht Bernd Szostecki. Im hinteren Raum finden sich die Spiele, Brettspiele überwiegend. „Spiele des Jahres“ finden sich dort allerdings nur wenige. Wenn, dann nur aus der Zeit, als das Spiel noch nicht diese Auszeichnung erfahren hat: „Es gibt Sammler, die suchen speziell die Ausgaben ohne den ,Spiel des Jahres’-Button.“ Wird ein Spiel dermaßen ausgezeichnet, verliere es für Szosteckis Laden die Attraktivität. Dann sei es auch in anderen, weniger spezialisierten Läden erhältlich, und es müsse keiner mehr zu ihm kommen. Außerdem: „Das beste Spiel des Jahres wird nie ,Spiel des Jahres’“, sagt Szostecki.

Dessen Lieblingsspiel derzeit ist „Twilight Imperium“, ein Science-Fiction-Strategiespiel, bei dem die Mitspieler versuchen, die Galaxis unter ihre Kontrolle zu bringen. Das Spiel sei zwar „sehr komplex“ und man müsse „schon mal ein Wochenende“ für eine Runde einplanen, aber es lohne sich, findet der Spieleexperte. Ein gutes Spiel muss für Szostecki „mit wenigen Regeln Komplexität erzielen“. Schach und Go seien dafür hervorragende Beispiele. Und: „Eine gewisse Unvorhersehbarkeit ist wichtig. Es muss immer eine Unsicherheit da sein, was der Gegner als nächstes macht.“

Rollenspiele sind aus der Nerd-Ecke rausgekommen

Vorne, im ersten Raum, finden sich die Comics. Die teilen sich laut Kaul grob in drei Kategorien: klassische Alben-Comics (wie etwa Asterix und Spirou & Fantasio), Superheldencomics (mittlerweile auch im Kino zu erleben) und dazu noch die fernöstlichen Mangas. Ebenso findet sich im Laden Material für Fantasy-Rollenspiele. „Die Rollenspiele waren tot, sind seit zwei, drei Jahren aber wieder im Kommen“, hat Kaul beobachtet. Dabei hätten die Verlage, auch die der bekannten Systeme „Das Schwarze Auge“ und „Dungeons & Dragons“, kurz D&D, niemals aufgehört, neues Material zu publizieren. „Es ist ein wenig rausgekommen aus der Nerd-Ecke“, sagt Kaul.

DIe klassischen Comic-Leser sind keinesfalls Teenager

Die Wurzeln von Gerds Comicladen reichen zurück bis in die 1980er Jahre. Der Namensgeber des Ladens, Gerd Wiggers, ist vor rund 20 Jahren verstorben, sein Name besteht fort im Logo seines Ladens. Dort tummelt sich überwiegend Stammkundschaft, die laut Ute Kaul mehr als Dreiviertel der Kunden ausmacht. „Viele kennen wir mit Namen und könnten per Handschlag begrüßen.“ Dabei sind die klassischen Comic-Leser keinesfalls Teenager. „Viele sind 35 bis 40 Jahre alt, gesettlet und haben dann wieder ihre Liebe zu Comics entdeckt“, sagt Kaul.

Bei den Spiele-Liebhabern verzeichnet Szostecki ebenfalls einen gewissen Retro-Trend. So finde er unter seinen Kunden, die beispielsweise das recht populäre (und auch schon Jahrzehnte alte) Kartenspiel „Magic – the Gathering“ kaufen, einige Menschen, die das Spiel dereinst ob der (scheinbaren) Brutalität verteufelten. „Heute sind die daran interessiert, die Kinder von den Bildschirmen wegzubekommen“, hat Szostecki beobachtet. Bildschirme sucht man in Gerds Comicladen vergebens. Dafür jede Menge Verpackungen, in denen sich jede Menge (analoge) Dinge zum Anfassen verbergen, mit denen man viel Zeit verbringen kann. Viel, viel Zeit …

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